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Synthetische Fremdwährungskredite haben ihre Haken und Ösen

26.04.2006 | 00:00 | Bernd Huemer (Wirtschaftsblatt)

Die Zinsangst geht unter den heimischen Fremdwährungskreditnehmern um. Die Zinserhöhungen durch die EZB und Schweizer Nationalbank haben unmissverständlich klar gemacht, dass die Zeit des billigen Geldes vorbei ist.

Als Lösung für das Zinsdilemma bieten die Banken verstärkt synthetische Kredite an. Eurokredit mit Frankenzinsen, wie es des öfteren vereinfacht kommuniziert wird, klingt natürlich gut. Was man bekommt, ist aber ein Optionsgeschäft, über dessen Risken sich viele Kreditnehmer gar nicht bewusst sind.

Der Synthi Schweiz der BA-CA versucht den Spagat zwischen den hohen Zinsen im Euro, an die kein Währungsrisiko gekoppelt ist, und den niedrigen Frankenzinsen, die allerdings voll dem Währungsrisiko ausgesetzt sind. Um das Währungsrisiko auszuschalten, wechseln die Franken-Kreditnehmer in einen variabel verzinsten Eurokredit.

>> Verkauf einer Option <<

Gleichzeitig wird eine exotische Option - eine Euro-Franken Kick-in-kick-out (KIKO)-Option verkauft. Weil an diese Option Bedingungen gebunden sind, die bei Eintreffen bestimmter Wechselkursentwicklungen zu erfüllen sind, erhält der Verkäufer eine Prämie. Die Höhe der Prämie kann durch die Optionsbedingungen (Schwellen) so gestaltet werden, dass sie über die Laufzeit des Synthi die Zinsdifferenz zwischen Euro- und Frankenzinsen (1,5%) abdeckt. Die Prämie bekommt man ausbezahlt. Der Kreditnehmer ist jetzt im Euro, zahlt aber nur (synthetische) Frankenzinsen. Solange der Franken zum Euro schwach bleibt, gewinnt der Kreditnehmer. Denn sollte während der Laufzeit vom Synthi der Franken niemals die in der KIKO-Option festgeschriebene Aktivierungsschwelle (im Beispiel 1,50 sFr) berühren, verfällt die KIKO-Option und der Kredit bleibt ein Euro-Kredit. Die KIKO-Option verfällt auch, wenn einmal die Deaktivierungsschwelle gehandelt wird. Mit der Option ist man dann aus dem Schneider. Allerdings hat man Währungsgewinne, die man im Franken gemacht hätte, verschenkt. Im Beispiel wären das ausgehend von einem Wechselkurs von 1,57 sFr rund vier Prozent gegenüber dem Optionserlös von 1,5 Prozent.

>> Mögliche Zitterpartie <<

Brenzlig wird es aber, wenn die Aktivierungsschwelle berührt wurde. Dann kann der Kreditnehmer nur hoffen, dass der Franken auch zumindest einmal die Deaktivierungsschwelle erreicht, wo die bereits aktivierte KIKO-Option wieder gelöscht wird. Ist das bis zum Laufzeitende nicht der Fall, wird der Kredit danach mit dem Wechselkurs der Aktivierungsschwelle (im Beispiel 1,635) in einen Frankenkredit gewechselt. Dabei entsteht ein Verlust in Höhe der Differenz zwischen dem Frankenkurs beim Wechsel in Synthi (1,57 sFr) und der Deaktivierungsschwelle (1,635 sFr). Im Beispiel sind das 4,1 Prozent.

Unter normalen Umständen ist der Synthi ein geeignetes Produkt für jene, die verstehen, worauf sie sich einlassen. Aber die Welt - Stichwort Iran - ist unsicher und der Schweizer Franken die beliebteste Fluchtwährung, weshalb er im Krisenfall schnell an Wert gewinnt. Das sollte man bedenken, wenn man sich auf solche Kredite einlässt. Der Synthi-Kredit empfiehlt sich für Franken-Kreditnehmer, die bereits Währungsgewinne oder Zinsvorteile erzielt haben. Er ist aber sicher nicht die Lösung für Problem-Kredite. (hb)

Grafik "Funktionsweise "EUR/CHF KIKO OPTION" für Synthi Kredit von 2003 bis 2006" siehe PDF-Dokument-


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