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Indien legt 8,8 Prozent Wirtschaftswachstum vor

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von Herbert Geyer | 30.08.2010 | 17:40

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Indien legt 8,8 Prozent Wirtschaftswachstum vor

Während die internationale Nachfrage schön langsam an ­Dynamik verliert, ­gewinnt die indische Wirtschaft dank ­steigender Inlandsnachfrage an Fahrt.

Bloomberg

Inländische Nachfrage treibt die indische Industrieproduktion in lichte Höhen

Die Nachfrage nach deutschen Exporten hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verschoben: Während der Anteil der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, ­China) seit 2000 von vier auf neun Prozent angewachsen ist, hat die Bedeutung europäischer Kunden abgenommen. Die USA konnten ihre Position halten. Das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo rechnet mit ­einer Fortsetzung dieses Trends. Vor allem China und Indien, aber auch Brasilien, Polen und Russland werden für die Nachfrage nach Investitionsgütern weiter an Bedeutung zulegen. Die Entwicklung ist auch für die österreichische Exportwirtschaft von Bedeutung, da sie als Zulieferer der Deutschen und als Exporteur ähnlicher Produkte ähnlichen Trends unterliegt.

Die indische Wirtschaft dürfte im heurigen zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 8,8 Prozent gewachsen sein - der ­höchste Wert seit zweieinhalb Jahren. Das ergibt eine Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter 27 Wirtschafts­forschern.


Die offiziellen Zahlen sollen heute präsentiert werden, die jüngste Prognose der Zentralbank von Ende Juli ging noch von einem Wachstum von 8,5 Prozent für das Gesamtjahr aus.


Damit scheint es China zu gelingen, sich vom langsamer werdenden Wachstum in den USA, in Japan und auch in China abzukoppeln, obwohl auch das Wachstum der indischen Exporte im Juli auf 13,2, den niedrigsten Wert seit sechs Monaten, zurückgefallen ist.

Indiens Stärke ist, dass die Exporte nicht einmal ein Fünftel des BIP ausmachen. Die ­offenbar erlahmende ausländische Nachfrage hat daher auf das Wachstum relativ wenig Einfluss.


Wesentlich stärker bestimmt die Inlandsnachfrage das Tempo. Und da dürfte der heuer starke Monsunregen (der im Nachbarland Pakistan für eine Jahrhundertflut verantwortlich war) der Landwirtschaft Auftrieb geben und dort zusätzliche Kaufkraft generieren. Zusätzlich stieg das Industriewachstum im zweiten Quartal um 11,6 Prozent - nach nur 3,9 Prozent im Jahr davor.
Gepusht wird die inländische Nachfrage durch ein kräftiges Anziehen der ­Löhne. Nach 6,6 Prozent im ­Vorjahr sollen sie heuer 10,6 Prozent zulegen.

Die starke Nachfrage hat zu Engpässen in der Automobilproduktion geführt. Erstmals seit mehr als zehn Jahren gibt es bei Volkswagen und Hyundai Wartelisten für Neuwagen, weil die inländischen Zulieferer für Motorblöcke und Batterien nicht mit einem Absatzplus von mehr als 30 Prozent gerechnet hatten. Und der indische Motorrad-Erzeuger TVS Motors - drittgrößter Anbieter auf dem Heimmarkt - hat bereits angekündigt, im nächsten halben Jahr rund zwei Milliarden Rupien (33 Millionen €) in die Ausweitung der Produktionskapazität zu investieren.

Analysten erwarten jetzt, dass die indische Zentralbank ihre Geldpolitik noch einmal verschärfen und zum fünften Mal seit Mitte März die Leitzinsen erhöhen wird. „Die Inflation in den Griff zu bekommen ist die größte Herausforderung für die Politik", meint etwa Jy Shankar, Chefökonom von Religare Capital Markets in Mumbai. Er rechnet bis Ende März noch mit einem ganzen Prozentpunkt Zinserhöhung - gegenüber derzeit 5,75 Prozent.
Eine Anhebung der Zinsen scheint unvermeidlich: Seit Jänner bewegt sich der Index der Großhandelspreise bei Werten um die zehn Prozent.

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