von Daniela Friedinger | 30.01.2012 | 10:56
„Silver Bullet gegen Krise gibt es nicht“
Eurokrise. Deutsche Bank-Chefökonom, Stefan Schneider, ortet steigendes Vertrauen der Märkte
Deutsche Bank-Chefökonom Stefan Schneider: Springt die Konjunktur an, profitieren auch Fußkranke wie Ungarn
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Stefan Schneider, Chefökonom Deutsche Bank
Mittelfristig spielt die Musik in Emerging Markets; Osteuropa zählt dazu
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Zur Person
Stefan Schneider, Chefökonom Deutsche Bank
Der 1960 geborene Volkswirt leitet seit 2000 die Abteilung Makro-Trends der Deutsche Bank Research in Frankfurt. Zuvor arbeitete er u. a. für das Nomura Research Institute in London, war Chefökonom von Nomura in Deutschland und Chefökonom der Bank Paribas.
WirtschaftsBlatt: Herr Schneider, erst kürzlich haben Weltbank und IWF ihre Prognosen deutlich nach unten korrigiert und der Eurozone 2012 eine Rezession vorhergesagt. Ist diese bereits unausweichlich?
Stefan Schneider: Wir hatten eine leichte Rezession für die Eurozone schon Ende 2011 prognostiziert. Aber die jüngsten Daten stellen die Situation etwas freundlicher dar. Der Ifo-Index stieg dreimal hintereinander, und auch für die sich selbst verstärkende Abwärtsspirale aus Konsolidierung einerseits und geringem Wachstum andererseits gibt es derzeit keine Anzeichen.
Heißt das, es gibt Entwarnung?
Natürlich wird es nicht einfach werden, wenn alle Länder gleichzeitig Konsolidierungsprogramme auflegen. Im ersten und zweiten Quartal sehen wir schon ein Minus und vielleicht war auch schon das vierte Quartal 2011 im Minus, es gibt also eine leichte Rezession im Winterhalbjahr.
Stimmen Sie mit Ihrem Wirtschaftsminister Philipp Rösler überein, dass Deutschland der Rezession entgehen kann?
Wir haben in unserer Prognose für die Eurozone im Gesamtjahr minus 0,5 und bei Deutschland null Prozent stehen. Es gehen ja 40 Prozent der deutschen Exporte in die Eurozone, und auch das nach wie vor schwächelnde Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner. Doch wir sind insgesamt für Deutschland optimistisch, weil Überschuldung und andere Ungleichgewichte, die das Wachstum hemmen, kein Thema sind. Was jetzt in vielen Euroländern ansteht, Liberalisierung der Arbeits- und Produktmärkte und Budgetkonsolidierung, hat Deutschland in den vergangenen zehn Jahren alles schon gemacht.
Sie sprechen von einer Rezession der Eurozone im Winterhalbjahr. Was stimmt Sie für die Zeit danach zuversichtlich?
Wenn ich mir die Entwicklung der Spreads in den letzten vier bis sechs Wochen anschaue, dann hat sich auch die Stimmung an den Finanzmärkten verbessert. Sie haben erkannt, dass es kein „Silver Bullet" zur Lösung der Schuldenkrise gibt. Doch mehrere Faktoren, darunter vertrauensstiftende Maßnahmen der Politik, Stichwort Fiskalpakt, schaffen eine mosaikartige Verbesserung. Dazu können die Emerging Markets einiges kompensieren.
Die Weltbank hat allerdings auch für diese ihre Prognosen deutlich zurückgenommen.
Hier sind wir weniger pessimistisch. China etwa hat im Verlauf des Jahres 2011, als die Konjunktur gut lief, die Zinsen angehoben. Dadurch hat es jetzt die Möglichkeit, durch etwas lockerere Geldpolitik einer Abflachung gegenzusteuern. Den Tiefpunkt sehen wir im ersten Quartal mit acht Prozent Wachstum in China.
War es aus Ihrer Sicht gerechtfertigt, dass Standard & Poor's kürzlich unter anderem Österreich und Frankreich das Triple A entzogen hat?
Meiner Ansicht nach bringt es wenig, jetzt auf die Ratingagenturen hinzuhauen. Natürlich gibt es große Schuldenstände, und dass die Schuldenbremse in Österreich keinen Verfassungsrang hat, war auch kein Vertrauensbeweis.
Oft wird in dem Zusammenhang auch das starke Ost-Engagement Österreich genannt. Sehen Sie darin ein Risiko?
Dass es ein Risiko ist, hat sich bereits gezeigt. Aber mittelfristig wird die Musik in den Emerging Markets spielen. Osteuropa gehört zu ihnen.
Auch Ungarn?
Dort gibt es wegen der vielen Schweizer-Franken-Kredite Sondereffekte. Aber wenn die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte anzieht, werden auch die Fußkranken profitieren.
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