
|
Dialog-backdrop An den Hebeln der BörsemachtMittels einer neuen Kombination mathematischer Verfahren haben Schweizer Netzwerkanalytiker die einflussreichsten Aktiengesellschaften der Welt ermittelt. Deren Großaktionäre sitzen an den Hebeln der Börsemacht, auch wenn diese zuletzt weniger wirksam wurden. Das Ranking der MachtDie einflussreichsten Aktientrader der Welt1.) The Capital Group Companies (USA/36)
2.) Fidelity Management & Research (USA/32) 3.) Barclays PLC (GB/26) 4.) Franklin Resources (US/25) 5.) AXA (FR/22) 6.) JP Morgan Chase & Co. (US/19) 7.) Dimensional Fund Advisors (US/15) 8.) Merrill Lynch & Co. (US/14) 9.) Wellington Management Comp. (USA/14) 10.) UBS (CH/12) Die Zahl in Klammer gibt an, in wie vielen der 48 nationalen Börsemärkten das jeweilige Unternehmen zu den "Backbone"-Konzernen zählt.
Die Top Ten der an den globalen Börsen einflussreichsten Konzerne kommen, wenig überraschend, großteils aus den USA. Angeführt werden sie von der Capital Group Companies und Fidelity Management & Research, beide aus den USA. Auf Platz drei liegt mit Barclays der erste europäische Konzern. Während unter den Top Ten sieben US-Konzerne unangefochten rangieren, gehören die Plätze elf bis 20 den europäischen Konzernen. Die beiden Physiker James Glattfelder und Stefano Battiston von der ETH Zürich hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das „Rückgrat" der Weltbörsemärkte zu identifizieren, jene Konzerne, die weltweit den größten Einfluss durch Veränderungen durch Aktientransfers ausüben. Zahlreiche wirtschaftswissenschaftliche und mathematische Ansätze haben sich bereits mit der Verteilung von Einflüssen auf nationalen oder internationalen Börseplätzen beschäftigt. Aus der Perspektive der Konzerne oder ihrer (Aktien)Eigentümer. Glattfelder und Battiston nehmen nun für sich in Anspruch, dass sie erstmals mathematische Berechnungsmethoden bzw. Systeme so kombiniert haben, dass sie auch dynamische Einflüsse der Eigentumsverhältnisse von nationaler bis hin zur globalen Ebene darstellen können. Große kontinentale Unterschiede In der ersten Stufe der Analyse auf der Ebene der 48 nationalen Börsemärkte haben die Ergebnisse bereits vorliegende Erkenntnisse großteils bestätigt. Allerdings wurde selbst in diesem Stadium, zumindest rückblickend, bereits ein großer Unterschied sichtbar. Es ist bekannt, dass die Kontrolle über Börsekonzernen im Anglo-Amerikanischen Raum auf vergleichsweise viele Aktionäre aufgeteilt ist. In Kontinentaleuropa ist der diesbezügliche Wert viel geringer. Die Qualität dieser Aktionäre ist jedoch grundlegend unterschiedlich. Trotz der hohen Zahl an Aktionären etwa in den USA, Australien oder Großbritannien, sind nur vergleichsweise wenige von ihnen entscheidende Player, die in den wichtigen „Backbone"-Konzernen eine große Rolle spielen. Die Werte für die USA, Australien und Großbritannien betragen laut Berechnung 0,56, 0,82 und 0,89 Prozent. In Ländern wie Kanada, Italien oder der Schweiz ist der Wert mit 9,21, 6,10 bzw. 5,97 Prozent vergleichsweise groß. Im Anglo- Amerikanischen Raum befindet sich damit ein großer Teil des Börsewertes trotz einer hohen Zahl an Aktionären unter Kontrolle einer sehr geringen Zahl an gewichtigen Playern. Gute Voraussetzungen, um auch auf globaler Ebene weitreichenden Einfluss nehmen zu können. Breite Datenbasis In einer zweiten Stufe haben Glattfelder und Battiston durch einen neuen Algorithmus auch auf internationaler Ebene jene „Backbones" in den Netzwerken der Firmeneigentümer identifiziert, die jeweils starke Einflüsse ausüben. Als „Rückgrat der Kontrolle" sowie national als auch international, werden von Glattfelder und Battiston jene Subnetze bezeichnet, in denen laut Analyse ein Großteil des Werts eines Aktienmarktes bzw. Aktienplatzes konzentriert ist. Aufbauend darauf konnten die mächtigsten Aktienbesitzer und die von ihnen beherrschten (kumulierten) Aktienwerte identifiziert werden, das „Backbone" der internationalen Börsen. In Summe wurden die Verbindungen zwischen 24877 Unternehmen (bzw. Aktien) aus 48 Ländern weltweit mit 106141 Aktionären (Unternehmen und natürlichen Personen) für die Analyse ausgewertet. Wobei der neue Algorithmus auch indirekte Beteiligungen einberechnet. Österreichischer Markt entwicklungsfähig Die Ergebnisse überraschen zum Teil. So besitzt etwa die Schweiz eine vergleichsweise hohes Eigentümernetzwerk mit 266 Aktien, 972 Aktionären (auch Unternehmen untereinander) und 4671 Verknüpfungen. Das Backbone der nationalen Börsen ist hingegen mit vergleichsweise wenigen wichtigen Spielern relativ übersichtlich. Ähnliches gilt auch für den Wert. In den USA sind die meisten Konzerne in der Hand sehr vieler Aktionäre, allerdings halten oft wenige Aktionäre die Kontrolle über 80 Prozent der Stimmrechte. Die weitere Analyse ergibt, dass jene Konzerne, die in Märkten mit vielen Aktienhaltern zu jenem vergleichsweise exklusiven Kreis gehören, der die Kontrolle über 80 Prozent der Stimmrechte ausübt, auch international zu den großen Spielern gehören. Die Zentren der Macht Als Fazit der Studie werden jene Hauptakteure identifiziert, die in möglichst vielen der „Backbone"-Netzwerke der 48 untersuchten Märkte eine Schlüsselrolle spielen. Wenig überraschend ist, dass unter den Top Ten vor allem Finanzkonzerne zu finden sind. Die Zahl hinter den Unternehmen in Klammer gibt an, in wie vielen Märkten der jeweilige Konzern Mitglied im „Backbone"-Netzwerk ist. Die Capital Group Companies ist einer der weltgrößten Investmentgesellschaften und verfügte Zu Beginn 2007 (als die Zahlen für die Studie erhoben wurden) über Assets von mehr als einer Billion Dollar. Umwälzungen Abschließend weisen Glattfelder und Battiston auch darauf hin, dass die nunmehr genau zwei Jahre alte Datenbasis nach dem turbulenten letzten Börsejahr wohl einige Verschiebungen in einem aktuelleren Ranking mit sich bringen würde. Vor allem gehen sie davon aus, dass der Einfluss der US-Konzerne unter den Top 20 bereits erodiert sein dürfte. Der Link http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/0902/0902.0878v1.pdf führt zur kompletten Studie von Glattfelder und Battiston in Englisch. mehr Wirtschaftspolitik…
|
Top-Artikel Wirtschaftspolitik Int.
Geithner: "USA werden niemals Triple-A-Status verlieren"Geht es nach US-Finanzminister Timothy Geithner, dann werden die USA keine Probleme... |
Kommentare… Kommentar hinzufügen…