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Dialog-backdrop Das simple Geheimnis des chilenischen ErfolgsSpare in der Zeit, dann hast du in der Not: Die Voraussicht der Chilenen brachte dem Land nicht nur ein Rating-Upgrade ein – wenn Aktien der Region, dann chilenische. Andrés Velasco, Chiles Finanzminister„Keynes-Anhänger zu sein bedeutet, es sowohl im Ab- als auch Aufschwung zu sein“ „Wofür ich mich weiter verpflichtet fühle, ist weniger in der Vergangenheit zu verweilen, als eine bessere Zukunft zu schaffen“, teilte Michelle Bachelet Ende 2007 der „NY Times“ mit und bezog sich auf die 70er-Jahre, die sie infolge der Diktatur von Augusto Pinochet im Gefängnis bzw. Exil verbrachte. Heute ist Chiles Demokratie fast 20 Jahre alt, Bachelet Staatsoberhaupt und die fünftgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas Liebling der Rating-Agenturen und Analysten: „Chile spielt in einer eigenen Liga“, gibt sich etwa Luis Arcentales von Morgan Stanley gegenüber Bloomberg euphorisch. Mauro Leos von Moody’s sieht das ebenso: „Kein Land lässt sich mit Chile vergleichen“, sagt der Analyst und stufte am Dienstag das Emittentenrating des Landes von A2 auf A1 hoch – seit Jahresanfang ist Chile damit das erste Land, dem diese Ehre zuteil wurde. Aber auch sonst spricht einiges dafür, dass Chile anders ist: Der Leitindex IPSA liegt – auf Dollar-Basis – seit Jahresbeginn weltweit auf dem vierten Rang unter 90 von Bloomberg beobachteten Börsebarometern. Er legte über 20 Prozent zu und ist damit – zumindest definitionsgemäß – ein Bullenmarkt. Und der Peso kann sich mit einem Wertgewinn von elf Prozent zum Dollar unter den Devisen der Schwellenländer die Performance-Krone aufsetzen. Das Erfolgsrezept? Daran, dass Chile von der Krise verschont wird, liegt es sicher nicht. Der BIP-Einbruch... Wegen der Rezession in den Industrienationen wuchs die Wirtschaft im letzten Quartal 2008 nur 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – der niedrigste Wert seit 1999. Im Quartalsvergleich schrumpfte das BIP sogar um 2,1 Prozent, der zweite Rückgang infolge. Damit rutschte Chile in eine Rezession: „Das ist der größte Wachstumseinbruch seit der Asien-Krise“, sagt Rodrigo Aravena von Banchile Inversiones. Laut Alberto Ramos von Goldman Sachs könnte der Dynamikverlust im vierten Quartal sogar dazu führen, dass Chile 2009 ein negatives Wachstum ausweisen wird müssen. Denn, während der Verfall der Kupferpreise – Kupfer ist das wichtigste Exportgut von Chile – schwer auf den BIP-Zahlen lastete, gingen auch die Konsumausgaben von annualisierten fünf auf 0,8 Prozent zurück. „Die Daten geben uns das Gefühl, dass Ende des Jahres der Boden unter der chilenischen Inlandsnachfrage wegbrach“, spricht Rafael de la Fuente von BNP Paribas das Problem an. Auch Zentralbank-Chef José De Gregorio gestand kürzlich ein, die im Jänner publizierte Wachstumsprognose von zwei bis drei Prozent sei zu optimistisch. ...und das Heilmittel Wie kam es aber dennoch zum Moody’s-Upgrade, dem starken Peso und der „übermütigen“ Börse? Als die Einnahmen aus den Kupferexporten sprudelten, waren die Vorgänger der heutigen Regierung – im Unterschied zu so manch anderem Staat der Region – konsequent, sodass diese aktuell über einen Stabilitätsfonds von 24 Milliarden Dollar – 14,4 Prozent des BIP – verfügt. Das Geheimnis des Erfolges kennt auch Finanzminister Andrés Velasco: „Keynes-Anhänger zu sein, bedeutet, es in beiden Phasen des Konjunkturzyklus zu sein.“ Gemeinsam mit Bachelet schnürte er ein Konjunkturpaket von vier Milliarden Dollar, was 2,6 Prozent des BIP entspricht. Damit sollen Infrastrukturprojekte, Zuschüsse für ärmere Schichten und Steuersenkungen finanziert werden. Zudem hilft, dass Chiles Zentralbank nicht nur den Ruf hat, weltweit zu den Währungshütern zu zählen, die mit größter Entschlossenheit handeln: Seit Anfang des Jahres stutzten sie den Leitzins um 6,0 Prozentpunkte auf derzeit 2,25 Prozent – die weltweit massivste Lockerung der Zinsschraube. Laut Moody’s dürfte selbst bei einem weiteren Kupferpreissturz um 40 Prozent der Staatsfonds am Jahresende noch immer mit zehn Prozent des BIP prall gefüllt sein. Auch das Budgetdefizit, das 2009 Regierungsprognosen zufolge auf 2,9 Prozent anwachsen wird, kann den Experten zufolge die chilenischen Finanzen nicht genug belasten, um massive Sorgenfalten zu kreieren. Wenig verwunderlich, mit einer öffentlichen Verschuldung von nur vier Prozent des BIP lässt es sich schließlich gut leben, und was noch wichtiger ist, gut Konjunktur ankurbeln. Daher ist auch noch nicht gesagt, ob die Wirtschaft 2009 tatsächlich – wie Goldman Sachs befürchtet – schrumpfen wird: Christian Moreno von Banco Santander schätzt, dass Chile mit einem BIP-Plus von 0,5 Prozent die Kurve gerade noch kriegen wird. Indes soll Brasilien auf dem Stand treten und Mexikos BIP um drei Prozent einbrechen. Chile ist für Moreno neben Brasilien aktienseitig damit Top-Pick der Region, wobei der Analyst vor allem auf Werte außerhalb der Rohstoffbranche setzt – zu denen auch einige des WirtschaftsBlatt-Aktientests zählen, wie etwa der zweitplatzierte Empresas La Polar, ein Einzelhändler. Hingegen sollten Anleger von der Nummer eins, dem Holzkonzern Masisa, somit wohl eher die Finger lassen. Und Vorsicht: Denn auch die chilenische Börse scheint nach der jüngsten Rally anfällig für eine Korrektur. Den Aktientest und die Grafiken finden Sie im WirtschaftsBlatt vom 26. März mehr Investor…
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