von Hans Weitmayr | 18.08.2010 | 00:32
China stößt massiv US-Treasuries ab
Es war ein massiver Abbau von US-Staatsanleihen -in einem Teilsegment sogar ein historischer. Denn um 21, 2 Milliarden US-Dollar hat China seinen in langfristigen US-Treasuries gehaltenen Fremdwährungsbestand noch nie zurückgefahren.
Genau so geschah es jedoch im vergangenen Juni. Damit reduzierte sich das Volumen an gehaltenen langfristigen US-Treasuries auf 839, 7 Milliarden Dollar. Rechnet man die kurzfristigen US-Anleihen hinzu, beinhalten Chinas Fremdwährungsreserven T-Bill im Wert von 843, 7 Milliarden Dollar. Diesen Bestand hat China seit dem Höchststand im Juli 2009 bis dato um elf Prozent reduziert. Die gesamten Reserven -in die auch die Goldbestände hineingerechnet werden -lagen per 30. Juni bei einem Gegenwert von 2, 45 Billionen Dollar. Womit sich auf den ersten Blick ein altbekannter Verdacht aufdrängt: China stößt nachhaltig den Dollar ab, weil das Land der US-Wirtschaft nicht vertraut.
Gelegenheits-Deal?
Das muss aber so nicht sein. Denn Top-Insider wie James Caron, Chef der US-Interest Strategy bei Morgan Stanley in New York und seines Zeichens einer von 18 Primary Dealern mit der Federal Reserve, hat ein Alternativ-Szenario parat: "Es könnte sich dabei um ein Gelegenheitsgeschäft handeln. Schauen Sie nur auf die Renditen. Wenn man eine Menge Treasuries gehalten hat und das jetzt nicht mehr tut, hat man wohl das Richtige getan", so der Banker gegenüber Bloomberg. Soll heißen: Möglicherweise hat China schlicht und einfach Kassa gemacht, weil der Bond-Markt vor einer Baisse stehen könnte. Laut Bloomberg-Konsens geht der Markt davon aus, dass etwa die Renditen von zweijährigen Laufzeiten bis Jahresende auf 0, 85 Prozent steigen -rechnet man diesen Wert, ausgehend von den gestrigen Kursen hoch, ergäbe sich ein Verlust von 0, 4 Prozent. Das sieht man auch in Asien so -etwa bei der Nikko Cordial Securities, Japans drittgrößter börsenotierter Bank: "Wenn man jetzt US-Treasuries kauft, geht man ein großes Risiko ein. Wir empfehlen einen solchen Kauf nicht."
Weiterer Spielraum
Ob diese Projektion tatsächlich hält, ist aber die große Unbekannte. Denn trotz bemerkenswert niedriger Kupons und Renditen schaffen es die USA problemlos, ihre Anleihen an den Mann zu bringen. Der Grund: Das Angebot an AAA-Papieren geht mangels Staaten, die ein solches ausweisen, zurück. Institutionelle, die diverse AAA-Quoten zu erfüllen haben, müssen sich also in zunehmendem Maße Treasuries ins Portfolio legen. Diese Ansicht teilt man auch bei Moody' s: "Es sieht aus, als hätten die USA für Anleiheemissionen genügend Spielraum." Damit wird es den Staaten auch leichter fallen, ihr 1, 5 Billionen $ schweres Defizit zu finanzieren.
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