Montag, 21. Mai 2012 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Steueroasen kosten mehr, als sie bringen

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Daniela Friedinger | 18.01.2012 | 00:32

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Steueroasen kosten mehr, als sie bringen

Wien. Auf den Cayman Islands sind 280.000 Firmen registriert, gleichzeitig leben nur 52.000 Menschen dort. Die British Virgin Islands wiederum sind größter Bananenlieferant Europas, Bananenbauern gibt es dort aber nicht. Und der weltweit zweitgrößte Bierbrauer SABMiller zahlt in Ghana dank Herumjonglierens von Gewinnen und Verlusten im Konzern weniger Steuern als ein kleiner Kiosk. Doch es sind nicht diese Skurrilitäten allein, die zunehmend auf Kritik stoßen.

"Von Weltbank bis OECD sind sich alle einig, dass Steueroasen viel mehr anrichten, als sie ökonomisch bringen", sagte Dereje Alemayehu, Vorsitzender des Tax Justice Network Africa, bei einer Veranstaltung des Wiener Instituts für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) gestern in Wien. Aus Afrika etwa fließe sieben-bis zehnmal mehr Kapital ab als hinein.

Statt Entwicklungshilfe

Seiner Ansicht nach könnten ärmere Länder weitgehend ohne Entwicklungshilfe auskommen, wenn sie ihre Steuereinnahmen erhöhten. Dazu müssten sie einerseits den Steuerwettbewerb untereinander drosseln, andererseits sollten Briefkastenfirmen abgeschafft werden. "Multinationale Firmen müssen verpflichtet werden, auf nationaler Ebene Berichte zu legen", fordert Alemayehu. Denn 60 Prozent aller "Steuerflucht" basieren darauf, dass multinationale Konzerne dort Kosten geltend machen, wo höhere Steuern abzuführen sind, im Niedrigsteuerland hingegen verbuche man die Gewinne. Nähmen alle Länder mehr Steuern ein, wäre das laut Alemayehu durchaus auch im Sinne der Firmen. Sie würden dann unter anderem von den Mehrausgaben fürs Bildungssystem profitieren.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

mehr Archiv…