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Dialog-backdrop Mexikos Wirtschaft leidet auch ohne die GrippeDie „neue Grippe“ scheint in Mexiko unter Kontrolle zu sein. Für die Wirtschaft kommt die Krankheit trotzdem ungelegen: Sie ist wegen der hohen Abhängigkeit zu den USA ohnehin schon am Boden. „Der Unterschied zu SARS ist, dass damals keiner vorbereitet war“, kommentiert Börse-Guru Mark Mobius die „neue Grippe“. Und weiter: „In Mexiko haben die Verantwortlichen schnell reagiert – und deshalb bin ich auch optimistisch, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen gering sein werden.“ Aber selbst, wenn Volkswirte an die Lage in China 2003 zurückdenken, geben sie Entwarnung. Denn zu Zeiten von SARS brach zwar die Konsumentenstimmung drastisch ein – die Einzelhandelsumsätze hielten sich aber vergleichsweise gut. „Im Fall von SARS stellte sich heraus, dass die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft geringer waren als befürchtet“, so Julian Jessop von Capital Economics gegenüber Bloomberg. „Sobald der Ausbruch der Krankheit unter Kontrolle war, war ein starker wirtschaftlicher Rebound zu spüren“, schreiben die Volkswirte von Barclays in einem Report. Somit alles eitel Wonne in Mexiko? Ganz so einfach ist es nicht, schließlich ist der wirtschaftliche Ausgangspunkt ein anderer, viele Experten warnen davor, dass angesichts der ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage die Situation noch verschärft werden könnte. Denn auch ohne Grippe hätte Mexiko 2009 erstmals seit 2001 einen BIP-Rückgang hinnehmen müssen. Während aber die Regierung noch von einem Rückgang von 2,8 Prozent ausgeht, sieht das die Zentralbank schon anders. Sie rechnet mit einem Einbruch von 4,8 Prozent. Angesichts ihrer Schätzung eines BIP-Einbruchs von bis zu acht Prozent im ersten Quartal (nach einem Minus von 1,6 Prozent im letzten Quartal 2008 – jeweils zum Vorjahr), scheint der pessimistischere Ansatz zumindest nicht ganz unbegründet zu sein. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas wird vor allem von den USA mit nach unten gerissen – 80 Prozent der Exporte gehen schließlich dorthin. Und diese Ausfuhren brachen vor allem zu Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent zum Vorjahr ein, der März sah mit einem Minus von „nur noch“ 25 Prozent eine leichte Stabilisierung. Aber nicht nur die Exporte, auch der heimische Konsum leidet unter der gestiegenen Arbeitslosigkeit (4,76 Prozent im März), geringeren Überweisungen aus dem Ausland sowie sinkenden Reallöhnen. Die Folge: Die Einzelhandelsumsätze brachen im Februar um 8,6 Prozent ein – der stärkste Rückgang seit 13 Jahren. Experten vom Economist Intelligence Unit (EIU) rechnen damit, dass die Arbeitslosenquote 2009 die 6,5 Prozent-Marke erreichen wird, und dass es deshalb beim privaten Konsum frühestens im zweiten Halbjahr zu einer Stabilisierung kommen wird: Im Gesamtjahr soll daher der Konsum um 4,3 Prozent zurückgehen. Die Zentralbank hat auf den Einbruch der Wirtschaft mit einer weiteren Zinssenkung im April von 75 Basispunkten auf sechs Prozent reagiert, Analysten hatten nur mit 50 Basispunkten gerechnet. Eine langsam zurückgehende Inflation hätte diesen großen Schritt erlaubt, schreibt EIU. Zwar liegt die Teuerungsrate mit 6,04 Prozent immer noch deutlich über dem Zielwert von drei Prozent, aber zumindest ist sie von ihrem Dezember-Hoch von 6,53 Prozent schon wieder ein Stück entfernt. Dieser Trend soll sich fortsetzen, allgemein wird damit gerechnet, dass die Zinssenkungen eine Fortsetzung finden werden. Bloomberg-Schätzungen gehen davon aus, dass der Zinssatz zu Jahresende bei fünf Prozent liegen wird. Tourismus am Boden. Die große Frage ist aber, wie sich die „neue Grippe“ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken wird, denn die ist in den bisherigen Schätzungen noch gar nicht enthalten. Vor allem der Tourismus-Sektor wird heuer unter die Räder kommen, schenkt man den Worten von Tourismus-Minister Rodolfo Elizondo Torres Glauben: „Nahezu kein internationaler Tourist“ habe Mexiko seit Ausbruch der Grippe besucht, für das Gesamtjahr rechne er mit einem Einbruch der Einnahmen von 43 Prozent auf 7,58 Milliarden Dollar (nach 13,3 Milliarden Dollar 2008), erklärte er in einem Interview. Präsident Felipe Calderon versucht unterdessen, die Gemüter zu beruhigen: Abgesehen davon, dass es zu früh sei, Verluste, die das Virus verursacht, zu schätzen, wird es „einige Sektoren geben, die sich nahezu sofort wieder erholen werden“. Querschüsse gibt es von Finanzminister Agustín Carstens, der glaubt, dass sich das BIP infolge der Grippe zusätzlich um 0,3 bis 0,5 Prozent verschlechtern könnte. Bleibt zu hoffen, dass sich Mexikos Wirtschaft ähnlich schnell wie jene Chinas von den Grippe-Beschwerden erholt. Aber, und damit am Schluss wieder zurück zur Statistik: Die Konsumentenstimmung dürfte im April – dem Beispiel China aus dem Jahr 2003 folgend – auf ein neues Tief gefallen sein. mehr Investor…
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