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Dialog-backdrop Kiew schuldet Unternehmen 600 Millionen € UmsatzsteuerExportierende Unternehmen warten in der Ukraine teilweise ewig auf die Rückerstattung der Umsatzsteuer - auch die Österreicher sind betroffen. Das hemmt Investitionen. Wien/Kiew. Die Ukraine hat ein dringendes Problem mit der Rückerstattung der Umsatzsteuer. "Betroffen sind hier großteils exportierende Firmen, insbesondere ausländische", sagt Robert Kirchner von der Deutschen Beratergruppe Ukraine zum WirtschaftsBlatt. Sieben Milliarden Hrywna (600 Millionen €) betragen die Außenstände an rückzuerstattender Umsatzsteuer derzeit. Das sind 0,8 Prozent des ukrainischen BIP. "Dieser Betrag ist überfällig", sagt Kirchner, dieses Geld hätten Unternehmen also schon längst zurückbekommen sollen. Stark seien Unternehmen im Agrarsektor betroffen, aber auch andere Branchen leiden unter dem Problem. Bei einigen Unternehmen könne es sich um beträchtliche Summen von mehreren Millionen Hrywna handeln, erklärt Kirchner, was durchaus existenzielle Folgen haben könne, zumindest hinsichtlich geplanter Investitionen, die nicht getätigt oder verschoben werden. "Wirtschaftlich schießt sich die Ukraine damit ein Eigentor", betrachtet Kirchner die Sache nüchtern. Vor allem müssen Unternehmen die Situation irgendwann einpreisen, um ihre Margen halten zu können. Was dann wiederum, etwa im Agrarbereich, den ukrainischen Landwirt trifft, der weniger für seine Rohstoffe bekommt. "Letztlich leiden darunter auch ukrainische Unternehmen und die Volkswirtschaft insgesamt", sagt Kirchner. Gerade der ukrainische Exportsektor setze heuer wichtige Impulse für eine Wirtschaftsbelebung. Die Inlandsnachfrage sei weiterhin sehr schwach. Geld verliert an Wert "200 Unternehmen aus Österreich gibt es derzeit in der Ukraine", sagt der österreichische Handelsdelegierte Gregor Postl. Jene, die in der Ukraine für den Export produzieren, könnten die abgeführte Umsatzsteuer, etwa auf Rohstoffankäufe, nicht gegenverrechnen, etwa mit Steuervorauszahlungen. Das könnten jene, die Waren in der Ukraine absetzen. Und selbst die Gegenverrechnung funktioniere nicht immer. Es sei aber schwer zu sagen, auf wie viel rückzuerstattendes Steuergeld die Österreicher insgesamt warten, sagt Postl. Fallweise kann die Rückerstattung zwei bis drei Jahre dauern. Postl rät österreichischen Firmen, sicherheitshalber 20 Prozent mehr im Geschäftsplan zu kalkulieren, um liquide zu sein. Johannes Wareka, der seit Kurzem eine Etikettenproduktion in der Ukraine betreibt, kann das Steuerguthaben mit Vorauszahlungen gegenverrechnen. Aber: "Mindestens zwei Jahre wird es dauern, bis ich das Guthaben aufgebraucht habe." Für diesen Zeitraum trägt er das volle Inflations- und Währungsrisiko, sprich: Das lange vorher bezahlte Geld wird an Wert verloren haben. mehr Archiv…
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