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Schweizer Bahn stellt Güterverkehr neu auf

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04.02.2010 | 14:37

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Schweizer Bahn stellt Güterverkehr neu auf

Nachdem die Güterverkehrssparte der Schweizer Bahn, die SBB Cargo, bei der Partnersuche erfolglos war, ergreift sie die Flucht nach vorn: Eine neue Tochtergesellschaft soll sie aus den roten Zahlen bringen. Vor allem Kunden in der Schweiz dürften stärker zur Kasse gebeten werden. Auch sollen Stellen gestrichen werden. Kern des neuen Weges der SBB Cargo ist eine neue Aufteilung der beiden Geschäftsbereiche Schweiz und International. Bisher waren diese nach territorialen Kriterien getrennt, boten aber die gleichen Leistungen an.

Künftig soll die SBB-Tochter anhand ihres Produktportfolios in die Bereiche Schweizer Wagenladungsverkehr (WLV) und internationaler Ganzzugsverkehr aufgeteilt werden. Der Kombinierte Verkehr auf der Nord-Süd-Achse wird in eine separate Gesellschaft mit dem Arbeitstitel "SBB Cargo International" ausgegliedert. Der Grund für die neue Aufteilung liegt in der unterschiedlichen Struktur der beiden Geschäftsfelder, wie SBB-Chef Andreas Meyer am Donnerstag vor den Medien in Bern sagte. Der Kombinierte Verkehr auf der Nord-Süd-Achse sei ein niedermargiges Liniengeschäft, während der WLV auf einer komplexen Netzwerkstruktur basiere.

Bisher habe der Kombinierte Verkehr den WLV mitfinanziert, was mit ein Grund für die von Beginn weg roten Zahlen von SBB Cargo gewesen sei. Mit der Überführung in eine separate Gesellschaft werde dies nicht mehr der Fall sein, führte Meyer aus. Die neue Tochter werde dank schlankeren Strukturen und Prozessen kostengünstiger produzieren können. "Bündelung der Schweizer Kräfte", nennt der SBB-CEO den neuen Weg.

Konkret will sich die SBB Cargo im internationalen Ganzzugsverkehr auf die Rolle als Traktionär auf der Nord-Süd-Achse von den Nordseehäfen bis nach Norditalien konzentrieren. Insbesondere im Transport von Containern und Wechselbehältern wird sie Loks und Wagen zur Verfügung stellen, für deren Auslastung die Kunden - die Operateure - besorgt sein müssen. Loks und Lokführer soll die Gesellschaft von SBB Cargo mieten, wie Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi ausführte. Allgemein soll der Apparatebestand auf einem Minimum gehalten werden.

Mit Hupac, dem grössten Schweizer Kombi-Operateur, laufen derzeit Gespräche über eine Beteiligung an SBB Cargo International. Welchen Umfang diese haben wird, wollte Meyer nicht sagen. Die SBB werde aber die Mehrheit an der Gesellschaft halten.

Im Schweizer WLV wird die SBB Cargo hingegen auch weiterhin ein vollständiges Prouduktportfolio mit eigenem Rollmaterial für den Transport von Einzelwagen, Wagengruppen und Ganzzügen anbieten. "Standardisierung und Optimierung" heissen hier die Stichworte.

Den Kunden wird demnach künftig ein Standardpaket von Leistungen angeboten. Wer mehr möchte, muss die zusätzlichen Leistungen bezahlen. Meyer: "Wer Luxus will, muss auch Luxus bezahlen."

In Einzelgesprächen mit den Kunden soll nun sondiert werden, welche Leistungen sie wünschen und wieviel sie zu bezahlen bereit sind. Sollten in bedeutenden Fällen keine für beide Seiten befriedigenden Lösungen gefunden werden, muss der Bund entscheiden, ob Subventionen nötig sind.

Ziel der SBB ist es, dass der Schweizer WLV bis Ende 2013 ein positives Ergebnis erzielt, das auch die notwendigen Reinvestitionen in Rollmaterial und den Finanzaufwand abdeckt.

Mit der neuen Aufteilung von SBB Cargo schiebt die SBB der bisher angestrebten internationalen Partnerschaft laut Meyer den Riegel. Das Kartellrecht verhindere eine Beteiligung etwa der Deutschen Bahn an SBB Cargo International. Und im WLV sei eine internationale Partnerschaft "auf lange Zeit" aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin unwahrscheinlich.

Keinen Hehl macht die SBB-Spitze daraus, dass die Umgestaltung von SBB Cargo einen Stellenabbau nach sich ziehen dürfte. Um wie viele Stellen es geht, ist noch unklar. Details sind für den Sommer zu erwarten. Zurzeit beschäftigt SBB Cargo 4400 Mitarbeitende in der Schweiz, in Deutschland und Italien.

(APA/sda)

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