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Dialog-backdrop China: Der Osten ist schwarz, der Westen ist rotCharts: China: BIP-Wachstum, Einzelhandelsumsatz, Anlageinvestitionen, Arbeitslosenquote, Realeinkommen, Inflation, Staatsschuld, Exporte, Importe, Chin. Yuan vs. US-Dollar Als der bescheidene Bauer Li Youyuan sein Loblied auf Staatsgründer Mao Zedong dichtete, lag die Bedeutung des Titels "Der Osten ist rot" auf der Hand: In der Volksrepublik hatte die Kommunistische Partei uneingeschränkt das Sagen, und die ideologische Gleichschaltung des Landes schritt unaufhaltsam voran. Ein halbes Jahrhundert später hat sich die Lage gewandelt: Die Machthaber sind zwar die gleichen geblieben, doch haben mit Maos Nachfolger Deng Xiaoping kapitalistische Praktiken in China Einzug gehalten. Und während die kommunistischen Wirtschaftskapitäne heutzutage streng auf schwarze Zahlen im Staatshaushalt pochen, sind es nun die westlichen Budgets, die in roter Tinte zu ertrinken drohen. Die schlimmste globale Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Peking mit einer fiskalpolitischen Kraftanstrengung der Sonderklasse bewältigt. Rund 400 Milliarden US-$ wurden auf Staats- und Provinzebene mobilisiert, um die Folgen des Crashs abzufedern. Im Vergleich zum 800 Milliarden $ schweren US-Konjunkturpaket nimmt sich die chinesische Geldspritze zwar bescheiden aus, doch während in den USA das Geld über zwei Jahre verteilt ausgegeben wird, wurden die Mittel in China sehr schnell verbraucht. Mit Erfolg: Der Wachstumseinbruch blieb überschaubar, die chinesische Wirtschaftsleistung weitete sich 2009 um 8,7 Prozent aus. Die Krise wurde auf drei Fronten bekämpft: Erstens wurde der für internationale Verhältnisse schmalbrüstige Privatkonsum gefördert - vor allem in ländlichen Gebieten, wo Segnungen der westlichen Zivilisation wie Kühlschränke oder Klimaanlagen noch nicht flächendeckend Einzug gehalten haben; zweitens machte Peking die Geldschleusen weit auf und pumpte über den Umweg der staatlichen Banken Liquidität zu den Unternehmen (ein Teil des Geldes landete allerdings bei den Spekulanten an der Börse Shanghai); und zu guter Letzt wurden Investitionen in die Infrastruktur angekurbelt. Der Verbrauch der privaten Haushalte mag mit einem Anteil von rund 35 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung zwar bescheiden sein, doch er wächst kontinuierlich. Und dieses Wachstum dürfte sich aus zwei Gründen weiter fortsetzen: Zum einen will die Regierung ihre Konsumsubventionen beibehalten, zum anderen sehen sich die Unternehmen in Südchina (die Region ist die Werkbank des Landes) mittlerweile mit einem eklatanten Arbeitskräftemangel konfrontiert. Laut Waltraut Urban, China-Expertin des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, könnten die durchschnittlichen Löhne im Laufe des Jahres um bis zu 30 Prozent steigen - mit positiven Folgen für die Nachfrage im Inland. Das sind zwar allesamt positive Trends, doch auf absehbare Zeit dürften der Export die tragende Säule der Wirtschaft bleiben. Ein Großteil des Geldes, das im Vorjahr in den Markt gepumpt wurde, floss ins produzierende Gewerbe, das nach wie vor stark von der Nachfrage in Übersee abhängig ist. So verwundert es nicht, dass die Ausfuhren bereits Ende 2009 ihre Vorkrisen-Niveaus erreicht haben. Die Verringerung der Exportabhängigkeit ist der Regierung zwar ein Anliegen, doch die zuletzt entstandenen Überkapazitäten (etwa in der Stahlindustrie) dürften den Drang ins Ausland eher verstärken. Das wiederum könnte im ungünstigsten Fall zu Protektionismus in Übersee führen. Die USA beschweren sich ja seit geraumer Zeit über den ihrer Ansicht nach künstlich unterbewerteten Yuan, der chinesische Produkte im Ausland verbilligt. Peking hätte es zwar in der Hand, die Landeswährung aufzuwerten, doch dieser Schritt könnte die fragile soziale Balance im Inland gefährden. Und genau diese Stabilität ist das größte Anliegen der kommunistischen Machthaber, wusste schon der musisch begabte Landwirt Li: "Der Osten ist rot, die Sonne geht auf, China hat Mao Zedong hervorgebracht, Er plant Glück für das Volk, Hurra! Er ist der große Erlöser des Volkes" mehr Archiv… |
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