
|
Dialog-backdrop "Österreich ist ein bisschen langsamer als andere Staaten"Interview. Der WirtschaftsBlatt investor hat im Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte nachgefragt, wie es um die soziale Nachhaltigkeit der Unternehmen steht. Fazit: Verbesserungsbedarf! FactsZur PersonManfred Nowak, Prof. für internat. Recht und Menschenrechte
Der Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte wünscht sich ein stärkeres Engagement der heimischen Unternehmen beim Thema soziale Verantwortung. ZitiertManfred Nowak, Prof. für internat. Recht und MenschenrechteAndritz hat von Kunden keinen Druck und kümmert sich deshalb nicht um soziale Standards WirtschaftsBlatt: Herr Nowak, CSR, sprich Corporate Social Responsibility, ist ein Begriff, der von Unternehmen immer wieder zur Imagepflege missbraucht wird. Wie definieren Sie CSR? Manfred Nowak: Unternehmen haben neben der Profitmaximierung auch die Verantwortung, nachhaltig zu wirtschaften. Früher wurde darunter umweltverträgliches Handeln verstanden. Heute zählt auch die soziale Nachhaltigkeit dazu. Hier erfüllen Menschenrechte eine ganz wesentliche Funktion. Gerade weil große Unternehmen so viel Macht haben, meist mehr als Nationalstaaten, haben sie eine globale Verantwortung. Da geht es nicht um karitative Dinge. Menschenrechte sind nicht karitativ, sondern Rechte, denen Pflichten gegenüberstehen. Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Sozialdumping: Unternehmen müssen ihre Arbeiter davor schützen. Haben Unternehmen in Österreich in puncto CSR eine weiße Weste? Nein! Dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Natürlich rühmen wir uns hoch entwickelter Arbeitsstandards. In Österreich spielen aber eher Themen wie Diskriminierung von Migranten und Frauen - wir haben eine xenophobe Ausländerpolitik-,vielleicht auch Kinderarbeit in der Landwirtschaft eine Rolle. Das heißt, der Stellenwert von CSR ist nicht sehr hoch. Ich würde eher sagen, dass Österreich wie in vielen anderen Bereichen ein bisschen langsamer ist als andere Staaten. Das Wort Menschenrechte wird von Unternehmen nicht gerne gehört, da wird an Folter gedacht und nicht an soziale Nachhaltigkeit. Ich würde mir ein größeres Verantwortungsgefühl der Unternehmen wünschen. Auch jene, die sich CSR auf die Fahnen geschrieben haben, machen oft nur das Nötigste. Österreich schaut immer zuerst gerne, was die anderen machen, und wenn es zum guten Ton gehört, dann springt man auf den Zug auf. Wir sind beim Thema Menschenrechte nur selten Pioniere. Dabei schmücken sich Unternehmen immer häufiger mit sozialen Projekten. Ist das nicht auch CSR? Es kommt immer auf die Definition an, was man denn unter CSR versteht. Schauen Sie auf die Webpages der Unternehmen, Sie werden mit Sicherheit etwas zu CSR finden. Wenn es unter "ferner liefen" angesiedelt ist, dann sieht das eher nach Sponsoring aus. CSR gehört in die Vorstandsetage und in den Kernbereich der Unternehmen. Es kann sein, dass ein Bauunternehmen Kunst sponsert. Das ist schön, aber nicht CSR. Man muss von dem Gedanken wegkommen, dass CSR ein Gutmenschentum ist. Sondern? Es ist ein wesentliches Element der Risikoeinschätzung, aber auch der Risikominimierung. CSR ist nicht immer eine Win-win-Situation. Gerade Unternehmen, die in der Vergangenheit schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben, sind heute Vorreiter-weil sie mit starken Kursverlusten abgestraft wurden, von Konsumenten, Aktionären, Regierungen, auch von der öffentlichen Meinung. Haben Sie Beispiele? Shell in Nigeria in den frühen 90er-Jahren ist ein klassisches Beispiel. Da ging es nicht nur um das Umweltdesaster, sondern um schwere Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern. Shell hat sich auf die dortige Polizei und aufs Militär verlassen, die dann Arbeiter gefoltert haben. Jetzt ist Shell ein Vorreiter in der Erdölindustrie, was den Bereich Menschenrechte anbelangt. Oder die OMV. Die wurde im Sudan mitverantwortlich gemacht, dort ging es ebenfalls um Menschenrechtsverletzungen. Die OMV hat sich daraufhin aus dem Sudan zurückgezogen und dafür im Jemen sehr sozial und nachhaltig gearbeitet. Ruttenstorfer war die soziale Nachhaltigkeit ein großes Anliegen, das war bei ihm Chefsache. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass man nicht nur im Hauptsitz nachhaltig wirtschaftet, sondern auch in ärmeren Ländern Verantwortung übernimmt. In Billiglohnländern dürfte das aber schwer sein... Man muss natürlich aufpassen, dass die Spannen nicht so groß sind. Anständig sollten die Leute aber trotzdem verdienen. Wichtig sind auch die Zulieferer. Das Mutterunternehmen hat nämlich meist gute Standards. Problematisch wird es dann, wenn Konzerne lokalen Standards folgen und sich etwa in Bangladesch anders verhalten als in Österreich. Gibt es ein heimisches börsenotiertes Unternehmen, das bei CSR schlecht abschneidet? Da ist sicher Andritz zu nennen. Die haben sehr heikle Projekte und befinden, dass sie sich nicht um CSR-Standards kümmern müssen. Das Problem ist, dass grundsätzlich viel über Kundendruck bewirkt werden kann, da sind viele zu kriegen. Aber Baufirmen, die irgendwo große Infrastrukturbauten aufstellen oder die spezielle Sachen wie Turbinen für Wasserkraftwerke liefern, da gibt es keinen Kundendruck. Daher wird Andritz auch nicht aktiv. Wenn man dazu noch eine Alleinstellung am Markt hat, ist es noch einfacher. Dabei gilt Andritz als das erfolgreiche Paradeunternehmen schlechthin. Erfolgreich ja. In Bezug auf soziale Standards ist das Unternehmen allerdings ein Wahnsinn. Müsste da nicht von der Politik mehr Druck ausgeübt werden? Große Unternehmen werden in Österreich mit Samthandschuhen angefasst. Das ist nicht nur in Österreich so. Je höher die Staaten ihre Anforderungen setzen, desto mehr weichen Konzerne in Länder mit niedrigeren Standards aus. Wer soll ihnen dort Einhalt gebieten? Die Regierungen sind froh, dass transnationale Unternehmen Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen. In diesem Machtkampf sind die armen Staaten die schwächeren. Letztlich würden nur international direkt verbindliche Standards etwas bewirken. Wir unterstützen da die Forderung nach einem Weltgerichtshof für Menschenrechte. Vor dem europäischen Gerichtshof kann ich nur Staaten klagen. Seit wann gibt es die Idee? Seit 1947. Derzeit wird nur Krisenmanagement betrieben, um sich gegen die Diktatur des Finanzkapitalismus zu wehren. Die Globalisierung ist ökonomisch viel weiter fortgeschritten als auf der politischen Ebene. Das ist eine gefährliche Kluft, für die wir globale Strukturen brauchen. Dazu kommt, dass Menschenrechte noch lange nicht den Stellenwert haben, den sich der Umweltschutz seit den 90er-Jahren erkämpft hat. Wir brauchen eine rechtliche Durchsetzbarkeit. Auf freiwilliger Basis wird das nicht funktionieren. Kommentare… Kommentar hinzufügen…mehr Investor…
|
Top-Artikel
Facebook-Aktie: Ab wann können Österreicher investieren?IPO. Kaufen kann man die Facebook-Aktie als heimischer Anleger ab Freitag um 15:30... wirtschaftsblatt.at Service-Tools
UmfrageSollen Manager Aktien eigener Unternehmen kaufen? |
4 Kommentare
Etikette-Schwindler in Österreich
In Bereich der SCR spielen viele Schwindler in Österreich mit. Nicht die kleinere, sondern die großen Globalplayer wie Siemens. Da werden die geschützten Behinderte per Gesetzlücke gekündigt, ja man sagt "einvernehmlich Arbeitsvertrag gelöst" im Sinne der Firma, natürlich mit mehr Abfertigung. Endeffekt werden die Sache für die Firma viel billiger. Die daraus gewonnene Profite sind zwar in der EBIT so klein und nicht wahrnehmbar, aber das macht man einfach aus Prinzip der ökonomischen Nachhaltigkeit. SCR ist für Betriebswirte keine Pflichtveranstaltung.
Von Gast: Gast: ASVG-Sklave am 19.12.2011 um 10:10
Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten
epic fail
Ich finde es verfehlt mit keinem Wort die zu erwaehnen, die nicht in das "Risikomanagement" der Konzerne fallen zB Bin Laden, war das vielleicht ein unzufriedener Kunde, ach so der ist dann doch in das Risikomanagement gefallen. Sonst aber niemand, weil die Gedanken und Prozeduren die Risken auslagern und nicht loesen.
Von Gast: Gast: so etwas am 18.12.2011 um 12:41
Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten
Re: die ueberschrift darf nicht leer sein
jedenfalls sieht man daran, dass sogar fachautoren zu korrupt sind und beidhaendig einstecken, daher bitte titel und macht entziehen und um 350 EUR/monat leben lassen, gerne in afghanistan. nach 10 jahren dann wieder so ein artikel. der passt dann fachlich und menschlich, wenn man annehmen darf, dass die nazierziehung hier die bestrafung in dem ueberwiegendem anteil der leute als positiv fundiert hat.
Von Gast: Gast: so etwas am 18.12.2011 um 13:19
Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten
Re: epic fail 2
Von Gast: Gast: so etwas am 18.12.2011 um 13:15
Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten