Die serbische Regierung, die seit Tagen bemüht ist, einen Kompromiss für die Lohnforderungen der landesweit streikenden Lehrer zu finden, ist mit einem weiteren Protest konfrontiert. Etwa 13.000 serbische Polizisten, das sind ein Viertel aller Ordnungshüter, sind ab dem heutigen Donnerstag im Streik. Verlangt wird eine 40-prozentige Lohnerhöhung.
Nach Worten von Velimir Barbulov, dem Leiter der Unabhängigen Polizistengewerkschaft, würden die streikenden Ordnungshüter entsprechend den gesetzlichen Regelungen nur "Dienst nach Vorschrift" leisten. Ein Polizeieinsatz sei nur im Falle einer öffentlichen Ordnungsstörung größeren Ausmaßes zu erwarten, präzisierte Barbulov.
In der Öffentlichkeit wurde dem einigermaßen unerwarteten Polizistenstreik bereits ein politischer Hintergrund nachgesagt. Für Samstag wurde in Belgrad ein Großprotest der führenden oppositionellen Serbischen Fortschrittlichen Partei (SNS) von Tomislav Nikolic einberufen. Die SNS rechnet den Umfragen zufolge derzeit mit einer 30-prozentiger Unterstützung und hat ungefähr so viele Anhänger wie die regierende Demokratische Partei (DS) von Präsident Boris Tadic.
Mit der Protestkundgebung in der Hauptstadt will die SNS einigen Ankündigungen zufolge ihre Stärke demonstrieren und ihrer Forderung nach einer vorgezogenen Parlamentswahl Gewicht verleihen. Der SNS-Chef Nikolic wollte am Donnerstag keine Angaben darüber machen, wie viele Anhänger er zur Kundgebung erwartet. Laut dem Sender B-92 hatte die SNS der Polizei etwa 10.000 Kundgebungsteilnehmer angekündigt.
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