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Das Geld möge fließen, aber nicht zu weit

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von Alexander Hahn | 08.07.2011 | 00:30

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Das Geld möge fließen, aber nicht zu weit

Strukturschwache Regionen suchen Wege der Belebung. Eine Möglichkeit ist sogenanntes Regiogeld, das den Kapitalabfluss in Ballungsräume bremsen soll. In der Praxis tauchen dabei freilich auch Probleme auf.

Sie heißen Sterntaler, Chiemgauer, Havelblüte -oder eben Waldviertler. Man kann mit ihnen einkaufen, obwohl sie offiziell kein Geld sind. Die Rede ist von Regiogeld, also gewissermaßen Privatgeld-Initiativen. Mittlerweile existieren allein im deutschsprachigen Raum über dreißig derartige Unterfangen, nahezu ebensoviele sind geplant oder befinden sich im Aufbau. Einer der Hauptgründe für die Einführung von Regiogeld ist die Stärkung strukturschwacher Wirtschafträume.

Diese Absicht liegt auch dem Waldviertler zugrunde, schließlich gilt das nordwestliche Niederösterreich nicht unbedigt als Hot Spot der heimischen Wirtschaft. "Die Motivation war zu beobachten, wie Regionen wie das Waldviertel unter riesigen Geldabflüssen in die Ballungsräume leiden. Zuerst geht immer das Geld weg, dann die Arbeitsplätze und am Schluss auch die Menschen", erklärt Karl Immervoll, Gründer und Obmann des "Waldviertler - Verein für regionales Wirtschaften" (siehe Nachgefragt).

Das Prinzip dahinter funktioniert gewissermaßen wie ein Gutschein ohne Ablaufdatum. Vereinsmitglieder können Euro eins zu eins in ebenfalls fälschungssichere Waldviertler umtauschen und damit in der Region bei teilnehmenden Betrieben einkaufen, während das echte Geld hinterlegt wird. Dabei gibt es zwei Besonderheiten: Damit der Waldviertler nicht gehortet wird, verliert er jedes Quartal zwei Prozent seines Werts. Durch den Erwerb und das Aufkleben sogenannter Quartalsmarken kann der Waldviertler-Schein wieder auf seinen Nennwert "aufgefüllt" werden.

Rücktausch kostet

Selbstverständlich kann der Waldviertler auch wieder in Euro zurückgetauscht werden, allerdings fällt dabei eine Gebühr von fünf Prozent an. Somit ist das Regionalgeld damit für große Handelsketten uninteressant, da diese Gebühr in den Handelsspannen kaum unterzubringen ist. Das entspricht aber auch der Idee dahinter, schließlich würde das Geld sonst erst recht in die Konzernzentralen in den Ballungsräumen abfließen.

Während Privatpersonen das Regionalgeld leicht weitergeben können, wirft dieser Punkt für manche Betriebe Probleme auf. "Weiß Gott wie begeistert bin ich nicht", sagt etwa Manfred Wurz, Eigentümer der BP-Tankstelle in Heidenreichstein. Da aber zumindest einer seiner Lieferanten Waldviertler akzeptiert, nimmt auch er an der Initiative teil. Ansonst sei die fünfprozentige Rückwechselungsgebühr nicht in der Gewinnspanne unterzubringen.

"Den kritischen Punkt an Teilnehmern zusammenzubekommen ist am Anfang immer schwierig", erklärt Frank Jansky, Vorstand des Verbandes Regiogeld. "Diese Schwelle ist aber überall unterschiedlich hoch. Vor allem in Großstädten ist das ungleich schwerer, da haben wir wenig gute Erfahrungen gemacht."

Bei der überwiegenden Zahl der Regiogeld-Initiativen steckt laut Jansky die Idee der Förderung eines strukturschwachen Wirtschaftsraums dahinter. Er verweist aber auf einige Ausnahmen mit "reformatistischen Forderungen, etwa nach mehr Transparenz und Nachhaltigkeit. Denn das Geldwesen war bisher von der Idee der Nachhaltigkeit ausgenommen."

Ausgewählte Initiativen:

1. Waldviertler (30.000*)

2. Styrrion (17.000)

3. Talentetauschkreis (80.000)

4. Chiemgauer ( 130.000)

5. Augusta (28.000)

6. Landmark (13.000)

7. Havelblüte (31.000)

8. Talent (k .A.)

*Umlaufvolumen in Euro-Äquivalent /Quelle: www.regiogeld.de /WirtschaftsBlatt Grafik/ulrix

Grafik: Mitglieder des Verbands Regiogeld

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1 Kommentar

Unausgegoren

Diese Konzepte könnten nur dann länger bestehen wenn auf die Verbraucher auf die Errungenschaften einer global arbeitsteiligen Welt verzichten würden. Das heißt auf viele Produkte verzichten da diese in der Region nicht hergestellt werden (können), oder gar nicht verfügbar sind. Benzin ist da wohl das Paradebeispiel. Aber es würden auch die Preise steigen, da es nur durch Spezialisierungseffekte oder günstigere strukturelle Voraussetzungen möglich ist Produkte effizient herzustellen. In den 1930 Jahren war die Wirtschaft nicht so überregional organsiert wie heute. Daher braucht es jetzt dann erst wieder überregionale Währungen um den Handel zwischen den Regionalwährungen zu gewährleisten. Mit der Folge dass lokale Währungen ineffizient in der organisation sind und in letzter Konsequenz Wechselkurse nötig würden. Wechselkursbarrieren behindern aber das Wachstum

Von Gast: Gast: caz am 08.07.2011 um 19:55

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