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"Gemeingüter sind unser aller Reichtum"

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von Alexandra Rotter | 19.06.2009 | 00:35

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"Gemeingüter sind unser aller Reichtum"

Abwrackprämie und staatliche Rettungsaktionen führen zu einer breiten Debatte über Eigentum. Als Alternative schlagen Wissenschafter vor, dem Thema Gemeingüter Beachtung zu schenken.

Buch-Tipp

Wem gehört die Welt?
Das Thema Gemeingüter beschäftigt die Wissenschaft schon lange. Zahlreiche internationale Forscher und Aktivisten auf dem Gebiet beleuchten einzelne und aktuelle Aspekte in diesem auch für Nicht-Forscher gut verständlichen Band.

"Bei allen großen sozialen und politischen Konflikten geht es um Gemeingüter", sagt die Publizistin und Bloggerin ( www.commonsblog.de) Silke Helfrich. Sie hat kürzlich mit der Heinrich-Böll- Stiftung den Band "Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter" herausgegeben. Gekämpft wird weltweit um natürliche und begrenzte Ressourcen wie Öl und Trinkwasser, um Umwelt-Themen, die Atmosphäre, um Boden und Bodenschätze und auch um geistige Ressourcen wie Wissen, Ideen und Innovationen - alles Güter, die eigentlich jedem Menschen zustehen würden, die sich aber Einzelne angeeignet haben.

Gerade aktuelle Entwicklungen wie die Verstaatlichung scheiternder Betriebe machen Grundsatzfragen über Eigentum, aber auch über gesellschaftliche Verantwortung wieder höchst interessant. Sie führen sogar dazu, dass das scheinbar in Stein gemeißelte Prinzip Privatisierung plötzlich in Frage gestellt wird. "Jetzt soll der Staat dem Markt durch Abwrackprämien und staatliche Rettungsaktionen helfen, sodass der Markt hinterher wieder ohne Staat weitermachen kann wie bisher. Doch es stellt sich die Frage, ob es nicht etwas Drittes gibt, etwas jenseits von Staat und Markt", sagt Helfrich. Sie zweifelt die bisher üblichen vereinfachenden Dichotomien (gegensätzliche Pole) wie Staat versus Markt, Kooperation versus Konkurrenz oder Privateigentum versus staatliches Eigentum an und fordert "gesellschaftliche Kontrolle".

Rechte und Pflichten. Eine neue Gesellschaftsstruktur, bei der Gemeingüter eine wichtige Rolle spielen, sei nicht nur ein Recht der Bürger, sondern verlange ihnen auch Pflichten ab: "Man muss sich sehr genau anschauen, um welches Gut es sich jeweils handelt." Besonders bei endlichen Ressourcen wie Wasser müsse es Regeln geben, die den Zugang begrenzen, "damit das Gut geschützt und für zukünftige Generationen Trinkwasser für alle vorhanden ist."

Die Vision ist nicht so weltfremd, wie sie auf den ersten Blick scheint. Privates Eigentum widerspreche der Nutzung durch die "commoners" nicht zwangsläufig. Schon die Magna Charta legte fest, dass Privateigentum das Nutzungsrecht der Allgemeinheit nicht ausschließt. Helfrich: "Gemein - güter sind unser aller Reichtum." Absolute private Verfügung über Gemeingüter könne es nicht geben, weil das immer die Zugangs- und Nutzungsrechte der Allgemeinheit in unzulässiger Weise beschneide.

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