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Schluss mit Packerlschupfen: TNT ist das letzte große Stück

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von Edith Lackner | 22.02.2012 | 00:33

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Schluss mit Packerlschupfen: TNT ist das letzte große Stück

Übernahme. Die niederländische TNT Express ist der letzte große Hochzeitskandidat unter den Paketdienstleistern; und hat damit seinen Preis.

Anfang der Woche hatte eine sich abzeichnende Übernahmeschlacht um TNT Express eine Megakursbewegung an der Amsterdamer Börse ausgelöst: Innerhalb eines Tages verteuerte sich die Aktie um über 60 Prozent, als bekannt wurde, dass der US-Logistikkonzern UPS (United Parcel Services) ein Übernahmeangebot gelegt hat - beziehungsweise, dass dieses abgelehnt wurde: Neun € je Aktie oder rund fünf Milliarden insgesamt waren den Niederländern zu wenig. Mehrere Hinweise sprechen dafür, dass TNT so billig nicht weggehen wird. Zum einen stehen preisbewusste Finanzinvestoren hinter TNT. Laut Medienberichten will der US-Investmentfonds White Eagle Partners 15 €. Zum anderen ist anzunehmen, dass sich auch der UPS-Erzkonkurrent FedEx (ebenfalls USA) in das Rennen einklinkt, was die TNT nicht billiger machen wird.

Eine echte Rarität

"Es ist ein durchaus vernünftiger Zeitpunkt, um so einen Move durchzuziehen, wo sich die Schuldenkrise in Europa zu beruhigen scheint", sagte ein deutscher Analyst, der nicht genannt werden wollte, zum WirtschaftsBlatt. TNT gilt als zu wenig finanzkräftig, um mit einer Stand-alone-Strategie im internationalen Konzert mitzuspielen.

Tatsächlich ist TNT mittlerweile der letzte wirklich große potenzielle Übernahmekandidat am hochkonsolidierten Logistikmarkt. Der Rest an wichtigen Playern ist in festen Händen und steht aufgrund guter Geschäfte kaum zur Übernahme frei. Die deutsche Hermes Logistik, die europaweit und in Russland Zweigstellen hat, gehört dem Otto-Versand. DHL ist eine Tochter der Deutschen Post. Was bleibt, sind kleine Spartenanbieter: So sind etwa die Anteile des deutschen Mischkonzerns Haniel an dem Pharmahändler und -logistiker Celesio wiederholt im Gerede.

So rar TNT auch ist, darf man aber nicht davon ausgehen, dass UPS oder FedEx auf ein überteuertes Angebot eingehen, nur weil es sich um eine der letzten Chancen auf große Marktanteile handelt. Von den mittlerweile geforderten 15 € heben sich die Analystenannahmen mit rund elf € deutlich ab. Interkontinentale Paketzustellungen sind teuer, die Kalkulationen knapp. Eine UPS, die eine gesunde Bilanz besitzt, wird sich diese kaum ruinieren, zumal der eigentliche Übernahmepreis nur einen Teil der zu berappenden Kosten ausmacht: Bei Übernahmen in der Branche gilt die Zusammenführung der unterschiedlichen IT-Systeme und Netzwerke als teure und komplexe Herausforderung. Es würde also dauern, bis UPS oder FedEx zwischen Europa und Amerika die Synergien geschaffen hätten, um qualitativ hochwertig agieren zu könnten.

Andererseits verlieren die Aktionäre, die auf einen Verkauf drängen, langsam die Geduld: TNT Express geht aus der Aufspaltung der niederländischen Post in das Express-und das Briefsegment (PostNL) im Mai 2011 hervor. Den Kursen hat das ebenso wenig gut getan wie der Bilanz. Während etwa bei DHL das Paketgeschäft floriert, fuhr TNT Express im Schlussquartal 2011 einen operativen Verlust von 104 Millionen € ein. Die leidgeplagten Aktionäre dürften also nicht bis zum letzten Cent pokern, sondern sich mit einer sicheren, aber dafür guten Partie zufriedengeben.

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