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Vietnam gerät in eine gefährliche Schieflage

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von Hans Weitmayr | 19.06.2008 | 11:37

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Vietnam gerät in eine gefährliche Schieflage

Boomjahre, Überhitzung und dann die Krise? Für Vietnam sieht's nicht gut aus. Das Resultat: Der Aktienmarkt bricht weg, die Inflation steigt rasant, und Streikwellen überziehen das südostasiatische Land.

EPA

Liegt ein Tanker einmal zur Hälfte unter Wasser, gestaltet sich die Weiterfahrt in der Regel eher kompliziert

8; 25; 380. Eine Zahlenreihe, die für Vietnams Volkswirtschaft nicht unbedingt die rosigste aller Perspektiven verheißt, steht doch die „8“ für den für 2008 geschätzten Prozentsatz des Leistungsbilanzdefizits gemessen am BIP des Landes. „25“ ist die prozentuelle Teuerungsrate, die die einst zweiterfolgreichste Volkswirtschaft Asiens – nach China – im Mai hinnehmen musste. Und „380“ entspricht dem Punktestand, den der VN-Aktien­index zuletzt auf die Waage brachte – das nach den 1000 Zählern, die er noch im Herbst 2007 erreicht hatte. Kein Wunder, dass die Ratingagentur Fitch den Ausblick für Vietnam von stabil auf negativ herabgesetzt hat.

Als eine der Hauptursachen für den skeptischen Ausblick führen die Analysten dabei die Inflation ins Feld, die ein „sehr ernstes Problem für das Land“ darstelle. Auch sei die „politische Reaktion auf die Teuerung viel zu langsam“ ausgefallen. Die Zinssätze seien außerdem „trotz der jüngsten Anstiege zu niedrig“.

Zinsschraube.

Mit „jüngstem Anstieg“ bezieht sich der Report auf die letzte Anhebung der Leitzinsen von 200 Basispunkten auf 14 Prozent. Davor hatte die Notenbank den Referenzsatz im Mai von 8,75 auf zwölf Prozent gehievt. In Vietnam dürfen Banken Geld mit einem Aufschlag von maximal 50 Prozent weiterverleihen. Die realen Zinsen des Landes liegen demnach bei 21 Prozent, also vier Prozentpunkte unterhalb der Inflationsrate – der Leitzinssatz ist demnach negativ.

Der Schluss: die Notenbank hat noch Raum für Zinsanhebungen, den sie auch nützen wird. Denn um das ausufernde Leistungsbilanzdefizit unter Kontrolle zu bekommen, hat die Notenbank eine – inflationstreibende – Abwertung der Landeswährung Dong beschlossen. Die Devaluierung der an den Dollar gebundenen Währung liegt bei 1,9 Prozent. Das soll die Exporte stützen und so die – in die Leistungsbilanz einfließende – Handelsbilanz aufbessern. Diese Entwicklung ist Wasser auf die Argumentationsmühlen von Merrill Lynch, wonach die Talfahrt des vietnamesischen Aktienmarktes noch nicht abgeschlossen ist. Denn steigende Zinsen bedeuten fallende Aktien- und Anleihenmärkte.

Arbeitskampf.

Doch nicht nur die Finanzmärkte des Landes sind ins Wanken geraten. Die hohen Teuerungsraten haben bereits auf die Realwirtschaft des im Jahr 2007 der WTO beigetretenen Landes durchgeschlagen. So sind im April 21.000 Arbeiter eines Zulieferbetriebes des Sportartikelherstellers Nike in den Streik getreten. Im ersten Quartal des Jahres hat es laut Regierungsangaben 300 Arbeitskonflikte gegeben.

Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um den Faktor drei – keine gute Nachricht für ein Land, das einen Gutteil seines Wachstums ausländischen Direktinvestitionen verdankt. Im Vorjahr erreichten die FDIs einen Level, der acht Prozent des erwirtschafteten BIP entsprach.

Die Streikbereitschaft der Belegschaften wird in Zukunft auch noch eher zu- als abnehmen. Laut einem Bericht des Economist Intelligence Unit plant die Regierung, Preisbindungen für Treibstoff, Energie Wasser, Medikamente und andere Schlüsselprodukte aufzuheben. Die Begründung der Politik: „Der Staat kann es sich nicht mehr leisten, derartige Subventionen über einen nachhaltigen Zeitraum aufrecht zu erhalten.“

Der Optimismus der Regierung, die von einem Wachstum von sieben Prozent ‘08 ausgeht, darf demnach mit dem Präfix „Zweck“ ausgestattet werden. Das sieht man auch am Dong. Offiziell liegt der Wechselkurs gegenüber dem Greenback bei 16.600. Am Schwarzmarkt muss man für einen Dollar aber schon 18.500 Dong hinlegen.

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