
|
Dialog-backdrop Klimt-Meisterwerk ist erste Privatrestitution in ÖsterreichDas restituierte Klimt-Werk "Kirche in Cassone" wird mit einem Schätzwert von über zwölf Millionen Pfund bei Sotheby's versteigert. Restituierte Kunstwerke aus entzogenen Sammlungen sorgten bei internationalen Auktionen in den vergangenen Jahren immer wieder für großes Aufsehen. Zu den spektakulärsten Rückgaben gehörten etwa die fünf von der Galerie im Belvedere restituierten Klimt-Gemälde an die Ferdinand Bloch-Bauer-Erben im Jahr 2006. Der Verkauf der "Goldenen Adele" an Ronald Lauder um kolportierte 135 Millionen US-$ schrieb Geschichte. Es war das teuerste, jemals verkaufte Gemälde. In Österreich werden seit 1998 die Bestände der öffentlichen Museen und Sammlungen durchforstet, um während des NS-Regimes enteignete Kunst ihren rechtmäßigen Besitzern oder den Erben zurückzugeben. Bisher beschränkten sich die Restitutionen in Österreich auf Kunst aus öffentlichen Beständen. Jetzt kam es erstmals zu einer Restitution aus Privatbesitz. Offiziell spricht Sotheby's von einer europäischen Sammlung, ein Blick ins Werkverzeichnis weist das Gemälde aber als "österreichischen Privatbesitz" aus. Privatrestitution. Gustav Klimts "Kirche in Cassone", eines der wichtigsten Landschaftsbilder des Malers, wurde nach langen Verhandlungen mit dem privaten Sammler, in dessen Familie sich das Gemälde seit vielen Jahren befand, an den Großneffen des österreichisch-ungarischen Industriellen Viktor Zuckerkandl restituiert. Am 3. Februar wird das Werk als Höhepunkt der Auktion für Impressionismus und Klassischer Moderne bei Sotheby's in London versteigert. Den Schätzpreis gab Sotheby's mit über zwölf Millionen Pfund an. "Neben der Tatsache, dass es sich bei Kirche in Cassone um eine Ikone der österreichischen Kunst handelt, macht vor allem die Provenienz aus einer der bedeutendsten österreichischen Vorkriegssammlungen dieses Gemälde zu einem nicht nur kunstgeschichtlich, sondern vor allem historisch äußerst wichtigen Zeugnis", sagt Sotheby's Österreich-Chefin Andrea Jungmann. Das Bild entstand 1913 während eines Aufenthalts des Künstlers mit seiner Muse und Geliebten Emilie Flöge am Gardasee und gehört zur bekannten Serie der "See-Gemälde", die im Werk Klimts eine besondere Position einnehmen. In dieser Komposition spielt Klimt mit den beinahe "Monet-artigen" Wasserreflexionen. Die Wichtigkeit dieser Arbeit war wohl auch den ersten Besitzern dieses Werkes, Viktor und Paula Zuckerkandl, bewusst, zählten sie doch zu den großen Mäzenaten im Wien der Jahrhundertwende. Zuckerkandl gehörte zu den ersten Sammlern von Klimts Arbeiten. Viele davon, wie auch dieses Gemälde, erwarb er direkt vom Künstler. Als Viktor und Paula Zuckerkandl 1927 kinderlos verstarben, wurde ein Teil der umfassenden Sammlung verkauft und der andere Teil - darunter auch dieses Werk - innerhalb der Familie weitergereicht. "Kirche in Cassone" gelangte in die Sammlung von Viktors Schwester Amalie Redlich, die zusammen mit ihrer Tochter Mathilde 1941 nach Lodz deportiert wurde. Dort verliert sich ihre Spur. Nach dem Anschluss 1938 verfügte Amalie Redlich, dass ihre Gemälde bei einem Transportunternehmen in Kisten gelagert werden sollten. Sie bestach den Leiter des Unternehmens mit 2000 Reichsmark, um die Werke vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Jedoch fand Redlichs Schwiegersohn die Kisten 1947 nur noch leer vor. Erst später tauchte das Bild in einer Privatsammlung wieder auf. Obwohl das Gemälde vom jetzigen Besitzer in gutem Glauben erworben wurde und rechtlich keine Restitution erfolgen müsste, hat dieser zugestimmt, dass das Bild in der Frühlingsauktion angeboten werden kann. Preistreiber. Ein Verkauf restituierter Werke hat am Markt meist zu Wertsteigerungen für den Künstler geführt. Werke Klimts gehören mittlerweile zu den teuersten am Markt. Neben dem Verkauf der "Goldenen Adele" wurden die vier verbleibenden Werke aus dem Belvedere bei Christie's versteigert. Das Porträt von "Adele Bloch-Bauer II" erzielte knapp 89 Millionen US-$, "Birkenwald" 40 Millionen, "Apfel Baum I" 33 Millionen und "Häuser in Unterach am Attersee" 31 Millionen. Bereits im November 2003 verkaufte Sotheby's ein restituiertes Werk von Klimt, "Landhaus am Attersee", für 29 Millionen US-$. mehr Investor…
|
Top-Artikel
Rohstoff-Boom ist nur aufgeschobenNach dem ausgezeichneten Jahr 2009, in dem Rohstoffindizes um bis zu 50 Prozent... wirtschaftsblatt.at Service-Tools
|
Kommentare… Kommentar hinzufügen…