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"Zum Mythos des Bösen stilisiert"

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von Wolfgang Unterhuber | 08.06.1996 | 00:00

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"Zum Mythos des Bösen stilisiert"

Wolfgang Unterhuber

Westliche Geheimdienste versuchen seit Jahren, den Chef des austro-russischen Handelshauses Nordex, Grigori Loutchansky, als KGB-Agenten zu enttarnen. Ende Juni wird Loutchansky auf einer internationalen Pressekonferenz dazu Stellung nehmen. Im WirtschaftsBlatt sagt er bereits jetzt, was er von den Vorwürfen hält.

WirtschaftsBlatt: >> Ihr Unternehmen wird ständig mit dunklen Machenschaften wie Waffen- oder Drogenhandel in Verbindung gebracht. Wie können sich solche Gerüchte über mehr als drei Jahre lang halten? <<

Grigori Loutchansky: Ich habe dazu nur Vermutungen. Kaum jemand im Westen scheint zu glauben, daß ein Unternehmen, das den Großteil seiner Geschäfte in Osteuropa abwickelt, heutzutage auf legale Art erfolgreich sein kann. Die Nordex steht dabei besonders im Vordergrund, weil wir nicht nur im Osten, sondern auch im Westen aktiv sind. Das Problem ist, daß es nun tatsächlich Unternehmen gibt, die Geldwäsche sowie illegale Waffen- und Drogengeschäfte betreiben. Ich vermute, daß solche Unternehmen die Geheimdienste und Polizeibehörden in sehr gevifter Weise auf eine falsche Spur hetzen. Die Nordex bietet da aufgrund ihres schnellen Wachstums genug Spielraum für Phantasien.

WB: >> Ihre österreichische Hausbank, die Erste, hat die Nordex kürzlich aufgefordert, ihr Konto zu räumen. Wurde Ihnen schon mitgeteilt, warum? <<

Loutchansky: Nein. Inoffziell haben wir jedoch erfahren, daß der britische Geheimdienst das österreichische Innenministerium aufforderte, gegen uns in irgendeiner Weise aktiv zu werden. Daraufhin haben Repräsentanten der Polizei die Erste Österreichische Spar-Casse Bank kontaktiert und empfohlen, alle Nordex-Konten zu kündigen.

WB: >> Werden Sie jetzt Ihre Zelte in Österreich abbrechen? <<

Loutchansky: Ich habe beschlossen, Mitte des Jahres das Hauptquartier nach Moskau zu verlegen. Das hat aber überhaupt nichts mit der Kontenräumung oder sonstigen Benachteiligungen zu tun. Es sind ausschließlich praktische Überlegungen, die diesem Entschluß zu Grunde liegen. Die Hauptaktivitäten der Nordex finden in Rußland statt. Aber die Nordex soll ein österreichisches Unternehmen bleiben.

WB: >> Der Deutsche Bundesnachrichtendienst vermutet, daß die Nordex ein Tarnunternehmen des russischen Geheimdienstes sein könnte. Alles nur üble Nachrede? <<

Loutchansky: Ich weiß, worauf Sie anspielen. Angeblich existiert da ein Dossier vom Deutschen Bundesnachrichtendienst, in dem die Nordex als teilweise kriminalisierte Organisation bezeichnet wird. Diese Akte wurde während des vergangenen Jahres weltweit in vielen Medien zitiert.

WB: >> Was sagt der BND dazu? <<

Loutchansky: Der BND teilte meinen Anwälten kurzerhand mit, daß er in dieser Sache keinerlei Auskunft erteilt. Wir haben auch die österreichischen Polizeibehörden kontaktiert, weil die Medien immer wieder darauf hinweisen, daß diese vom BND informiert worden sind. Die Österreicher wissen jedoch nichts davon und verfügen nach eigenen Angaben auch über keine Informationen aus BND-Akten.

WB: >> Faktum ist, daß es in Ihrem Geschäftsumfeld mitunter heiß hergeht: Als die Nordex 1993 der Ukraine russisches Erdöl lieferte, wurde der Chef Ihrer ukrainischen Partnerfirma, Wladimir Bortnik, von einem Killerkommando schwer verletzt.<<

Loutchansky: Das Attentat auf Bortnik hatte überhaupt nichts mit unseren Geschäftskontakten zu tun. Laut meinen Informationen stand das Attentat mit ganz anderen kommerziellen Aktivitäten von Herrn Bortnik in Zusammenhang.

WB: >> Was halten Sie von der Theorie, daß die ukrainische Mafia mitmischen wollte? <<

Loutchansky: Denn Vadim Yafysow, Chef der russischen Handelsbank Yugorski, die bei dem Ukraine-Geschäft für die Nordex als Kreditgeber auftrat, kam vor einem Jahr bei einem Attentat ums Leben.

Vadim Yafysow wurde erst eineinhalb Jahre nach der ukrainischen Transaktion an der Yugorski-Bank angestellt. Er befaßte sich mit der Finanzierung des Aluminiumhandels. Den Mann habe ich persönlich nicht gekannt und überhaupt nie gesehen.

WB: >> In Summe also alles nur Rauch ohne Feuer? <<

Loutchansky: Wenn nur ein Teil der Behauptungen gegen mich wahr wäre, dann würde ich längst hinter Gittern sitzen und nicht in diesem Office. Es existiert bis heute eben nicht der geringste Beweis, daß auch nur ein Funke dieser Beschuldigungen der Wahrheit entspricht. Die Geschichten über mich und die Nordex sind Diffamierungen und Lügen. Die Nordex wird da zu einem Mythos des Bösen hochstilisiert. Wenn die Geheimdienste wirklich der Meinung sind, daß wir eine Gefahr für die Gesellschaft sind, warum kontaktiert uns dann keiner?

WB: >> Apropos Kontakte: Wie wirken sich die Nachforschungen der Geheimdienste auf Ihre Geschäftsverbindungen aus? <<

Loutchansky: Es sind uns Fälle bekannt, in denen Vertreter der Geheimdienste - etwa der CIA - Geschäftspartner der Nordex konsultiert haben. Den Managern wurde dabei nahegelegt, daß es sich nicht lohnt, mit der Nordex weiter zusammenzuarbeiten. Einige unserer Geschäftspartner haben aufgrund solcher Lügen die Kontakte mit uns eingefroren. Auch die Diffamierungen in dem jüngst erschienenen Buch "Russenmafia, das gefährlichste Verbrechersyndikat der Welt" haben uns sehr geschadet.

WB: >> Sie wollten das Erscheinen des Buches verhindern.<<

Loutchansky: Es ist doch offensichtlich, daß es Verleger und Verfasser nur um den Skandal und um Effekthascherei geht. Die gegen uns erhobenen Vorwürfe in dem Buch sind die altbekannten Lügen. Ich würde dem Verfasser des Buches gerne in einer TV-Konfrontation begegnen. Bisher wurde das immer wieder abgelehnt. Schließlich bin ich ja eine gefährliche Person, vor der man sich schützen muß (lacht).

WB: >> Sie hätten nichts dagegen, wenn die österreichische Staatspolizei Ihr Unternehmen durchleuchtet? <<

Loutchansky: Überhaupt nicht. Ich bin auch für eine Verschärfung der Bestimmungen gegen die Geldwäsche. Das könnte für die Nordex durchaus von Nutzen sein, weil jeder leichter nachprüfen könnte, daß das Unternehmen sauber ist und nichts mit dunklen Machenschaften zu tun hat.

WB: >> Die Nordex hat bereits im dritten Geschäftsjahr 25 Milliarden Schilling umgesetzt. Wie geht das, ohne auf die schiefe Bahn zu geraten? <<

Loutchansky: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war der Handel mit Rohstoffen eine Goldgrube. Wir haben für unsere Industriepartner den Verkauf ihrer Produkte auf dem Weltmarkt übernommen. Logistik und Marketing, all das übernahm die Nordex - ohne Zwischenhändler. Das brachte erhebliche Umsätze und Gewinne. Zudem gründeten wir Trading-Joint-ventures. Wir zeigten unseren Partnern, wie man Marketing betreibt. Das alles war neu, und bald zählten unzählige Industrieunternehmen aus den GUS-Staaten zu unseren Partnern. Ebenso westliche Konzerne, die im Osten reüssieren wollten - wie etwa die Voest Alpine.

WB: >> Im Vorjahr betrug der Umsatz nur mehr sechs Milliarden Schilling.<<

Loutchansky: Viele unserer ehemaligen Partner wie das MMK-Eisenhüttenwerk Magnitogorsk vermarkten und verkaufen ihre Produkte nun selbst. Die Nordex wird sich nun auf Projektfinanzierung spezialisieren. Derzeit finanzieren wir etwa den Bau von Verarbeitungsbetrieben für Sonnenblumenöl.

Danke für das Gespräch.

>>Steckbrief<<

"Im Fadenkreuz der Geheimdienste - die Karriere des Grigori Loutchanksy

Grigori Loutchansky, 51, verheiratet, eine Tochter, wächst in bescheidenen Verhältnissen im lettischen Riga auf. Er studiert Wirtschaftswissenschaften und bringt es zum Prorektor der Staatsuniversität Riga. 1982 wird Loutchansky wegen angeblich fehlerhafter Buchhaltung zu neun Jahren Gulag verurteilt - wegen guter Führung aber bereits 1985 wieder freigelassen. Zwei Jahre später wird Loutchansky stellvertretender Leiter des Agrarkombinats Adazhi. 1990 gründet er die Nordex mit Firmensitz in Wien, Prinz-Eugen-

Straße 32 (Bild). Das Unternehmen betreibt vor allem Düngermittel- und Rohölhandel. Bereits 1993 zählt die Nordex weltweit 100 Tochterunternehmen mit einem konsolidierten Umsatz von 25 Milliarden Schilling. Durch das schnelle Wachstum werden die westlichen Geheimdienste auf Loutchansky aufmerksam. Ihre Theorie: Nordex sei ein Tarnunternehmen des KGB, das nach dem Zusammenbruch des alten Regimes Gelder im Kampf gegen die neuen Machthaber beschaffen soll. Bewiesen kann diese Theorie allerdings nie werden. Die Nachforschungen der Geheimdienste sind für Loutchansky dennoch fatal: 1993 will er den Firmensitz nach Kanada verlegen. Die Behörden in Ontario winken ab. Ein Jahr später verhängt Großbritannien ein Einreiseverbot für den Nordex-Boß. Auch wirtschaftlich muß Loutchansky Rückschläge hinnehmen. Der Umsatz sank 1995 von 20 auf sechs Milliarden Schilling

Bildtext: Loutchansky etablierte den Nordex-Firmensitz an einer der vornehmsten Wiener Adressen

"Wir haben erfahren ,daß der brittische Geheimdienst das Österreichische Innenministerium aufforderte,gegen uns aktiv zu werden.

Darauf haben Represendanten der polizei die Erste kontaktiert und empfohlen , alle Nordex-Konten zu kündigen

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