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Dialog-backdrop DER ÖLPREIS BLEIBT VORERST EINGESCHNÜRTPREISBAND. Der Ölpreis schwankt seit geraumer Zeit in einem Preisband zwischen 70 und 85 US-$. Ob dieses Band demnächst reißt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Kurzfristig dürfen sich Konsumenten aber Hoffnung auf ein Nachlassen der Preise machen. Billig oder nicht? Seit dem Sommer des Vorjahres dehnt und entspannt sich der Preis von Erdöl zwischen den Polen 70 und 85 US-$ je Fass. Im Vergleich zu den 150 US-$, die am Höhepunkt der Ölspekulation als Fasspreis erzielt wurden, erscheint das als durchaus günstig. Zuletzt lag das Niveau auch wieder nahe der oberen Grenze, womit sich die Frage stellt, ob ein Durchbrechen dieses Limits zu Beginn der kälteren Jahreszeit ins Haus steht oder nicht. Auf der anderen Seite stehen konjunkturelle Risiken nach wie vor auf der Tagesordnung. Die aktuellen Niveaus könnten im Nachhinein als ebenso überteuert erscheinen wie der doppelt so hohe Ölpreis vor zwei Jahren. Ist ein Druchbrechen des als solide erscheinenden Preisbands also möglich? Und wenn ja, in welche Richtung am ehesten? VOLLE LAGER. Aus Konsumentensicht kann man an der Öl-Preisfront zumindest kurzfristig Entspannung ansagen." Die globalen Öllager sind zurzeit sehr voll", erklärt etwa Hannes Loacker, Öl-Analyst bei Raiffeisen Bank International( siehe Interview Seite 8/9). Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg liegen die globalen Vorräte bei 361,2 Millionen Barrel. Der jüngste Anstieg machte 667.000 Fass aus - damit erreichten die Bestände zu Redaktionsschluss das höchste Niveau seit zehn Jahren. Somit spricht von der Vorrats-Seite nichts für einen Anstieg der aktuellen Preisniveaus. ZUFRIEDENE FÖRDERER. Doch wie sieht es von der Angebots-Seite aus-sprich, wie verhalten sich Förderer wie die Opec angesichts des aktuell vorherrschenden Preisbandes? Diese Frage lässt sich relativ leicht beantworten: Sie fühlen sich pudelwohl. Bei ihrem jüngsten Treffen wurden die Förderquoten bei ihren aktuellen Werten belassen( siehe Grafik unten). Zwar fördert das Kartell nach wie vor mehr, als diese Obergrenze zulassen würde, aber das fällt für die Mitglieder derzeit in die Kategorie Kavaliersdelikt. Denn mit den aktuellen Preisnivaus befindet sich die Organisation ziemlich genau auf dem Preisniveau, bei dem sie sich am wohlsten fühlt: Hoch, aber nicht so hoch, dass die Erforschung alternativer Energiequellen allzu sehr forciert wird. Auch alternative Ölanbieter, wie Kanada, das den Markt durch Extraktion von Ölsand bedient, können sich angesichts des 80-Dollar-Niveaus entspannen. Als Faustregel gilt, dass sich die Gewinnung des kompliziert zu fördernden Produktes ab einem Fass-Preis von etwa 60 Dollar rentiert. OFFENE NACHFRAGE. Bei gleichbleibendem Angebot könnte der Ölpreis trotzdem steigen-was vor allem bei einer ansteigenden Nachfrage der Fall wäre. Ein solches Szenario erscheint auf den ersten Blick möglich, haben doch alle wesentlichen Thinktanks die 2010er-Prognosen für die weltweiten Wachstumsraten nach oben revidiert. Auf der anderen Seite wird die US-Wirtschaft laut IWF im kommenden Jahr weniger dynamisch wachsen als in den laufenden zwölf Monaten, womit ein Nachfrageplus seitens der weltgrößten Einzelwirtschaft wegfällt. Tatsächlich beobachten die Ölmärkte die globalen Wachstumsmärkte durchaus mit einem Schuss Nervosität. Bestes Beispiel war die überraschende Anhebung des chinesischen Leitzinssatzes um 25 Basispunkt von 2,25 auf 2,5 Prozent. Sofort wurden Ängste wach, wonach China seine Wirtschaft stärker bremsen könnte als ursprünglich prognostiziert, was wiederum zu einem Rückgang der Ölnachfrage zumindest seitens der Volksrepublik führen würde-von den Kollateralschäden in anderen Exportnationen wie Deutschland einmal ganz abgesehen. Die unmittelbare Reaktion war logisch: Ein Abschlag von knapp vier Prozent am betreffenden Handelstag. Allfällige konjunkturelle Negativ-Überraschungen haben also nach wie vor das Potenzial, den Ölpreis zu drücken. STILLE SPEKULANTEN. Doch der Ölmarkt der letzten Jahre kann nicht analysiert werden, ohne den zunehmenden Einfluss der Spekulanten unter die Lupe zu nehmen. Laut Opec und anderen Beobachtern und Teilnehmern waren ja genau diese Trader für die historischen Höchststände des Jahres 2008 verantwortlich. Damals notierte der Fasspreis rund um die 150 US-$. Prognosen von Anstiegen auf 200$ und mehr waren keine Seltenheit. Von einem solchen, spekulativen Überschießen ist - zumindest gegenwärtig - keine Rede mehr. Derzeit werden Blasen eher in den Anleihenmärkten und mitunter in einzelnen Immobiliensegmenten geortet. Sieht man sich den Rohstoff-Bereich an, so gilt Gleiches für Edelmetalle, allen voran Gold. Das wiederum bedeutet: Solange diese Bullen geritten werden, deren Aufwärtstrend intakt ist, haben aggressive Trader keine Veranlassung, andere Kanäle - wie Erdöl - für ihre Geldströme zu suchen. Was nicht heißen soll, dass Spekulation überhaupt keinen Einfluss auf den Ölmarkt hat, dieser Tage kommt er jedoch nicht durch Put oder Call auf Öl selbst, sondern in Form von Spill-over-Effekten zustande-und zwar aus dem Währungsmarkt, respektive dem Dollar. Nach wie vor gilt folgende Korrelation: Schwacher Dollar-starker Ölpreis. Der Energieträger funktioniert in diesem Spannungsverhältnis vor allem als Inflations-Hedge. Etwas in den Hintergrund getreten ist die Annahme, dass ein schwacher Dollar schwache Aussichten für die US-Wirtschaft widerspiegelt, was wiederum einen Rückgang der Nachfrage nach sich ziehen würde. Für Schlüsse dieser Art sind die Währungsmärkte aufgrund diverser monetärer Kampfmaßnahmen bereits viel zu verzerrt. TECHNISCHE PROGNOSE. Mit dem Wegfall allzu großer Volatilitäten fällt jedenfalls die technische Analyse etwas leichter. Von dieser Seite her gibt es - wieder aus Konsumentensicht - Entwarnung. Denn laut Société-Générale-Analystin Stephanie Aymes" handelt der Preis kurzfristig in einem engen Band und könnte für einen Preisverfall verwundbar sein." Als kritische Marke sieht die Französin bei WTI, also der Benchmarksorte, die in New York gehandelt wird, 79,75 US-$ je Barrel. Ab dann wäre sogar der Weg Richtung 73 US-$ offen. Zu Redaktionsschluss notierte WTI bei 82 US-$ je Barrel. Beim Investmenthaus Cameron Hanover meint man ebenfalls einen Abwärtstrend zu erkennen. Die US-Amerikaner orten sogar 72 US-$.Besonders bearish zeigt man sich übrigens beim US-Energie-Konsulenten New Canaan:" Eigentlich fragen wir uns, wieso Öl nicht bei der Hälfte der aktuellen Preise notiert", erklärt Präsident Peter Beutel gegenüber Bloomberg. PEAK-WAS? Womit zu guter Letzt die Frage nach der langfristigen Perspektive von Öl und seinem Preis offen bleibt. Stichwort: Peak Oil. Diese Diskussion um die noch vorhandenen Ölreserven ist in den vergangenen Monaten fast vollends eingeschlafen. Sucht man etwa in Bloomberg nach der letzten relevanten Meldung zum Thema Peak Oil, wird man erst im Februar dieses Jahres fündig. Damals sorgte sich die saudische Regierung um die langfristigen Konsequenzen der zunehmenden Energiediversifizierung seitens der Abnehmerländer. Im aktuellen Opec Oil Market Report vom Oktober-immerhin 72 Seiten stark-kommt der Begriff nicht einmal in einem Nebensatz vor. Die schon mehrere Monate zurückliegenden Prognosen des Kartells gehen jedenfalls davon aus, dass sich der Ölverbrauch irgendwo zwischen 100 bis 105 Millionen Barrel pro Tag einpendeln wird. Derzeit liegt der Weltverbrauch bei täglich 86,5 Millionen Fass. Der Großteil des Zuwachses wird aus den Emerging Markets kommen. Für die westlichen Industrienationen gehen Marktteilnehmer wie die OMV davon aus, dass Peak Oil nachfrageseitig bereits erreicht wurde. FÜR HEUER NOCH BEARISH. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Analystenkonsens für den Ölmarkt insgesamt ein kurzfristig bearishes Umfeld sieht. Für das laufende Quartal wird bei der für Europa relevanten Benchmarksorte Brent ein Durchschnittspreis von 80 Dollar je Fass erwartet-also drei Dollar unterhalb des aktuellen Spotmarkt-Preises. Erst ab 2011 geht es dann leicht berauf. Die Durchschnittsprognose für den ersten Finanzabschnitt liegt bei 81 Dollar, auch ein Blick in die etwas fernere Zukunft sei gewagt: 95 Dollar im Konsens für das Jahr 2014. Und weil wir gerade dabei sind, uns prognosetechnisch ein wenig aus dem Fenster zu lehnen, noch ein kurzer Exkurs in die exotischeren Forecasts-etwa in Gestalt des nicht unumstrittenen Verfechters der Elliott-Wellen, Robert Prechter. Er sieht für das kommende Jahrzehnt einen Öl-Fasspreis" zwischen vier und zehn Dollar". Als Begründung zieht er Zyklen heran, die in den Jahren 1920, 1951, 1980 und zuletzt 2008 zu Rohstoff-Booms geführt haben. Bis dahin ist es aber so oder so ein weiter Weg. Chart: Brentöl-Future; ÖLVERBRAUCH GLOBAL Tabelle: OPEC-FÖRDERDATEN SEPTEMBER 2010 ZUM THEMA Bonds. Gazprom und Total erscheinen als interessante Optionen. Seite 6 Interview. Raiffeisen-Analyst Hannes Loacker rechnet ab 2011 mit steigenden Preisen. Seite 8 Aktiencheck. Die interessantesten Papiere der Branche. Seite 10 Ausblick. DWS investiert lieber in Metalle und Mais als in Erdöl. Seite 18 mehr Archiv…
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