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"Forscher sind begabte Jammerer und Kaufleute"

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von Bernhard Fischer | 18.03.2009 | 23:33

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"Forscher sind begabte Jammerer und Kaufleute"

Österreichs Forscher müssen sich nach der Decke strecken. Können Unis und Gewerkschaft sich nicht einigen, will der Minister 140 Millionen € in die Forschung pumpen.

WirtschaftsBlatt: Der Forschung fehlt das Geld, gleichzeitig können sich die Uni-Rektoren nicht mit der Gewerkschaft über die KV-Tarife einigen. Werden Sie ein Machtwort sprechen?

Johannes Hahn: Die KV-Partner haben sieben Monate Zeit gehabt, nun brauche ich Klarheit, um mein Budget fertigzustellen. Wenn sich die Partner nicht einigen, dann werde ich die 140 Millionen € in die Uniforschung pumpen.

Die Qualität der Forschung steht auf dem Spiel. Mit welchem Geld dürfen die Grundlagenforscher planen?

In der Tat ist die März-Sitzung des für Grundlagenförderung hauptverantwortlichen FWF ausgesetzt worden. Und zwar, weil dieser eine schriftliche budgetäre Zusage haben wollte.

Wie könnte der Wissenschaftsfonds sonst planen?

Es gibt ja schon einen Budgetentwurf. Korrekterweise muss ich aber sagen, der Parlamentsbeschluss steht bis Mai aus. Die FWF-Verantwortlichen haben gesagt, sie hätten gerne diesen Beschluss als Grundlage ihrer Arbeit. Offenbar ist das auch die Reaktion auf die Kritik, dass der FWF bis Ende des Vorjahres noch Projekte genehmigt hat, die eine hohe Vorbelastung ausgelöst haben. Im nunmehrigen Budget müssen wir das mitberücksichtigen.

Wird der FWF kolportierte 110 Millionen € bekommen?

Ich bitte um Verständnis, zu konkreten Budgets derzeit noch nichts sagen zu können. Derzeit wird in meinem Ministerium daran gearbeitet, das Globalbudget auf die einzelnen Posten zu verteilen. Die Institutionen haben gewusst, worauf sie sich nach den Neuwahlen einstellen müssen, und dass es dadurch zu Verzögerungen bei der Budgeterstellung kommen wird.

Wenn es erst im Mai den Parlamentsbeschluss geben wird und das Budget de facto mit Juni steht, hat dann der Finanzminister dadurch ein halbes Jahr eingespart?

Nein, weil die Anträge müssen ja bearbeitet werden und liegen jetzt nur auf Halde. Es wird einfach eine höhere Dichte an Sitzungen geben, weil das abzuarbeiten ist. Unser Ziel ist eine stabile Entwicklung im Forschungsbereich. Das Wachstum der Forschungsquote wird sich von zehn auf fünf Prozent halbieren, aber es bleibt ein Förderplus von einer Milliarde. Wir müssen uns alle nach der Decke strecken.

Gemessen daran, dass das Budget aufgestockt werden soll, ein Widerspruch?

Die Spannung kommt vor allem daher, dass ich Hypotheken der Vergangenheit aufzuarbeiten habe. Man ist davon ausgegangen, dass das Budgetwachstum wie in den besten Zeiten weitergeht.

Wird der Förderausfall der Nationalstiftung kompensiert?

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das Leck so klein wie möglich zu halten. Aber man wird nicht alle Ausfälle verhindern können. Durch Umschichtungen und das Infragestellen von Programmen werden wir Schwerpunktsetzungen vornehmen. Vieles wird dabei erst 2010 wirksam. Wir müssen jetzt eine Übergangsphase überwinden. Die Mittel sind knapper.

Sind Sie mit den Budgetplanungen schon im Jahr 2010, oder wollen Sie doch noch wie angekündigt heuer durchstarten?

Von der gesetzlichen Seite her müssen wir die nächsten vier Jahre betrachten. Zwei davon sehr umfassend und zwei davon im Sinne einer rollierenden Budgetplanung. Meine Verantwortung liegt darin, Berechenbarkeit zu erzeugen.

Genau das kritisieren die Forscher.

Die Forscher sind auch gute Kaufleute und begabte Jammerer. Es ist die Substanz zu prüfen und nicht das Gefühl.

Das Interview führte Bernhard Fischer

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