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Dialog-backdrop Russland muss Fluch des Öls überwindenWirtschaftsBlatt: Ein Sprichwort besagt, dass Russland zwei Probleme habe: Idioten und Straßen. Befassen wir uns zunächst mit den Straßen. Welches Potenzial haben Infrastrukturprojekte? Andrej Scharonow: Das Verkehrsministerium hat Programme entwickelt, die die Bedürfnisse festhalten. Der Bedarf liegt bei mehreren Billionen Rubel. Aber die Finanzierung ist unklar. Russland ist bei riesigem Territorium nur schwach besiedelt. Für Investoren besteht daher selbst bei wichtigen Straßen die Gefahr eines geringen Verkehrsaufkommens. Es gibt daher noch kein erfolgreich realisiertes Infrastrukturprojekt mithilfe privater Investoren. Und die Maut-Autobahn Moskau - St. Petersburg? Moskau - St. Petersburg ist der erste Versuch, wo ein weltweit bekannter Investor bereit ist, zu bauen, das Projekt zu betreiben und das Risiko zu teilen. Vinci ist im Bau- und im Konzessionsgeschäft tätig, hat schon acht Milliarden Rubel Eigenkapital investiert. Wir hoffen, dass das Projekt als erfolgreicher Präzedenzfall dient, um weitere Projekte anzuschieben. Sind Infrastrukturprojekte für Troika Dialog interessant? Ja, wir haben uns schon an mehreren Projekten beteiligt. Das größte davon ist ein Abschnitt (15. bis 58. Kilometer) der Trasse Moskau - St. Petersburg, wo wir Finanz-Berater waren. Das Teilstück kostet 63 Milliarden Rubel. Es ist das teuerste, aber auch das am intensivsten befahrene. Beim zentralen Autobahnring haben wir die wirtschaftliche Machbarkeitsstudie erarbeitet. Zudem haben wir das Projekt der Petersburger Westautobahn SSD mit vorbereitet. Jetzt hoffen wir, für SSD und die Autobahn Moskau - St. Petersburg Obligationen mit Staatsgarantien auflegen zu können. Noch kauft der russische Markt solche Obligationen nicht. Wir müssen das Instrument marktreif machen. Ein weiteres Projekt ist der Airport Scheremetjewo. Gemeinsam mit der Credit Suisse erarbeiten wir Vorschläge zur Konsolidierung der Aktiva und für die Ausschreibung an einen Betreiber. Daneben werden wir wohl auch die Privatisierung Scheremetjewos als Option vorschlagen, um Investitionen anzuziehen. Dmitri Medwedew fordert die Entwicklung einer innovativen Wirtschaft. Welche Mechanismen sind dafür nötig? Diversifizierung ist der einzige Weg, um den Fluch des Öls zu überwinden. Nötig ist eine kohärente staatliche Politik in diese Richtung. Es gab einen Investitionsfonds, der große Projekte kofinanziert hat. Wegen der Krise und der Haushaltslöcher ist dies schwieriger geworden. Dann gibt es die Staatsholding Ros-Nano, die Innovationen auf dem Gebiet Nanotechnologie stimuliert, und die Russische Venture Company, ein erfolgreiches Beispiel, da der Staat Geld gibt (49Prozent), sich in den Einnahmen begrenzt und sich nicht in den laufenden Betrieb einmischt. Ein weiteres wichtiges Institut sind die Wirtschaftszonen, auch wenn der Boom ein wenig nachgelassen hat. Wichtig ist aber eine fundamentale Gesundung des Investitionsklimas. Dazu zählt der Aufbau einer Basis-Infrastruktur: Das sind Straßen und Flughäfen, aber auch Erleichterungen bei Visa und Arbeitserlaubnissen für Fachleute. Wichtig sind der Kampf gegen die Inflation und der rechtsstaatliche Schutz des Eigentums. Der ist noch nicht zu 100 Prozent gewährleistet. Die Justiz ist oft abhängig von der Exekutive, Justiz und Sicherheitsorgane werden als Instrumente unlauteren Wettbewerbs genutzt. Warum bringt der Kampf gegen die Korruption so wenig? Es gibt leider eine lange Tradition, dass es einfacher ist, Geld zu geben, als seine Rechte zu verteidigen. So ein Verhalten wird in der Gesellschaft nicht verurteilt. Unterstützt wird das durch eine unsichere Rechtslage und Probleme mit der Justiz. Korrupte Beamte riskieren durch das Aufhalten von Entscheidungen oder durch bewusste Fehlentscheidungen wenig, während Unternehmer, die dagegen vorgehen wollen, ihr Geschäft verlieren können. Die Maßnahmen der Regierung sind leider nicht konsequent und vollständig, sondern selektiv. Das Interview führte ANDRÉ BALLIN mehr Archiv…
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