von Sissi Eigruber, Manfred Mader | 22.07.2008 | 20:29
Deutsche froh, Tschechen bereit für Streiks
Deutsche Gewerkschaftsvertreter und die Siemens-Unternehmensleitung haben sich am Mittwoch über die Vorgangsweise beim geplanten Stellenabbau geeinigt: Der Konzern will in Deutschland auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Der Personalabbau soll unter anderem durch Altersteilzeitregelungen und freiwillige Auflösungsverträge erfolgen.
Mitarbeiterversammlung im Prager Siemenswerk
München/Prag. An den Zahlen ändert das nichts. Wie berichtet will Siemens weltweit 17.000 Arbeitsplätze abbauen, davon rund 5250 in Deutschland, 500 in Österreich. Dadurch sollen bis 2010 1,2 Milliarden € eingespart werden.
Schließung in Prag?
Siemens rückt laut IG Metall auch von seinen Plänen ab, das Segment Industrie Montage Services (SIMS) zu verkaufen. In der Verkehrstechniksparte "Mobility" werde zwar kein deutscher Standort geschlossen, der Stellenabbau sei aber fix.
Aber nicht nur die deutschen Siemens-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs, auch in Tschechien zittern die Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz. Siemens ist dort mit rund 18.500 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber.
Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, dass statt Werken in Deutschland die Produktionsstätte Kolejova Vozidla in Prag-Zlicin mit 1100 Mitarbeitern geschlossen werde könnte. "Siemens hat uns bisher nicht informiert. Das ist inakzeptabel", sagt dazu Josef Stredula vom größten tschechischen Gewerkschaftsverband Kovo im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt. Die Belegschaft sei streikbereit. Bereits am Montag wurde die Arbeit für eineinhalb Stunden niedergelegt. Eine Schließung des Werkes wäre eine politische Entscheidung, denn die Situation des Werks in Prag sei gut, so Stredula.
Auch in Österreich, wo rund 500 Jobs wegfallen sollen, ist man von einer Lösung noch weit entfernt. In der Vorwoche präsentierten die einzelnen Bereichsverantwortlichen den Betriebsräten die Sparpläne im Detail. "Wir werden jetzt jeden einzelnen Einsparungsposten unter die Lupe nehmen", so Betriebsratchef Fritz Hagl. Auch Streiks seien möglich.
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