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AT&S: Das Verlustjahr '09/10 abhaken und vergessen

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von Martin Fellhuber | 26.01.2010 | 11:38

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AT&S: Das Verlustjahr '09/10 abhaken und vergessen

Neun € sind selbst dann gerechtfertigt, wenn man für einen österreichischen Titel gegenüber der internationalen Konkurrenz einen Abschlag einkalkuliert.

Dass das laufende Jahr für AT&S kein Honiglecken sein wird, haben wir bereits im Sommer berichtet. Damals gingen wir von einem Verlust in Höhe von 25 bis 30 Millionen € aus. Nach den durchaus guten Zahlen zum dritten Quartal kündigte AT&S für das Gesamtjahr (bis 31. März) ein positives EBIT an – allerdings exklusive den Restrukturierungskosten von 36,5 Millionen €. Das Konzernergebnis nach den ersten drei Quartalen beläuft sich auf minus 3,8 Millionen – wiederum ohne den oben erwähnten Aufwendungen. In Summe kommt AT&S also aktuell auf ein Minus von rund 40 Millionen €.

Für das Gesamtjhahr rechnet AT&S mit 360 Millionen € Umsatz. Das heißt, dem Leiterplattenhersteller fehlen noch 87,5 Millionen, die allerdings durchaus realistisch sind. Schaut man sich die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre an, war das dritte Quartal vom Umsatz her immer leicht schwächer als das zweite – nur heuer gibt es hier eine eindeutige Trendwende: Nach 88 Millionen € im zweiten Quartal steigerte AT&S den Umsatz auf 101,2 Millionen €. Was ebenfalls erfreuen kann, ist die aktuelle EBIT-Marge von 13,4 Prozent, die der Konzern im dritten Quartal erzielte. Hier fließen wohl zum Teil bereits die Einsparungen ein, die sich aus der Verlagerung der Volumensproduktion von Leoben-Hinterberg nach Asien ergeben.

Diese Marge wird auf Grund hohen Fixkosten im vierten Quartal nicht zu halten sein, sollte der Umsatz nun rückläufig sein. Daher kann man getrost davon ausgehen, dass das Konzernergebnis inklusive der Restrukturierungskosten bei oder leicht über 30 Millionen € liegen wird. Allerdings handelt es sich dabei eben um Altlasten aus dem ersten Quartal, die am Besten abgehakt werden.

Wachstum. Sehen wir uns daher lieber das wirtschaftliche Umfeld an: Rund 60 Prozent des Umsatzes entfällt auf den Bereich Mobile Devices. Längst vergessen ist jene Zeit, als AT&S auf mehr Umsatz aus den anderen Bereichen hoffte. Denn die Prognosen stimmen optimistisch.

Branchenanalaysten rechnen mit jährlichen Wachstumsraten von 20 Prozent bei Smartphones. Dass AT&S bei ihrem in diesem Bereich bislang wichtigsten Kunden, Nokia, zurückhaltend ist, hat einen guten Grund: Der finnische Handy-Hersteller produziert für Wachstumsmärkte wie China und Indien verstärkt günstige Handys in einem Preisband zwischen 20 und 60 €. Dass die dabei verwendeten Leiterplatten nicht gerade eine technische Herausforderung sind, ist klar. Dass die damit erzielbare Marge nicht beeindruckt, ebenfalls. AT&S hat sich daher auf andere Smartphone-Hersteller konzentriert, deren Aufträge sich noch lohnen.
Der Bereich Industrial Services hat zuletzt 28 Prozent zum Gesamtumsatz beigetragen hat. Anwendungen für den klassischen Maschinenbau zählen hier ebenso dazu, wie die Medizintechnik. Wobei in diesen Bereichen bekanntlich aktuell noch eher gespart wird. Auch in der Krise wird zwar gerne zu einem neuen Smartphone gegriffen – aber größere Investitionen werden naturgemäß auf die lange Bank geschoben. Es wird hier wohl noch einige Zeit dauern, bis dieser Bereich von aufgeschobenen Investitionen profitieren wird.

Image. Es gibt noch ein weiteres Betätigungsfeld, das vorerst wohl eher Renommee als Geld bringt: Der Einstieg ins Photovoltaik-Geschäft. Es geht um eine günstigere Massenproduktion von Solarzellen. Durch die Verwendung von Leiterplatten-Technologien soll der Einsatz von Silicium verringert, der Ausschuss reduziert und die Effizienz gesteigert werden. Der Solar-Boom ist jedoch vorerst vorbei – und mit der großflächigen Produktion von technisch relativ einfach gestrickten Leiterplatten ist mittelfristig nicht viel zu verdienen. Etwa elf Prozent entfallen auf die Automobilindustrie. Zwar nimmt die Elektronik in den Fahrzeugen laufend zu – allerdings ist bekanntlich gerade diese Industrie für den Sparsinn bekannt. Von der Marge her ist hier also nicht sehr viel drinnen.

Fazit. Für das laufende Jahr kann wohl nicht ernsthaft mit einer Dividende gerechnet werden – also ist dies kein Grund, in AT&S zu investieren. Aber die Produktionsverlagerung nach Asien sollte sich im neuen Wirtschaftsjahr spürbar auswirken. Halten die Prognosen – vor allem im Bereich Mobile Devices – sollte es nicht nur beim Umsatz sondern auch beim Gewinn wieder aufwärts gehen.
Ein Blick auf die Konkurrenz macht deutlich, dass AT&S aber bereits jetzt unterbewertet ist. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Konkurrenz liegt bei 1,17, bei AT&S beträgt es 0,71. Setzt man diese Kennzahl in Relation mit dem ROE ergibt sich für AT&S ein fairer Wert von 10,30 €. Selbst beim obligaten Ösi-Abschlag sind wir noch immer bei 9,00 € – bei einem Buchwert von 10,80 € ein durchaus realistisches Kursziel.

Aber auch charttechnisch sieht es recht vernünftig aus: Bei 7,50 € zeigen die Fibonacci-Linien jedoch einen Widerstand. Nach der Bekanntgabe der Q3-Zahlen schnellte die Aktie auch hoch, scheiterte letztlich erst einmal an dieser Hürse. Wird diese Marke aber überwunden, ist der Weg frei bis 8,60 €. Nach unten sollte man sich aber bei 6,30 € absichern.

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