Die brisanten Daten, die nun zahlreichen deutschen Steuersündern zum Verhängnis werden könnten, haben offenbar eine kompliziertere und bewegtere Vergangenheit als bisher angenommen.
In ersten Meldungen zum Steuerskandal war von einem ehemaligen Mitarbeiter einer Bank in Liechtenstein die Rede, der bereits vor Jahren Erpressungsversuche mit gestohlenen Daten getätigt hatte. Nachdem der österreichische Staatsbürger gefasst wurde, er sitzt demnach heute noch in österreichischer Haft, haben Komplizen mit den Daten weitere Erpressungsversuche unternommen.
Die nunmehr in deutscher Hand befindlichen Daten stammen aber nach Angaben des "Wall Street Journal" aus eine anderen Quelle. Wie die Zeitung unter Berufung auf die Steuerbehörde in Liechtenstein berichtet, ist Heinrich Kieber (für ihn gilt die Unschuldsvermutung), ein ehemaliger Beschäftigter der LGT Gruppe, die Quelle der Daten. Und dieses Wissen existiert in Liechtenstein offenbar bereits seit längerem.
Kannte Liechtenstein die Datenquelle?
Der Liechtensteiner Staatsbürger war demnach nach dem Jahr 2000 in einen Fall von Immobilienbetrug verwickelt. Im Zuge der Ermittlungen drohte Kieber, sensible Daten über tausende von Kunden der LGT-Bank zu veröffentlichen, sollte er keine neue Identität samt Pass erhalten. Ein Deal, auf den die Behörden in Liechtenstein laut "Wall Street Journal"-Artikel zwar nicht eingingen, allerdings wurde Kieber 2004 unter Aufrechterhaltung der Beschuldigungen auf freien Fuß gesetzt. Die Behörden waren demnach der Meinung, Kieber habe alle Daten an die LGT zurückgegeben. Eine Vermutung, die wohl allzu blauäugig gewesen sein dürfte.
Heute geht man davon aus, dass Kieber, der derzeit in Australien vermutet wird, die Daten weiter verwendet hat. Es dürfte sogar einen regelrechten "Beauty Contest" gegeben haben. Kieber soll die Daten in den letzten eineinhalb Jahren Steuerbehörden auf mehreren Kontinenten inklusive den USA angeboten haben. Die deutschen Behörden haben mit einem Kaufpreis von geschätzten 4,2 Millionen Euro offenbar den "Zuschlag" erhalten.
In Liechtenstein hält man sich zu diesen konkreten Angaben bedeckt. Die LGT bestätigt lediglich, dass die Daten der LGT Treuhand AG 2002 gestohlen wurden und der dafür verantwortliche Mitarbeiter nicht mehr im Unternehmen ist. Gleichzeitig dürfte die LGT bereits seit letztem Sommer über die Versuche informiert sein, dass die Daten "versilbert" werden sollten.
Staatsbesuch der besonderen Art
Pikanterie am Rande: Zu Mittag ist der Liechtensteiner Regierungschef Otmar Hasler zu einem bereits länger geplanten Besuch in Berlin eingetroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits angekündigt, mit Hasler über die Vermeidung von Steuerbetrug mit Hilfe von Banken des Fürstentums zu sprechen.
Hasler werde in Berlin darauf hinweisen, "dass wir uns wirklich Mühe geben wollen, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten, soweit es die Gesetze und Abkommen ermöglichen, die wir unterzeichnet haben", sagte der Botschafter des Fürstentums, Prinz Stefan von und zu Liechtenstein. "Wir haben uns ganz sicher nichts vorzuwerfen." Gleichzeitig trifft man im Fürstentum jedoch Maßnahmen, um das umstrittenes Stiftungsrecht zu reformieren.
In Deutschland ist jedenfalls zu hören, dass die Steuerbehörde noch mehrere Wochen lang Hausdurchsuchungen vornehmen will.
(ekh)