Donnerstag, 09. September 2010 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Finanzvorstände wagen sich nur zögerlich aus der Deckung

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Hans-Jörg Bruckberger | 21.04.2010 | 21:31

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Finanzvorstände wagen sich nur zögerlich aus der Deckung

Obwohl sie steigende Umsätze erwarten und internationale Kollegen schon wieder expandieren, bleiben österreichische CFO vorsichtig. Investitionen werden aufgeschoben.

"Die Stimmung ist unter dem Gefrierpunkt" - so betitelten wir unseren Bericht über das CFO-Stimmungsbarometer im Vorjahr, als dieses von Deloitte und Business Circle erstmals erhoben wurde. Damals haben Österreichs Finanzvorstände das Marktumfeld wie auch die Zukunft des eigenen Unternehmens negativ eingeschätzt. Ein Jahr später hat sich das Sentiment zwar nicht dramatisch, aber doch verbessert. So wird das Marktumfeld, im Vorjahr noch ein "Stimmungstöter", bereits leicht positiv eingeschätzt. Das gilt sowohl für die "Wirtschaftslage" als auch für den Börseindex ATX, der laut den CFO heuer leicht zulegen sollte. "Die Situation ist vergleichbar mit der nach einem Unwetter: Die Wolken verziehen sich, der Himmel klart auf", berichtet Georg Krause, Partner und Leiter von Deloitte Consulting: "Man fängt jetzt mit den Aufräumarbeiten an, und das Leben beginnt sich zu normalisieren."

Von Euphorie kann aber noch keine Rede sein. Im Gegenteil: Die rund 200 befragten Finanzmanager von Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größe sind extrem vorsichtig. "Der Umsatz wird sich laut unserer Umfrage in den kommenden zwölf Monaten verbessern, Investitionsentscheidungen dürften allerdings weiter aufgeschoben werden", sagt Krause. Er ortet auch ein "gewisses Misstrauen gegenüber Banken", werde doch Eigenkapital als einziger Finanzierungsform steigende Bedeutung zugesprochen. Aber auch hier stehen die Manager auf der Bremse: 64 Prozent wollen heuer noch kein frisches Kapital aufnehmen. "Diese Beobachtungen lassen darauf schließen, dass CFO ihre Eigenkapitalaufnahmeentscheidungen auf 2011 verschieben werden", heißt es in der Studie.

Krause zeigt interessante Unterschiede zum internationalen Sentiment auf: "Deloitte führt in England eine ähnliche Untersuchung durch, dort herrscht schon wieder eine bemerkenswert hohe Risikobereitschaft - mit steigenden Investitionen und wieder zunehmender Kreditfinanzierung." Teilweise seien hier sogar schon wieder Vorkrisenniveaus erreicht worden.

Das gleiche Bild zeigt sich beim Thema M&A, dem Österreichs Finanzvorstände ebenfalls vorsichtig gegenüber stehen: Während das Übernahmekarussell international bereits Fahrt aufnimmt, erwarten unsere Top-Manager heuer einen weiteren Rückgang der Aktivitäten. Bei den Briten sind indes 80 Prozent davon überzeugt, dass die Merger-Tätigkeit zunehmen wird. "Die Engländer geben schon wieder Vollgas Richtung Wachstum, obwohl immerhin jeder Siebente ein Double Dip, also eine W-förmige Konjunkturentwicklung, erwartet", so Krause: "Die Österreicher sind hier viel zurückhaltender."

Inflationserwartung

Das aus gutem Grund: Die Zukunft des eigenen Unternehmens innerhalb des leicht verbesserten Marktes wird nämlich von den Austro-CFO nach wie vor kritisch gesehen. In dieser zweiten Hauptkategorie schlägt immer noch ein leicht negativer Wert auf der von minus bis plus zwei begrenzten Skala zu Buche (siehe Grafik). Wenigstens scheint der Personalabbau weitgehend abgeschlossen.

Ein deutlich negativer Wert scheint interessanterweise bei der Inflation auf: "Es wird eine spürbare Zunahme der Inflationsrate erwartet", sagt Krause, der die Ergebnisse seiner Studie im Rahmen des heute beginnenden CFO-Forums in Stegersbach im Detail präsentieren wird.

Grafiken: CFO-Barometer

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

mehr Archiv…

Umfrage

"... but remember to come back in September": Wie geht's an der Wiener Börse bis 31.12. weiter?
  • >> Zum Zwischenergebnis