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Dialog-backdrop SBO-Devise 2010: Stabilisierung – in der GuV und bei der AktieSBO ist für kurzfristig Orientierte zu teuer, für alle anderen ein strategisches Investment Würden wir für SBO-CEO Gerald Grohmann einen Schlussstrich unter das Jahr 2009 ziehen, würde das Fazit wie folgt lauten: Eigentlich kann es nur besser werden! Denn krisenbedingt war in der Ölserviceindustrie, die der konjunkturellen Erholung wegen der Abhängigkeit von der Nachfrage nach dem schwarzen Gold naturgemäß eher hinterherhinkt, kein goldenes Näschen zu verdienen – zum Vergleich: Während in so mancher Branche (Stichwort: Banken) schon wieder zweistellige Gewinnwachstumsraten ausgewiesen werden, belief sich der durchschnittliche Ergebniseinbruch der Mitglieder des Bloomberg Global Leaders Oil & Gas Service Index (BEOSX) im dritten Quartal auf 42 Prozent. SBO-Anteilseigner mussten sich sogar von sage und schreibe 90 Prozent des Vorjahresgewinnes verabschieden: Der Konzern präsentierte einen Gewinn je Aktie von 0,09 €, womit SBO auch klar den Bloomberg-Konsens, der 0,115 auf der Rechnung hatte, verfehlte. Glücklicherweise blieb es bei der massiven Ergebnis-Underperformance – die Aktie schlug sich wacker: Im Vergleich zum ATX konnte YTD eine Outperformance von 12,2 Prozentpunkten erzielt werden. Und auch der Schatten, den die Kunden bzw. die Konkurrenz auf SBO werfen, ist nicht allzu groß: Inklusive Dividenden legte der erst Ende März aufgelegte BEOSX Investoren einen Ertrag von 63 Prozent unter den Weihnachtsbaum, SBO schaffte immerhin fast 60 Prozent. Was die zukünftige Entwicklung bei SBO angeht, ist verhaltener Optimismus angebracht – wie bereits erwähnt: Es sollte besser bzw. zumindest nicht schlimmer werden. Mehr Bohrtürme. Darauf lässt zunächst die Auftragsstatistik schließen: Während im ersten Vierteljahr von Neuaufträgen jegliche Spur fehlte, bestätigen die beiden folgenden Quartale die von Grohmann erwähnte Bodenbildung. Der Auftragseingang belief sich im abgelaufenen Quartal auf 37,5 Millionen €, was einem leichten Anstieg zum zweiten Quartal, als Aufträge im Wert von 37 Millionen € an Land gezogen werden konnten, entspricht. Zudem ist SBO laut eigenen Aussagen nun nicht mehr mit Stornierungen, sondern mit zunehmenden Lieferanfragen und Ausschreibungen konfrontiert. Aber auch abseits der Informationen, die vom Konzern selbst zur Verfügung gestellt werden, zeichnet sich eine Entspannung ab: Die Zahl der weltweiten Bohrtürme stieg laut Baker Hughes, dem drittgrößten Erdöl-Service-Konzern der Welt, im November zum sechsten Mal infolge auf 2409. Das Tief wurde im Mai dieses Jahres bei 1983 aktiven Bohrtürmen markiert. Ähnlich positiv stimmt die Statistik für das SBO-Steckenpferd, dem sogenannten abgelenkten Bohren nach Ölvorkommen oder "directional drilling": Die Zahl der direktionalen Bohrlöcher wuchs seit dem Mai-Tief um über 24 Prozent auf 199, brach zuvor allerdings auch um horrende 60 Prozent ein. Der entscheidende Faktor für eine weitere Steigerung der Bohr-Aktivität und damit des Auftragseingangs bei SBO ist erwartungsgemäß die Form der Konjunkturerholung über 2009 hinaus und die daraus resultierende Erholung der Ölnachfrage. Optimismus macht sich im Expertenlager breit. Steigende Nachfrage. Laut der Internationalen Energieagentur dürfte die Ölnachfrage 2010 wieder wachsen. Erst kürzlich erhöhten die Experten ihre Prognose um 130.000 auf 86,3 Millionen Fass pro Tag. Im Vergleich zu 2009 entspräche dies einer Steigerung um 1,7 Prozent. "Nach zwei Jahren massiver Einbrüche sollte die globale Ölnachfrage 2010 auf den Wachstumspfad zurückkehren", schrieb auch das Wiener Opec-Sekretariat Mitte Dezember. Positive Anzeichen kommen zudem vom SBO-Kundenstamm höchstselbst: Der US-Konzern Schlumberger, seines Zeichens Weltmarktführer im Öl-Service-Geschäft und größter Umsatzbringer von SBO, ergänzte den dritten Quartalsbericht mit einem Ausblick: "Unsicherheiten bleiben bestehen, aber die Nachfrage nach Öl und Gas wird über die nächsten Monate leicht ansteigen. Als Konsequenz erwarten wir eine weitere Stabilisierung der Aktivität." Womit wir beim Knackpunkt wären: Das Erwähnte stützt den Aktienkurs und deutet auch für das Zahlenwerk von SBO grundsätzlich in die richtige Richtung, nur 2010 sollten Anleger beim Umsatz keine Wunder erwarten, sondern nur mit einer Stabilisierung rechnen – womit wegen des fixkostenintensiven Geschäfts auch Gewinnsprünge eher auszuschließen sind. Bleibende Risiken. Aus fundamentaler Sicht sind damit in den ersten Monaten 2010 keine Kurssprünge zu erwarten, zumal SBO im Vergleich zur Peer Group teuer ist: Auf Basis des geschätzten KGV 2010 punktet der BEOSX-Schnitt mit 16,2 versus 24,6. Auch das Verhältnis zwischen Unternehmenswert und geschätztem EBITDA 2010 wirft kein besseres Licht auf SBO: Der Konzern handelt mit einem Aufschlag von 27 Prozent auf die Konkurrenz. Charttechnisch hat sich einerseits der 30er zuletzt immer wieder als stabile Unterstützung erwiesen, andererseits der 34er als nächste Hürde. Wer investiert ist, sollte ein Stop-Loss-Limit bei knapp unter 30 € setzen. Wer es nicht ist, kann in Erwartung einer Erholung der Margen gegen Ende 2010 einsteigen, sobald die 34 € nachhaltig geknackt sind – sollte aber wie erwähnt kurzfristig nicht mit Outperformance rechnen.
Die Infografik finden Sie im WirtschaftsBlatt vom 29.12. mehr Analysen…
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