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Das unglaubliche Comeback der russischen MiG

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von André Ballin | 14.04.2010 | 20:32

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Das unglaubliche Comeback der russischen MiG

Der russische Flugzeugbauer MiG fliegt aus dem Tal der Tränen. Nach Schulden und Verlusten steht MiG dank staatlicher Hilfe und Auslandsaufträgen nun vor dem Produktionsausbau.

bloomberg

Facts

Chronik
8. Dezember 1939 Gründung des Konstruktionsbüros Mikojan i Gurewitsch in Moskau.

5. April 1940 Jungfernflug der MiG-1; erstes Jagdflugzeug des Konstruktionsbüros.

14. Juni 1956 Jungfernflug der MiG-21, meistgebauter Jagdflieger der Welt.

Juni 1983 Die MiG-29 wird in Dienst gestellt.

Moskau. Seit vier Jahren gehört der Flugzeugbauer MiG dem staatlichen russischen Luftfahrtkonsortium OAK an. Gemeinsam mit den Fliegern von Suchoi sind MiG-Kampfjets das Aushängeschild der Rüstungsproduktion von OAK.

Dennoch geriet MiG während der Krise in heftige finanzielle Turbulenzen. Im Herbst 2008 hatte sich der Schuldenberg des Traditionsunternehmens auf umgerechnet 1,3 Milliarden € angehäuft. Im gleichen Jahr erzielte der Betrieb einen Verlust von gut 100 Millionen €.

Zudem stand das Unternehmen im Mittelpunkt eines Skandals: Algerien hatte 15 Kampfjets vom Typ MiG-29 als untauglich nach Russland zurückgeschickt. Im Dezember 2008 stürzte zu allem Unglück noch eine MiG-29 nach dem Bruch eines Heckleitwerks hinter dem Baikal ab. Der Pilot, Oberst Walerjan Koparjow, kam ums Leben.
Premier Wladimir Putin schimpfte daraufhin bei einem Werksbesuch, dass MiG „bei der Qualität der Produktion ernsthafte Schlussfolgerungen ziehen“ müsse. Ein heftiger Schuss vor den Bug für den  renommierten Konzern.

Rüstungslobby hilft

Doch immerhin versprach Putin bei seinem Besuch auch Hilfe. Die Rüstungslobby in Moskau ist stark. Mit Vize-Premier Sergej Iwanow ist einer der engsten Vertrauten Putins ihr Vertreter. 
Waffen gelten zudem neben Öl und Gas als einziger echter Exportschlager Russlands. Neben Kalaschnikows und Raketenabwehrsystemen sind vor allem Kampfflugzeuge im Ausland gefragt.
Darum stockte die Regierung dann auch das MiG-Stammkapital mit Hilfe zweier Tranchen um insgesamt 750 Millionen € auf.

Das russische Verteidigungsministerium sprang als Auftraggeber ein, kaufte MiG die von Algier zurückgewiesenen Flieger ab und bestellte gleich 19 weitere Maschinen. Der Auftrag über gut 600 Millionen € brachte MiG die nötige Sicherheit.

So konnte der Kampfjet-Produzent seine Schulden in der Zwischenzeit halbieren. Speziell die Alfa-Bank, in Russland nicht nur wegen ihrer harten Haltung gegenüber dem verschuldeten und zahlungsunwilligen Milliardär Oleg Deripaska als unangenehmster Gläubiger bekannt, wurde ausbezahlt.

Derzeit schuldet MiG noch einigen Zulieferern Geld. Kredite der staatlichen Sberbank und einiger kleinerer Privatbanken wurden restrukturisiert und drücken das Unternehmen nicht länger.

Neue Aufträge

Wichtig für das Unternehmen war zudem die wieder anspringende Konjunktur auf dem Rüstungsmarkt. Gleich eine Reihe von Großaufträgen konnte das Unternehmen an Land ziehen. Der Auftragsbestand heuer liegt bei fünf Milliarden €.

Neben dem eigenen Verteidigungsministerium gibt es vor allem aus Asien Aufträge für die MiG-29. Myanmar hat 20 MiG-29 im Wert von 400 Millionen € bestellt. Indien, seit einiger Zeit der wichtigste Waffenpartner der Russen, will seine Marineflieger mit 29 MiG-29K/KUB (Ein- bzw. Zweisitzer, der auf einem Flugzeugträger eingesetzt werden kann) ausrüsten. Der Vertrag bringt den Russen gut eine Milliarde € ein.

Fast ebensoviel kommt durch die Modernisierung von 63 schon zu Sowjetzeiten an Delhi gelieferten MiGs zusammen. Auch Kasachstan erneuert seine alte Luftflotte mit russischer Hilfe. Mit der Slowakei wird über eine Modernisierung der dort stationierten zwölf MiG-29 verhandelt.

Auf diese Weise könnte der Auftragsbestand für die MiG-29 bald bei 100 Stück liegen, vermutet Konstantin Makijenko, Experte am „Zentrum für die Analyse von Strategien und Technologien“ in Moskau. Damit wäre die Wiederaufnahme der Produktion in Großserie wieder nötig. Dies war zuletzt zu Sowjetzeiten der Fall, erinnert der Experte.

Nebenbei dürfte dabei Geld für die Weiterentwicklung der MiG-35 abfallen. Der Kampfjet der neuen Generation muss sich im internen Konkurrenzkampf dem Mehrzweckjäger Suchoi T-50 stellen, der erst Ende Jänner seinen Jungfernflug in Komsomolsk am Amur hatte.

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