Briten übernehmen Kontrolle bei Pharmahändler Anzag
Der britische Pharmahändler Alliance Boots sichert sich einem Zeitungsbericht zufolge die Mehrheit am deutschen Konkurrenten Anzag. Die bisherigen Anzag-Miteigentümer Celesio, Phoenix und Sanacorp würden ihre Aktienpakete an den britischen Konzern verkaufen, dessen Anteil somit von circa 30 auf knapp 80 Prozent steige, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" (Samstagausgabe) unter Berufung auf Branchenkreise. Der Verkauf solle Anfang nächster Woche öffentlich bekanntgegeben werden.
Bei Anzag und Allianz Boots, das vom US-Finanzinvestor KKR beherrscht wird, war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Kreisen zufolge liefen die Gespräche über einen Verkauf der Anzag-Anteile schon längere Zeit. Am Freitag sagte ein Branchenvertreter, sie seien nun in der heißen Phase. Ein anderer Insider hatte erklärte, schon in den nächsten Wochen könne eine Entscheidung fallen.
Celesio, Phoenix und Sanacorp sind Konkurrenten des Frankfurter Anzag-Konzerns. Sie hatten mehrere Versuche des Alliance-Boots-Vorgängers Alliance Unichem abgewehrt, in den abgeschotteten deutschen Pharmagroßhandel einzudringen. Im August signalisierte dann Celesio-Chef Fritz Oesterle jedoch erstmals Verkaufsbereitschaft und brachte damit die Abwehrfront ins Wanken. Die gerade den Wirren nach dem Freitod ihres Großaktionärs Adolf Merckle entronnene Phoenix schien ebenfalls verkaufsbereit. Sanacorp aus Planegg bei München erklärte, es habe grundsätzlichen keine Bedenken gegen einen Verkauf seiner Anteile.
Anzag hat in seinem Ende August abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 seinen Betriebsgewinn auf rund 40 Millionen Euro fast verdoppelt. Der Umsatz kletterte in diesem Zeitraum um sieben Prozent auf 4,2 Milliarden Euro.
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