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Der Bärenmarkt kommt – und er wird schlimmer als der letzte

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von Astrid Schuch | 17.05.2011 | 11:04

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Der Bärenmarkt kommt – und er wird schlimmer als der letzte

Bei Elliott Wave ist man bearish. Die Börsen sollen 2012 oder 2013 das 09er-Tief unterschreiten und Frankreich zum Euro-Sorgenkind werden. Aber auch die Chancen sind enorm.

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Facts

Elliott-Wellen
Die Elliott-Wellen sind ein Mittel der technischen Analyse zur Vorhersage von Trends auf den Märkten. Die Theorie wurde in den 1920ern von dem US-Amerikaner Ralph Nelson Elliott entwickelt. "Die Märkte bewegen sich in Wellen von Optimismus und Pessimismus. Individuen folgen größtenteils der Herde, was zu Mustern in den Charts führt", erklärt Brian Whitmer von Elliott Waves International dem WirtschaftsBlatt.

Die Wellentheorie von Elliott behauptet, dass sich die Märkte in einer vorher bestimmten Anzahl von Höhen und Tiefen, den Wellen, bewegen. Demnach schwanken die Preise innerhalb eines Trends in fünf und drei Wellen. Bei einer Hausse bewegt sich der Markt in fünf Wellen nach oben und in drei Wellen wieder nach unten. Bei ­einer Baisse verhält es sich umgekehrt, fünf Wellen gehen nach unten und drei Korrekturen nach oben.

Zur Mustererkennung nutzen die Analysten von Elliott Waves unterschiedliche Hilfsmittel, wie Umfragen unter Händlern, deren Ergebnisse sie dann mit vergangenen bedeutenden Wendepunkten an den Märkten vergleichen. Für die Bärenstimmung bei Elliott Waves nennt Whitmer ein Beispiel: „Deutsche Unternehmen waren 2007 extrem optimistisch. Heute sind sie es wieder.“

Wer sich jetzt an zweijährige griechische Staatsanleihen heranwagt, könnte 25 Prozent jährlich verdienen – sofern die Griechen Kapital samt Zinsen vollständig zurückzahlen, wovon eigentlich niemand mehr ausgeht. Besser stehen die Chancen auf Rückzahlung noch (!) bei portugiesischen Kurzläufern, die rund elf Prozent rentieren. Jüngst kam es hier zu einer leichten Entspannung aufgrund des Rettungspakets von 78 Milliarden €, über das die Finanzminister der Eurozone am Montag debattierten. Indes werden neue Hilfen von bis zu 60 Milliarden € für die ­Hellenen diskutiert.

Gegenüber dem WirtschaftsBlatt gibt sich Brian Whitmer von Elliott Wave International pessimistisch: "Das ist in gewisser Weise eine Eskalation der Finanzkrise – mit dem Unterschied, dass zwischen 2007 und 2009 Unternehmen und jetzt ganze Länder betroffen sind." Dabei werden die Probleme, so der Europa-Analyst, mit den Rettungspaketen nur verschlimmert: "Die Schulden müssen abgeschrieben werden. Ich ­sehe nicht, wie die Griechen einen Teildefault vermeiden könnten. Die Hilfen verzögern diesen Prozess lediglich."

Sorgenkind Frankreich 

Whitmer, dessen Markteinschätzung auf den sogenannten Elliott-Wellen basiert, geht aber weiter – die Eurozonen-Krise sei alles, nur nicht eingedämmt. "Viele Analysten meinen, Spanien und Italien hätten eine Ansteckung verhindert. Letztes Jahr war es nach Griechenland dasselbe. Weder Irland noch Portugal waren Griechenland. Ich mache mir jedenfalls immer noch Sorgen um Spanien." Wobei die Sorgen bei Spanien nicht enden. Hintergrund sind die Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS), die erneut auf Eskalation hindeuten, fürchtet Whitmer. So waren die Zeichen der Anspannung auf den CDS- und Bondmärkten am Hoch der Finanzkrise 08/09 extrem. Heute allerdings handeln nicht nur die fünfjährigen CDS von Griechenland, Portugal und Irland über diesen Hochs, sondern auch jene von Spanien. Und trotz der Beruhigung der letzten Monate schießen auch die CDS von Italien und gar Frankreich seit Mitte 2010 immer wieder über die Finanzkrisen-Hochs. Das Whitmer’sche Fazit: "Diese Krise ist nicht vorbei, sie wird schlimmer – in den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird sie sich auf Kerneuropa ausbreiten. Frankreich steht ganz oben auf der Liste."

Dabei machen auch die Börsen laut Whitmer als Vorlaufindikator zur Bestimmung des nächsten Euro-Sorgenkindes einen guten Job. "Mit Krisenbeginn sind die Aktienmärkte der Peripherie gefallen." Jüngstes Beispiel: Portugal. Während der Stoxx 600 im 2010er-Jahr über acht Prozent zulegte, verlor der portugiesische Leitindex zehn Prozent. Spaniens IBEX liegt seit Anfang 2010 satte 15 Prozent unter Wasser, der Stoxx immer noch acht Prozent im Plus. "Einzig der DAX und der Footsie haben sich wacker geschlagen", erklärt Whitmer. Tatsächlich war auch Frankreichs Leitindex Underperformer: Seit Anfang 2010 beläuft sich das Performanceminus auf 1,1 Prozent. 

Enorme Chance

Entsprechend bearish ist der Elliott Wave-Experte, wenn es um die europäischen Börsen geht: "Wir befinden uns bereits seit dem 2000er-Hoch in einer Korrektur. Nun haben es die Indizes erneut nicht geschafft, neue Hochs zu erreichen." Hiobsbotschaft: "Der nächste Bärenmarkt wird schlimmer sein als der von 2007 bis 2009. Aufgrund des langfristigen Musters gehen wir davon aus, dass wir die Tiefstände vom März 2009 in den nächsten ein oder zwei Jahren unterschreiten werden." Whitmer untermauert diese These mit der Stimmung: "Im März 2009 war niemand zu finden, der optimistisch war. Heute, nach zwei Jahren Rally, haben wir das Gegenteil – der Optimismus ist groß."

Der Rat an Investoren ist demgemäß simpel: So flossen die Mittel im Verlauf der Finanzkrise in sichere Währungen wie in den US-Dollar und den Schweizer Franken: "Wir erwarten denselben Trend, aber noch ausgeprägter." Nicht zuletzt, weil laut einer Umfrage derzeit 96 Prozent der Futures-Händler bullish auf den Euro gegen den US-Dollar sind. Vor einem Jahr, als die Gemeinschaftswährung das Tief zum Dollar markierte, zeigte dieselbe Umfrage, dass 96 Prozent bearish auf den Euro waren, weshalb Whitmer von einer "monatelangen oder noch längeren" Abwertung des Euro ausgeht. Investoren sollten demnach also Cash horten, sich mit Dollar- und Franken-Assets wie kurzlaufenden Staatsanleihen eindenken und ein bis zwei Jahre ausharren, denn dann, glaubt Whitmer, winkt an den Börsen die nächste "gewaltige Kaufgelegenheit".

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2 Kommentare

Viel Logisches dabei!

Der Antrieb der Aktienmärkte seit 2009 kommt vorwiegend durch die exzessive Geldschöpfung zustande. Diese Gelder, verwaltet von der Finanzwirtschaft, müssen ja irgendwo hin und die Anleihenmärkte (Staaten) werden zunehmend riskanter. Kommt es zu einer korrigierten Politik bei der Geldschöpfung, dann werden wohl auch die Aktienindizes korrigieren müssen. Bleibt die Geldschöpfung aufrecht, dann können die Nominalen erhalten bleiben, die Werte frisst dann aber die Inflation.

Ich bin auch der gleichen Meinung was Frankreich betrifft. Die Franzosen haben die perfekte Mischung für einen Staatsbankrott geschaffen.
Staatsausgabenquote:................56%
Defizit 2010 (Hochkonjunktur!):.....7%
Offizieller Schuldenstand:......2.183 Mrd. USD (Quellen CIA)
Inoffizieller Schuldenstand:..14.027 Mrd. USD (Quelle wiwo mit Verweis auf die EU).

Eine Flucht in Sachwerte erscheint Sinnvoller als je zuvor.

Faymann und Spindelegger werden das wohl niemals verstehen.

Von Gast: Gast: ET am 17.05.2011 um 12:39

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Re: inhaltlich stimmts aus meiner sicht, aber ...

dass die staatsschulden eine sehr "labile" situation geschaffen haben, bestreite ich nicht. allerdings ist es hoch riskant, irgendwelche prognosen mit elliott wave zu machen: die theorie basiert auf wenigen marktzyklen, an deren ende immer der totale zusammenbruch steht. wenn einer war, hatten die elliott-waver im nachhinein immer recht - das ist im endeffekt eine billige, retrospektive effekthascherei. ich habe mich im vorjahr damit eingehend auseinandergesetzt - die e-w-analysen ergaben damals, dass der dow im herbst 2010 auf 4000 punkte steht. was tatsächlich war, weiß jeder. also: die theorie ist mit vorsicht zu genießen

Von Gast: surricata_surricata am 18.05.2011 um 11:28

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