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An den Hebeln der Börsemacht

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von Elmar Hillebrand | 12.02.2009 | 18:11

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An den Hebeln der Börsemacht

Mittels einer neuen Kombination mathematischer Verfahren haben Schweizer Netzwerkanalytiker die einflussreichsten Aktiengesellschaften der Welt ermittelt. Deren Großaktionäre sitzen an den Hebeln der Börsemacht, auch wenn diese zuletzt weniger wirksam wurden.

WB/Hahn

Das Ranking der Macht

Die einflussreichsten Aktientrader der Welt
1.) The Capital Group Companies (USA/36)
2.) Fidelity Management & Research (USA/32)
3.) Barclays PLC (GB/26)
4.) Franklin Resources (US/25)
5.) AXA (FR/22)
6.) JP Morgan Chase & Co. (US/19)
7.) Dimensional Fund Advisors (US/15)
8.) Merrill Lynch & Co. (US/14)
9.) Wellington Management Comp. (USA/14)
10.) UBS (CH/12)

Die Zahl in Klammer gibt an, in wie vielen der 48 nationalen Börsemärkten das jeweilige Unternehmen zu den "Backbone"-Konzernen zählt.

Die Top Ten der an den globalen Börsen einflussreichsten Konzerne kommen, wenig überraschend, großteils aus den USA. Angeführt werden sie von der Capital Group Companies und Fidelity Management & Research, beide aus den USA. Auf Platz drei liegt mit Barclays der erste europäische Konzern. Während unter den Top Ten sieben US-Konzerne unangefochten rangieren, gehören die Plätze elf bis 20 den europäischen Konzernen.

Die beiden Physiker James Glattfelder und Stefano Battiston von der ETH Zürich hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das „Rückgrat" der Weltbörsemärkte zu identifizieren, jene Konzerne, die weltweit den größten Einfluss durch Veränderungen durch Aktientransfers ausüben.
Die beiden Wissenschafter wandten dazu stufenweise mehrere mathematische Methoden an um die Eigentumsverhältnisse an den Börsen in 48 verschiedenen Staaten (darunter auch Österreich) zu Charakterisieren und in der Folge die staatenübergreifenden Eigentumseinflüsse zu klassifizieren.

Zahlreiche wirtschaftswissenschaftliche und mathematische Ansätze haben sich bereits mit der Verteilung von Einflüssen auf nationalen oder internationalen Börseplätzen beschäftigt. Aus der Perspektive der Konzerne oder ihrer (Aktien)Eigentümer. Glattfelder und Battiston nehmen nun für sich in Anspruch, dass sie erstmals mathematische Berechnungsmethoden bzw. Systeme so kombiniert haben, dass sie auch dynamische Einflüsse der Eigentumsverhältnisse von nationaler bis hin zur globalen Ebene darstellen können.

Große kontinentale Unterschiede

In der ersten Stufe der Analyse auf der Ebene der 48 nationalen Börsemärkte haben die Ergebnisse bereits vorliegende Erkenntnisse großteils bestätigt. Allerdings wurde selbst in diesem Stadium, zumindest rückblickend, bereits ein großer Unterschied sichtbar. Es ist bekannt, dass die Kontrolle über Börsekonzernen im Anglo-Amerikanischen Raum auf vergleichsweise viele Aktionäre aufgeteilt ist. In Kontinentaleuropa ist der diesbezügliche Wert viel geringer. Die Qualität dieser Aktionäre ist jedoch grundlegend unterschiedlich. Trotz der hohen Zahl an Aktionären etwa in den USA, Australien oder Großbritannien, sind nur vergleichsweise wenige von ihnen entscheidende Player, die in den wichtigen „Backbone"-Konzernen eine große Rolle spielen. Die Werte für die USA, Australien und Großbritannien betragen laut Berechnung 0,56, 0,82 und 0,89 Prozent. In Ländern wie Kanada, Italien oder der Schweiz ist der Wert mit 9,21, 6,10 bzw. 5,97 Prozent vergleichsweise groß. Im Anglo- Amerikanischen Raum befindet sich damit ein großer Teil des Börsewertes trotz einer hohen Zahl an Aktionären unter Kontrolle einer sehr geringen Zahl an gewichtigen Playern. Gute Voraussetzungen, um auch auf globaler Ebene weitreichenden Einfluss nehmen zu können.

Breite Datenbasis

In einer zweiten Stufe haben Glattfelder und Battiston durch einen neuen Algorithmus auch auf internationaler Ebene jene „Backbones" in den Netzwerken der Firmeneigentümer identifiziert, die jeweils starke Einflüsse ausüben. Als „Rückgrat der Kontrolle" sowie national als auch international, werden von Glattfelder und Battiston jene Subnetze bezeichnet, in denen laut Analyse ein Großteil des Werts eines Aktienmarktes bzw. Aktienplatzes konzentriert ist. Aufbauend darauf konnten die mächtigsten Aktienbesitzer und die von ihnen beherrschten (kumulierten) Aktienwerte identifiziert werden, das „Backbone" der internationalen Börsen.

In Summe wurden die Verbindungen zwischen 24877 Unternehmen (bzw. Aktien) aus 48 Ländern weltweit mit 106141 Aktionären (Unternehmen und natürlichen Personen) für die Analyse ausgewertet. Wobei der neue Algorithmus auch indirekte Beteiligungen einberechnet.

Österreichischer Markt entwicklungsfähig

Die Ergebnisse überraschen zum Teil. So besitzt etwa die Schweiz eine vergleichsweise hohes Eigentümernetzwerk mit 266 Aktien, 972 Aktionären (auch Unternehmen untereinander) und 4671 Verknüpfungen. Das Backbone der nationalen Börsen ist hingegen mit vergleichsweise wenigen wichtigen Spielern relativ übersichtlich.
In den ostasiatischen Märkten Japan, Korea und Taiwan bleibt das Netzwerk auch im „Backbone"-Bereich deutlich dichter.
In den USA wiederum sind viele Firmen im Besitze einer großen Zahl an Aktionären. Gleichzeitig ist allerdings auch jener Wert hoch, der anzeigt, dass wenige Aktionäre die Kontrolle über einen großen Aktienbestand ausüben. Im Klartext. Viele Aktionäre mit wenigen Aktien sowie einige Aktionäre mit vielen Aktien.
Fast am anderen Ende der Grafik ist Österreich zu finden. Vergleichsweise wenige Aktionäre sind am Markt, die Zahl jener Aktienhalter, die 80 Prozent des Marktes kontrollieren, ist jedoch relativ hoch.

Ähnliches gilt auch für den Wert. In den USA sind die meisten Konzerne in der Hand sehr vieler Aktionäre, allerdings halten oft wenige Aktionäre die Kontrolle über 80 Prozent der Stimmrechte.
In Österreich ist es wiederum fast umgekehrt.

Die weitere Analyse ergibt, dass jene Konzerne, die in Märkten mit vielen Aktienhaltern zu jenem vergleichsweise exklusiven Kreis gehören, der die Kontrolle über 80 Prozent der Stimmrechte ausübt, auch international zu den großen Spielern gehören.
Eine Ausnahme bildet nur Japan, wo die Konzentration der Kontrolle weiter Teile des Aktienkapitals durch wenige Player sowohl national als auch international relativ hohe Werte erreicht.

Die Zentren der Macht

Als Fazit der Studie werden jene Hauptakteure identifiziert, die in möglichst vielen der „Backbone"-Netzwerke der 48 untersuchten Märkte eine Schlüsselrolle spielen. Wenig überraschend ist, dass unter den Top Ten vor allem Finanzkonzerne zu finden sind. Die Zahl hinter den Unternehmen in Klammer gibt an, in wie vielen Märkten der jeweilige Konzern Mitglied im „Backbone"-Netzwerk ist.

Die Capital Group Companies ist einer der weltgrößten Investmentgesellschaften und verfügte Zu Beginn 2007 (als die Zahlen für die Studie erhoben wurden) über Assets von mehr als einer Billion Dollar.
Alle zehn Konzerne, die laut Analyse die wichtigsten Mitspieler an den globalen Börseplätzen sind, stammen aus dem Bereich Investment(Banken) oder Versicherungen. Mit Barcalys auf Rang drei, Axa auf Platz vier und UBS auf Platz zehn sind auch drei europäische Unternehmen gelistet. Auf den Plätzen 11 bis 21 rangieren mit der Deutschen Bank, Societe Generale, Credit Suisse Schroders und Allianz fünf weitere europäische Konzerne.
Europas größte Bank, die HSBC taucht hingegen „erst" auf Rang 26 auf.
Einzelpersonen schaffen es selbst in den nationalen „Backbone"-Netzwerken selten unter die Ersten Zehn. Warren Buffet etwa ist in den USA auf Rang neun, die Familie Porsche/Piech finden sich in Deutschland unter den besten zehn.

Umwälzungen

Abschließend weisen Glattfelder und Battiston auch darauf hin, dass die nunmehr genau zwei Jahre alte Datenbasis nach dem turbulenten letzten Börsejahr wohl einige Verschiebungen in einem aktuelleren Ranking mit sich bringen würde. Vor allem gehen sie davon aus, dass der Einfluss der US-Konzerne unter den Top 20 bereits erodiert sein dürfte.

Der Link http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/0902/0902.0878v1.pdf führt zur kompletten Studie von Glattfelder und Battiston in Englisch.

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