von Reuters/hahn | 22.02.2011 | 12:34
Heuschrecken feiern wieder "Super Return"
Zwei Jahre lang waren sie von der Bildfläche verschwunden. Einige Experten hatten gar vor einem Aussterben der Spezies gewarnt, doch sie überlebte und ist heute fideler denn je. Die Rede ist von Finanzinvestoren, auch Heuschrecken genannt.
Blackstone-CEO Stephen Schwarzman schwärmt schon wieder von Mega-Deals
Seit einiger Zeit fliegen sie wieder umher und schlagen vermehrt zu. Ab nächsten Montag feiert die Branche ihre Renaissance in Berlin auf der jährlichen Messe mit dem wenig bescheidenden Namen "Super Return" (Super-Rendite). Besonders die Firmenjäger aus den USA werden dann von möglichen Deals im zweistelligen Milliardenbereich schwärmen. Die Europäer sind zurückhaltender, da Mega-Transaktionen hier nach wie vor auf sich warten lassen.
In den vergangenen beiden Jahren war auf dem Branchen-Stelldichein von der Champagner-Stimmung der Boomzeit nicht mehr viel zu spüren. Finanzinvestoren wie Blackstone, KKR, Permira oder Carlyle kamen wegen der Krise kaum an neue Kredite, mit denen sie üblicherweise ihre Übernahmen finanzieren. Zudem mussten sie mit hauseigenen Problemen kämpfen, da die Firmen im Portfolio unter der hohen Schuldenlast ächzen. Die Beteiligungshäuser wälzen die Kredite aus der Übernahme auf die gekauften Unternehmen ab.
Große Deals
Dank einer Stabilisierung der Anleihe- und Kreditmärkte und niedriger Zinsen hat sich die Lage zuletzt deutlich verbessert: Es gebe Anzeichen für stärkere Private-Equity-Aktivitäten, sagt Stefan Behr, der bei der Royal Bank of Scotland im deutschsprachigen Raum für das Firmenkundengeschäft verantwortlich ist. "Finanzinvestoren spielen bei größeren Deals zunehmend wieder eine Rolle." Nach Daten von Thomson Reuters haben Private-Equity-Firmen 2010 weltweit Zukäufe über rund 225 Milliarden Dollar gestemmt - fast doppelt soviel wie 2009. Damit waren sie an neun Prozent aller Übernehmen beteiligt.
Kaufziele Mangelware?
Finanzierbarkeit sei aktuell nicht das Problem, sondern eher die Zahl attraktiver Kaufziele, betont Behr. In Deutschland gibt es gegenwärtig nur wenige größere Verkaufsprozesse. Eines der wenigen Beispiele ist der Kabelnetzbetreiber Kabel Baden-Württemberg, an dem fast nur Beteiligungsfirmen interessiert sind. Als Kaufpreis sind Summen von weniger als drei Milliarden Euro im Gespräch. Weitere Kaufgelegenheiten in der Größenordnung sind Mangelware.
Doch Jeremy Golding, Chef des Private-Equity-Dachfonds Golding Capital Partners, bleibt zuversichtlich: "Es wird in Deutschland wieder Milliardendeals von Finanzinvestoren geben, vielleicht sogar in 2011." Die Banken seien zurück, auch mit relativ großen Krediten. Als Polster verlangten sie derzeit aber noch, dass die Finanzinvestoren rund 40 Prozent der Übernahme mit Eigenkapital finanzieren. In den Boomjahren vor der Krise waren es oft weniger als 20 Prozent.
Einige Private-Equity-Fonds haben die Gelder aus ihren Fonds allmählich voll investiert. Sie brauchen daher neue Mittel von Geldgebern wie Versicherungen und Pensionskassen. In der Krise hätten sie wohl nur bescheidene Summen erwarten können. Doch jetzt sieht die Lage besser aus: Der Finanzinvestor BC Partners etwa ist Kreisen zufolge auf gutem Weg, wie geplant rund sechs Milliarden Euro einzusammeln. Auch Rivalen wie EQT, Apax oder KKR hegen Pläne für einen neuen Fonds.
"In Europa dürften in diesem Jahr rund 20 Milliarden Euro zusammenkommen", schätzt Golding, dessen Firma in einzelne Private-Equity-Fonds investiert. "Private Equity spielt die Niedrigzinsphase in die Karten, da fehlt es an attraktiven Anlagealternativen." Finanzinvestoren versprechen ihren Geldgebern üblicherweise eine höhere Rendite als der Aktienmarkt, wo rund zehn Prozent realistisch sind. Für Private-Equity-Fonds seien 20 Prozent durchaus wieder möglich, betont Golding. Auf der Berliner Messe werden viele für ihren Zweckoptimismus bekannte US-Branchenvertreter vermutlich von noch höheren Renditezielen berichten - schließlich ist die Veranstaltung eine ideale Gelegenheit, neue Geldgeber für sich zu begeistern.
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