Dienstag, 22. Mai 2012 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

„Die Mischung macht es aus“

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Erich Pöltner | 26.09.2010 | 14:15

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

„Die Mischung macht es aus“

Herbert Lechner, Geschäftsführer der Austrian Energy Agency, hofft auf Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger, um den wachsenden Energiehunger zu stillen.

WB/Foltin

Herbert Lechner sieht die Lösung der energiepolitischen Probleme im Mix der verfügbaren Energieträger und Technologien

WirtschaftsBlatt: Prognosen, die ähnlich hohe Energiepreise wie vor der Krise vorhersagen, mehren sich. Teilen Sie diese Einschätzung?
Herbert Lechner: Das hängt sehr stark von der Wirtschaftsentwicklung ab. Sollte die Konjunktur weltweit wieder anspringen, ist ein deutlicher Preiseffekt zu erwarten. Wie stark dieser ausfallen wird, hängt nicht zuletzt von der Geschwindigkeit der Erholung ab. Denn während der Wirtschaftskrise sind die Investitionen im Energiesektor zurückgefahren worden. Erfolgt die Erholung und damit der Nachfrageanstieg zu schnell, kann die Angebotsseite nicht mithalten und die Preise steigen stärker.

Wird der kommende Nachfrageüberhang angesichts des nahenden absoluten Ölfördermaximums ohne massive Preisanhebungen abzufangen sein?
Die Peak-Oil-Debatte geht am Kern des Problems vorbei. Denn ob das Fördermaximum bereits erreicht ist oder ob das erst in ein paar Jahren der Fall sein wird, ist letztlich egal: die fossilen Ressourcen sind auf jeden Fall endlich und der Einsatz fossiler Energieträger muss aus Klimaschutzgründen ohnedies zurückgefahren werden. Noch werden auch fossile Alternativen zu Öl und Erdgas erschlossen – Stichwort Ölsande in Kanada, Shale-Gas in den USA. Um dieses Problem aber wirklich in den Griff zu bekommen, führt letztlich kein Weg an der Frage nach der Energieeffizienz einer Gesellschaft vorbei. Denn eine höhere Energieeffizienz schont nicht nur die Ressourcen, sondern bringt Wettbewerbsvorteile und hilft dem Klimaschutz.

Kann letztlich nicht einzig der Umstieg auf erneuerbare Energieträger Abhilfe schaffen?
Sicherlich, aber das bedeutet einen tiefgreifenden Umbau des Energiesystems und das braucht Zeit. Die Umsetzung der österreichischen Energiestrategie bis 2020 wird in diese Richtung schon einiges bringen.

Kann der massive Nachfrageschub nach fossiler Energie in den Emerging Markets durch die Maßnahmen im Westen aufgefangen werden?
Nein, kurzfristig wird das problematisch. Mittel- und langfristig werden aber auch die Schwellenländer Verbrauch und Effizienz anpassen müssen, damit energie- und klimapolitische Probleme im globalen Maßstab gelöst werden können. 

Kann ein Technologietransfer helfen, Energieeffizienz und ­erneuerbare Energieträger in diesen Ländern zu fördern?
Ja, dieser Technologietransfer ist notwendig und findet auch längst statt: Neue Kraftwerke und Industrieanlagen werden in diesen Ländern nach neuestem Stand der Technik errichtet und brauchen sich punkto Energieeffizienz nicht zu verstecken. Nichtsdestotrotz wird der Energieverbrauch dort angesichts des hohen Wirtschaftswachstums trotz gestiegener Energieeffizienz weiter wachsen. Für den Westen ist dieser Technologietransfer aber nicht ohne Risiken: Man braucht sich nur das Beispiel Photovoltaik vor Augen führen, wo sich China innerhalb weniger Jahre an der deutschen Industrie vorbei zum Weltmarktführer emporgeschwungen hat. Zuvor hat Deutschland China noch unterstützt, nun ist der deutschen Solarindustrie ein mächtiger Gegner erwachsen, der ihnen immer mehr Marktanteile abnimmt. Einige Experten halten sogar den Standort Deutschland für gefährdet.

Kann Atomkraft den Energiehunger der Welt lindern?
Atomkraft ist ein Auslaufmodell. Die Diskussion dreht sich in Europa im Wesentlichen nur um Laufzeitverlängerungen. Zwar ist vielerorts auch von Neubauten die Rede, deren Realisierung ist aber fraglich. Denn der Bau von AKWs ist sehr kapitalintensiv und von staatlichen Garantien abhängig. Die Wirtschafts­krise hat die Finanzierung sicherlich nicht leichter gemacht. Den Mehrbedarf an Energie wird die Atomkraft nicht ­decken können.

Wie ist der Teufelskreis aus steigendem Energiebedarf, knapper werdenden Ressourcen und klimapolitischen Notwendigkeiten zu durchbrechen?
Dazu braucht es ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Die Energieeffizienz hat den größten Hebel und muss in allen Sektoren signifikant verbessert werden. Innovative Technologien erleichtern auch den Umstieg auf alternative Energieträger, im Verkehrsektor etwa Elektromobilität, Biotreibstoffe der zweiten Generation und Biogas als Treibstoff. Mit einer konsequenten Energie- und Klimapolitik ist enorm viel zu erreichen.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

1 Kommentar

Energieeffizienz ist wichtig,

aber nicht mit Energiesparen gleichzusetzen. Man muss hier unterscheiden. Energieeffizienz führt nicht unbedingt zu weniger Energieverbrauch, da die durch Effizienz eingesparte Energie, dann bevorzugt woanders verbraucht wird. Habe ich eine effiziente Heizung, kann ich mir doch getrost eine Klimaanlage leisten. Um hier wirklich etwas zu erreichen, muss auch tatsächlich Energie gespart werden. Das bedeutet nicht zwingend einen Lebensqualitätsverlust, im Gegenteil. Sparsamer Umgang mit Energie bedeutet mehr Aufmerksamkeit auf die tatsächlichen Bedürfnisse, darauf, was tatsächlich wichtig ist. Um der Bevölkerung das Energiesparen aber schmackhaft zu machen, ist die Regierung gefragt. Hier braucht es gezielte Ansätze und Maßnahmen, die dieses Thema aufgreifen und die Bevölkerung in einem essentiellen Umdenken unterstützen. Auch die Wirtschaft ist hier gefragt, sowohl in der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen als auch darin, den Konsumenten im Umdenken zu unterstützen.

Von Gast: Gast: Mehrwert am 28.09.2010 um 11:56

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

mehr Rohstoffe & Währungen…

WELTWÄHRUNGEN

EUR/USDEUR/JPY
EUR/CHFEUR/GBP
Goldpreis in $ / Unze

[Most Recent Quotes from www.kitco.com]