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Euro-Austritt Deutschlands könnte nötig werden

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16.01.2012 | 07:34

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Euro-Austritt Deutschlands könnte nötig werden

Euro-Krise. Linde-Gas CEO Wolfgang Reitzle: "Griechenland muss, Deutschland möglicherweise die der Euro-Zone verlassen."

dpa

Linde-Boss Reitzle ist bekannt für pointierte Standpunkte

München. Der Chef des Industriegasekonzerns Linde, Wolfgang Reitzle, bringt einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone ins Gespräch - und wird dafür umgehend kritisiert. Gleichzeitig führt für ihn kein Weg am Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vorbei.

"Wenn es nicht gelingt, die Krisenländer zu disziplinieren, muss Deutschland austreten", sagte der Vorstandschef des Dax-Konzerns, Wolfgang Reitzle, dem Magazin "Der Spiegel" in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. "Natürlich würde das zu einer Aufwertung der D-Mark, des Euro-Nord oder welche Währung wir dann auch hätten, führen. Aber die würde schnell geringer sein, als wir befürchten."

Zwar würde in den ersten Jahren nach einem solchen Schritt die Arbeitslosigkeit zunehmen, da der Export infolge der Währungsaufwertung einbrechen werde, sagte Reitzle. Dies würde jedoch den Druck auf die deutsche Wirtschaft erhöhen, noch wettbewerbsfähiger zu werden. "Und schon fünf Jahre später könnte Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Wettbewerbern stärker dastehen."
Der Chef des weltweit zweitgrößten Industriegasekonzerns nach der französischen Air Liquide hatte bereits früher Zweifel an einer Euro-Rettung geäußert.

Warnung vor Euro-Scheitern

Im vergangenen Juli übte Reitzle harsche Kritik an den Rettungsversuchen europäischer Politiker und warnte vor einem Konjunktureinbruch. Im Juni unterzeichnete er einen Aufruf von 50 deutschen und französischen Top-Managern, in dem vor einem Scheitern des Euro gewarnt wurde.

Sein "Lieblingsszenario" sei jedoch eine Rettung der Euro-Zone, sagte Reitzle dem "Spiegel". "Der Lackmustest wird Italien sein. Wenn Italien es schafft, wird Spanien ein Vorbild haben, und dann könnte vielleicht sogar Frankreich Reformen angehen, was bisher nicht absehbar ist", sagte der Linde-Chef. "Und dann könnten die Euro-Länder das Problem über die Zeit ausschwitzen." Das Schicksalsjahr des Euro sei nicht 2012, sondern liege drei oder vier Jahre später.

„Griechenland muss austreten"

In jedem Fall erwarte er allerdings einen Abschied Griechenlands vom Euro. "Griechenland muss mittelfristig austreten. Und die Schulden des Landes werden nicht zu 50 oder 70, sondern am Ende zu 100 Prozent abgeschrieben werden müssen", sagte Reitzle. Solange Griechenland noch dem Euro-Raum angehöre, müsse es unterstützt werden. "Das ist alles in allem ein 500-Milliarden-Euro-Problem."

Breit aufgestellt

Der Münchner Gasekonzern ist Reitzle zufolge für jedes Szenario gerüstet. Zwar habe er keinen Plan B für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone in der Schublade. Doch Linde erwirtschafte nur noch 30 Prozent seines Umsatzes von 13 Milliarden Euro in Europa, ein Großteil komme aus dem Asien-Geschäft. "Linde würde also in jedem Fall überleben", sagte der Konzernchef. "Wir werden noch schneller und flexibler auf Veränderungen reagieren müssen und unsere fixen Kosten so niedrig wie möglich halten."

Experten-Kritik

Der Berliner Finanzwissenschaftler Markus C. Kerber kritisierte Reitzles Überlegungen zu einem Euro-Austritt Deutschlands. "Deutschland muss entgegen der politisch defizitären Analyse von Reitzle zusammen mit den Handelsüberschussländern einen Plan B ausarbeiten. Einseitige Schritte führen nur in die politische Isolation", sagte der Professor an der Technischen Universität zu Berlin zu "Handelsblatt Online". Kerber hatte ein EU-Gerichtsverfahren gegen den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB angestrengt.

(Reuters/ekh)

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4 Kommentare

herr reitzle hängt noch immer alten ewg-vorstellungen an....

...die eu ist aber längst keine reine wirtschaftsunion mehr, auch wenn die länderpolitiker es verabsäumen, die nötigen gesetzlichen massnahmen für den überfälligen nächsten schritt, die politische union in einen bundesstaat, folgen zu lassen.
dass das nicht alle - vor allem nicht die jeweilige politische nomenklatura in den ländern ausserhalb von deutschland und frankreich - freut, ist klar. aber es wird kommen müssen, da es der der einzige weg zum langfristigen erfolgreichen überleben ist.
nischenplayer wie schweiz, norwegen etc leben ja nur wegen sondereffekten gut.
die wirklich erfolgreichen länder sind alle große bundesstaaten, wie usa, brasilien, indien, australien etc.
aber überzeugen sie einmal menschen, deren existenz von kleinstaaterei abhängt wie politiker, kammerfunktionäre, militärs etc.

Von Gast: Gast: gast am 16.01.2012 um 09:48

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Re: Die EU fällt in sich zusammen

Es gibt eine Konstante über die Geschichte der Staatlichkeit hinweg: Staatsgebilde die nicht von ihrer Bevölkerung getragen werden, brechen früher oder später in sich selbst zusammen.

Der Erfolg eines Staates hängt letztlich allein vom Innovationspotential der Wirtschaft ab; das ist dort am grössten, wo der Staat am wenigesten reinfunkt.

Die EU ist und bleibt ein Fehlkonstrukt; solange es zu keiner Abstimmung über dieses Konstrukt kommt, wird sich die Bevölkerung dagegen aussprechen,

Von Gast: Gast: Joachim von Koch am 01.02.2012 um 11:17

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Die mögliche Aufwertung der deutschen Währung liese sich sofort verhindern


Das mit der Aufwertung einer eigenen Währung Deutschlands ist ein Märchen. Die deutsche Notenbank könnte in einem solchen Fall sofort Unmengen an neuem Geld drucken und auf die internationalen Kapitalmärlte werfen.

Genau das hat die Schweiz vor kurzem auch gemacht und sofort das gewünschte Kurszoel erreicht.

Die Export würden als gar nicht leiden. Ganz im Gegenteil, die deutsche Notenbank könnte soviel Geld drucken, dass die neue deutsche Währung sogar schwächer wird als vorher und so die deutschen Exporte ordentlich ankurbeln.

Von Gast: Gast: Carl Marx am 16.01.2012 um 09:37

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Re: Kopflastiges Europa

Was 1940 den Deutschen mit Kanonen nicht gelungen ist wird nun mit Geld gemacht.

Die Angst, der favorisierten und / weil von Deutschland domminierten Zentralregierung im fernen Brüssel braucht nicht erst geschürt zu werden seit die Achse D und Frankreich durch das Rating eine historische Schieflage erreicht hat

Von Gast: Gast: gast am 16.01.2012 um 17:28

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