von Leo Himmelbauer | 09.02.2012 | 06:36
Gerry Weber mag Pleitefirmen: Erst Don Gil, jetzt Wissmach
Gerry Weber
Der deutsche Modemacher Gerry Weber hat offenbar ein Faible für insolvent Textilgruppen entwickelt, was verständlich ist: Viele Standorte auf einmal können billig erworben, die Expanion so beschleunigt werden. Im November hat Gerry Weber bei der österreichischen Textilkette Don Gil zuschlagen, die Mietverträge der Pleitefirma übernommen und sich mit 29 zusätzlichen Filialen auf dem österreichischen Markt verdoppelt.
Mittwoch Abend gelang ein weitaus grösser Coup in Deutschland. Gerry Weber übernimmt per 15. März (sofern die Kartellbehörden zustimmen) die wesentlichen Vermögensgegenstände (Mitverträge, Mitarbeiter, Warenlager) der im Oktober 2011 in die Insolvenz geschlitterteten Wissmach Modefilialen GmbH. Das Göppinger Unternehmen für Damenoberbekleidung beschäftigt 1000 Mitarbeiter und betreibt rund 200 Filialen in ganz Deutschland. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Gerry Weber-Chef Gerhard Weber will die neuen Lokale in den nächsten Monaten in Taifun- und Samoon-Stores umbauen und dafür einen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Sein Konzern ist nebst der drei Mal so grossen Hugo Boss-Gruppe das bekannteste börsenotiere Modeunternehmen in Deutschland, beschäftigt weltweit rund 3000 Mitarbeiter. Gerry Weber betreibt 520 Houses of Gerry Weber, über 2300 Shopflächen und Marken-Onlineshops. Im laufenden Geschäftsjahr wird ein Umsatz von 775 Millionen € erwartet. Die EBIT-Marge soll bei 14,8 Prozent liegen.
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