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Bei Sanierungen ist das Passivhaus das oberste Ziel

29.07.2011 | 00:31 | Andre Exner (Wirtschaftsblatt)

Jedes Haus kann auf Passivhaus-Standard gehoben werden, sagt Monika Döll von Bau .Genial. Das ist für die Umwelt besser als der Neubau -und rechnet sich auch.

Wien. Neubau mit einem "grünen Mascherl" ist schön und gut -zumal europaweit ab 2020 nur mehr Niedrigstenergiestandard erlaubt ist. Noch besser für die Umwelt ist aber das "Refurbishment", sprich die Sanierung des Altbestandes -das kostet weniger Material, sowohl was neue Werkstoffe als auch was Bauschutt und Abfall betrifft.

"Das oberste Ziel bei der Sanierung ist das Passivhaus-Niveau", sagt Monika Döll von Isover, Vizepräsidentin von Bau .Genial und Vorstand von IG Passivhaus Ost. "Bei jeder Sanierung ist derselbe Standard wie bei einem Neubau erreichbar." Selbst die berüchtigten 70er-Jahre-Bau ten können auf Passivhaus-Niveau gehievt werden. Ein Beispiel: Das Altersheim St. Koloman in Stockerau. "Hier sank der Energieverbrauch nach der Sanierung von 200 kWh/Jahr auf unter zehn", sagt Döll.

Richtig sanieren

Viele Bauträger setzen den Passivhausstandard auch als Marketingtool ein -das Thema Ökologie kommt vom Büromieter bis zum Endkunden sehr gut an (siehe rechts). Sanieren kann man ein Gebäude aber nur alle 20 bis 30 Jahre, daher ist es wichtig, dass man es richtig macht, so die Expertin: "Selbst bei einem Neubau sind die Investitionskosten nur die Spitze des Eisbergs. Eigentlich geht das Zwei-bis Dreifache der Investitionskosten im Laufe des Gebäudelebens für Betriebskosten drauf."

Die Vorgehensweise der Stadt Wien, auf die Häuser einfach Dämmplatten zu kleben und eventuell noch die Fenster auszutauschen, sei beispielsweise zwar grundsätzlich zu begrüßen, jedoch alles andere als ideal. Die richtige Sanierung müsse mit einer vollen Analyse des Gebäudes beginnen, inklusive einem Energieausweis für den Bestand. Dann erst könne saniert werden -von außen nach innen, von der Gebäudehülle bis zur Technik.

Österreich ist bei Passivhäusern Europameister: "Wir haben die größte Dichte in Europa und insgesamt 3,2 Millionen Passivhaus-Quadratmeter", sagt Döll. Dass nicht noch mehr Bestandsobjekte auf Passivhaus-Standard saniert werden, habe oft Kostengründe. "Ich will nicht von Amortisationsrechnungen sprechen", sagt die Expertin, die ihr eigenes Wohnhaus gerade auf Passivhaus-Niveau saniert. "Die Energiepreise der Zukunft wissen wir heute nicht. Am Ende des Tages ist hochwertiges Bauen mit besseren Komponenten bestimmt die richtige Entscheidung." Zudem gebe es schwer quantifizierbare Vorteile -etwa mehr Behaglichkeit, was im Bürobereich nachweislich für höhere Produktivität sorgt.


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