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Zur Erinnerung: Die Post ist börsenotiert!

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von Jochen Hahn | 16.11.2008 | 11:01

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Zur Erinnerung: Die Post ist börsenotiert!

Wenn sich an der Gesetzeslage nichts ändert ist der Personalabbau legitim.

Also doch! Schon am 25. März coverte und rechnete das WirtschaftsBlatt an dieser Stelle vor, dass die Post 3000 Mitarbeitern überdrüssig ist. Die Reaktion des Post-Managements auf unsere Ankündigung fiel damals jedenfalls deftig aus: „Die Zeit der Restrukturierung ist vorbei" oder „die Berechnungen sind falsch und völlig aus der Luft gegriffen", bekamen wir via APA zu hören. Zugegeben, wir haben uns tatsächlich verrechnet, denn statt der von uns erwarteten 3000 Postler stehen nun sogar bis zu 9000 Beamte vor dem Aus. Mittelfristig will sich CEO Anton Wais sogar von 65 Prozent aller Postämter trennen. Exemplarisch wurde angeführt, dass es immerhin Postämter gibt, in denen monatlich keine 100 Briefe aufgegeben werden.

Nun kann natürlich diskutiert werden, ob ein Unternehmen, das in liberalisierten Zeiten eine Zustellungsverpflichtung in entlegene Gebiete einhalten muss, überhaupt teilprivatisiert sein soll. Fakt ist aber, dass sich nur 51 Prozent des Unternehmens in Staatsbesitz befinden, und dementsprechend hat sich der Mehrheitseigentümer zu verhalten, denn es gibt eben auch 49 Prozent private Investoren. Folglich ist jeder Zwischenruf aus der Politik, Postamtsschließungen zu verbieten, kontraproduktiv, geschäftsschädigend und aktionärsfeindlich.

Stattdessen wären Faymann und Co. verpflichtet ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Post nach der Liberalisierung des Briefmarktes 2011 in ein Gesetz zu gießen, anstatt populistisch das Verbot von Postamtsschließungen auszurufen. Möglichkeiten dafür gäbe es genug:
● Der Staat „erbarmt" sich der überschüssigen
Beamten und nimmt sie der Post zur Schaffung
einer „Wettbewerbsgleichheit" gegenüber einer möglichen Briefkonkurrenz ab. Dadurch hätte sich die Post nicht nur eines erheblichen und unflexiblen Fixkostenblocks entledigt, sondern könnte die bis 2010 als Rückstellung für Unterauslastung angepeilten 400 Millionen € einmalig gewinnerhöhend auflösen.
● Die Post erhält einen jährlichen Bundeszuschuss - ähnlich der Bahn -, um der Zustellungsverpflichtung auch in entlegene Gebiete weiter nachzukommen und den Kostennachteil aufgrund der teueren Beamtenschaft ersetzt zu bekommen.
● Das Liberalisierungsgesetz setzt die Regeln für neu eintretende Unternehmen so fest, dass die derzeit geltenden Vorschriften was Zustellungspflichten- und -fristen betrifft, für alle gelten (finnisches Modell). Damit würde einer nur regionalen und sehr hochmargigen Briefzustellung eines möglichen Konkurrenten ein Riegel vorgeschoben.

Margen in Gefahr. Für die Post geht es jedenfalls um sehr viel, denn das Segment Brief ist immerhin für 59,8 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich und trägt mit einer EBIT-Marge von stolzen 17,86 Prozent den Hauptteil zum Ertrag bei. Damit sind Konsequenzen unabdingbar, denn sollte sich an der Gesetzeslage bis 2011 für die Post nichts Befriedigendes ergeben, ist es für ein börsenotiertes Unternehmen legitim, die Kostenseite derart zu straffen, also Personal einzusparen, dass die Zukunft des Unternehmens nicht auf dem Spiel steht.

Basisdividende steigt. Noch laufen die Geschäfte jedenfalls zufriedenstellend und CEO Wais kann seine Prognosen einhalten: In den ersten drei Quartalen stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 1,785 Milliarden €. Das EBIT sank im selben Zeitraum zwar um 13 Prozent auf 103 Millionen €, das war aufgrund der Ausfälle im Paketgeschäft allerdings erwartet worden. Etwas kompensiert konnte diese Entwicklung allerdings vom Finanzergebnis werden, denn das stieg um 3,1 Millionen auf 8,6 Millionen €. Folglich blieb unterm Strich ein Gewinn je Aktie von 1,25 € übrig, also 12 Cent weniger als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Trotzdem wird der Gewinn je Anteilsschein zu Jahresende höher ausfallen als 2007, denn das Post-Management rückt von seiner Prognose eines EBIT auf Vorjahresniveau nicht ab. Aufgrund der positiven Entwicklung des Finanzergebnisses und des gleichzeitig gewinnerhöhenden Aktienrückkaufprogramms schätzen Analysten den Gewinn je Aktie ‘08 derzeit im Mittel auf 2,03 €. Da die Post eine Ausschüttungsquote beim Nettogewinn von 75 Prozent anstrebt, würde das einer Dividende von 1,52 € entsprechen, was derzeit eine Rendite von 7,6 Prozent bedeutet.

Ob wie für 2007 auch für 2008 eine Sonderdividende ausgeschüttet werden kann, hängt vom Finanzmittelbedarf des Konzerns ab. Aus heutiger Sicht und mit Blick auf die angekündigten Personaleinsparungen ist es aber eher unwahrscheinlich, weil der Druck von der Politik ein solches Vorgehen wohl kaum gutheißen würde. Und so schließt sich der Kreis: Der Aktionär bleibt auf der Strecke!

Charttechnisch sehr heikel. Da uns bei der vergangenen Post-Analyse (28. Oktober) die Bloomberg-Datenbank einen Datenfehler „eingebrockt" hat, gingen wir ursprünglich von einem 2007er-Tiefkurs von 19 € aus, in Wahrheit lag er knapp über 20 €. Das heißt, diese Unterstützung wird gerade getestet! Sollte sie fallen, dann dürfte Schlimmeres auf die Aktionäre warten, denn in einem Umfeld politischer und gewerkschaftlicher Querelen sind steigende Kurse auch trotz Aktienrückkaufprogramm ausgeschlossen. Wir müssen daher unsere Empfehlung abändern und sagen: Meiden bis sich die Wogen glätten und eine Lösung der Problematik abzusehen ist.

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