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Dialog-backdrop Bulgarien will alle Waisenhäuser schließen
Bulgarien will alle 32 Waisenhäuser für Kinder schließen. Dies erklärte gegenüber der bulgarischen Tageszeitung "Dnevnik" die Chefin der Staatsagentur für Kinderschutz, Nadja Schabani. Einige der Institutionen davon sind schon geschlossen, die Staatsstrategie sieht aber vor, alle diese "Relikte" der kommunistischen Ära dicht zu machen. Laut Schabani haben bis dato mehr als 6.000 Kinder eine Pflegefamilie bzw. Adoptiveltern gefunden oder sind zu ihren leiblichen Verwandten zurückgekehrt. Trotzdem leben in diese Anstalten weiterhin rund 7.600 Kinder, die dem Staat 78 Mio. Lewa (rund 40. Mio. Euro) jährlich kosten. Das größere Problem ist aber, dass jedes Jahr um die 3.000 Babys in diesen Heime zurückgelassen werden. Hier will der Staat mit neuen Mittel eingreifen, so Schabani. Das sollen bessere finanzielle Unterstützungen für sozialschwache, junge oder und allein erziehenden Mütter oder auch Familien sein. Die Waisenhäuser waren überwiegend dazu gedacht, Kinder aus ärmsten Verhältnissen, überwiegend aus der Roma-Minderheit, und solche mit schwere geistigen oder körperlichen Behinderungen von der Gesellschaft fernzuhalten - mit nur geringer Gesundheitsversorgung und ohne Betreuer mit entsprechender Ausbildung. Besonders für Romakinder und Behinderte sind die Adoptionsmöglichkeiten fast nur bis auf Ausländer beschränkt, weil die Bulgaren einerseits immer noch Vorurteile gegen die Minderheit der Roma haben. Bei Behinderten gehen die Möglichkeiten zur adäquaten gesundheitlichen Versorgung bei einem fast gelähmten Gesundheitswesen gegen Null. Weitere Probleme entstehen durch Korruption bei Adoptivverfahren. Dies wurde bisher öffentlich kaum diskutiert, noch weniger dagegen eingeschritten. Erst in den vergangenen vier Jahren wurde die Institution der Pflegefamilie in Bulgarien eingeführt und mehr vom Staat unterstützt. Dabei entwickelte sich die Möglichkeit, dass auch Großeltern für ihre von den eigenen Eltern verlassenen Enkelkinder einspringen konnten und dafür auch finanziell unterstützt wurden. Gesetzänderungen drängen die alte Kultur von Großfamilien ins abseits, die üblicherweise manche ihrer Kinder im Heime ließen und sie nur einmal im Monat nach Hause nahmen. Jetzt müssen die Eltern bzw. Mütter innerhalb sechs Monaten entscheiden, ob sie ihr Kind behalten wollen oder zur Adoption freigeben wollen. Die Schließung dieser "Isolierheime" stößt auf große Unterstützung, nachdem im Jahr 2008 ein französischer Film und Recherchen über die Kinderheime für geistig und physisch schwerbehinderte Kinder im Dorf Mogilino im Donaubezirk Russe für Empörung nicht nur in Westen, sondern auch in Bulgarien sorgte. Der Film zeigte Kinder, die an ihre Betten gefesselt waren. (APA) |
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