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Regierung rudert beim Ausbau der Atomkraft zurück

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von Simone Brunner | 09.02.2012 | 00:32

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Regierung rudert beim Ausbau der Atomkraft zurück

Prag. Ambitioniert - so könnte man mit einem Wort die bisherigen Pläne zum Ausbau der Atomkraft in Tschechien bezeichnen. Der tschechische Minister für Handel und Industrie, Martin Kuba, schert indes aus dem eisernen Pro-Atom-Kurs seines Vorgängers aus: Tschechien solle auch auf lange Sicht mit den bestehenden zwei AKW in Temelin und Dukovany auskommen, so Kuba.

In der Energiestrategie seines Vorgängers Martin Kocourek war noch von 18 neuen Atommeilern bis 2060 die Rede, der Anteil der Atomkraft sollte von 30 auf 80 Prozent am heimischen Stromverbrauch steigen. So solle Tschechien - wie Frankreich - zu einer "atomaren Großmacht" aufsteigen.

"Bis zu 80 Prozent des Stroms aus Atomkraft zu gewinnen, ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht realistisch", so Kuba zur tschechischen Tageszeitung "Hospodarske Noviny". An der Erweiterung des AKW Temelin um zwei Reaktorblöcke hält Kuba derweil fest. Des Weiteren solle das AKW Dukovany bis 2035 am Netz bleiben.

Strom für Export

Mit den "Atomplänen light" wird wohl auch Kocoureks Idee, ein Drittel des produzierten Stroms ins Ausland zu exportieren, ad acta gelegt. Ein Plan, der laut Marktexperten ohnehin weit über das Ziel hinausschießt: "Diese Zahl ist absolut überdimensioniert. Wir sollten 100 Prozent unseres Verbrauchs produzieren und nicht das Doppelte", so ein Kenner der Branche gegenüber "Hospodarske Noviny".

Kocourek hatte nach ungeklärten Geldflüssen in seiner Familie im November letzten Jahres das Handtuch als Industrie- und Handelsminister geworfen. Das Atom-Business lernte Kocourek indes in der Zeit im CEZ-Aufsichtsrat kennen, dem er bis zu seinem Amtsantritt 2010 vorstand. CEZ ist Betreiber der beiden tschechischen Kernkraftwerke Temelin und Dukovany.

Geld für Temelin

Derweil wird klar, dass CEZ die Ausbaukosten im AKW Temelin nicht alleine wird stemmen können. Dieser Tage wurde die französische Bank BNP Paribas mit der Suche nach potenziellen Geldgebern für das Projekt beauftragt. Die Bank soll sich vor allem in Europa und in Asien nach möglichen Investoren umsehen, hieß es.

Kein gutes Haar lässt die Energieberatung Candole Partners an der Wirtschaftlichkeit des Projekts. Selbst wenn der Strompreis bis zur Inbetriebnahme 2025 um jährlich 2,5 Prozent steigt, könne sich der Temelin-Ausbau nicht rechnen. "Das ist kein Investment, das ist eher wie Zocken im Casino", so Co-Autor Jan Ondrich.

ZAHL

8 Milliarden €

Die Kosten für den Ausbau des AKW Temelin werden auf acht Milliarden € geschätzt. Drei Bewerber rittern um den milliardenschweren Auftrag: der US-Konzern Westinghouse, das tschechisch-russische Konsortium aus Skoda JS, Atomstrojexport und Gidropress und der französische Konzern Areva.

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