
|
Dialog-backdrop Griechenland-Rettung auf Messers SchneideBei Raiffeisen Research sieht man eine 60-Prozent-Chance für eine Griechenland-Rettung. Die Finanzierungslücke von 15 Milliarden Euro beim zweiten Griechenland-Paket hält man allerdings für "optimistisch". Derzeit wird noch um den geplanten Schuldenschnitt für das hoch verschuldete Griechenland und die notwendigen Reformzusagen gepokert. Für Finanzanalysten steht die Griechenland-Rettung derzeit auf Messers Schneide: "Wir sehen eine Chance von über 60 Prozent, dass die griechische Regierung im politischen Poker mit EU/IWF deren Forderungen letztendlich nachkommen wird, um einen unmittelbaren Zahlungsausfall zu vermeiden", schreiben die Experten von Raiffeisen Research in einer Analyse zur Eurozone. Die "erste Hürde" sei mit der "offensichtlich bereits erzielten Einigung" über Details des Schuldentausches genommen worden. Es gebe aber Verzögerungen, weil die Troika aus EU, IWF und EZB die Reformzusagen der griechischen Regierung als unzureichend beurteilt habe. Ein positiver Troika-Bericht ist aber für die Freigabe des zweiten Griechenland-Hilfspaket notwendig. Im Oktober 2011 wurden für das Paket 130 Mrd. Euro zugesagt. EU-Währungskommissar Olli Rehn hatte Ende Jänner durchblicken lassen, dass möglicherweise weitere 15 Mrd. Euro für die zweite Griechenland-Hilfe notwendig seien. Bei Raffeisen Research hält man diese Schätzung "noch für optimistisch". Wegen der möglichen Finanzierungslücke sei nun eine eventuelle Beteiligung der EZB an der Griechenland-Umschuldung in den Fokus gerückt: "Die EZB dürfte 2010 rund 40 bis 50 Mrd. Euro an griechischen Anleihen zu einem Durchschnittspreis von 75 gekauft haben", heißt es in der Analyse. Wenn die EZB die Anleihen bis zur Endfälligkeit halte und diese von Griechenland voll bedient werden, könnte die EZB einen Gewinn von rund 15 Mrd. Euro erzielen. Bisher hatte die Notenbank eine Einbindung beim zweiten Griechenland-Hilfspaket stets abgelehnt. Für die Analysten ist eine Übertragung der im Rahmen des EZB-Anleihenankaufprogramms erworbenen griechischen Anleihen zum Kaufpreis an den Euro-Rettungsschirm EFSF denkbar Dieser Vorschlag sei 2011 von der Notenbank selbst vorgebracht worden. Kurzfristige Lösungen für langfristige Probleme Eine Entschärfung der Euro-Staatsschuldenkrise durch den kürzlich beschlossenen EU-Fiskalpakt sehen die Experten aber nicht: Der Ratifizierungsprozess des Fiskalpakts werde "voraussichtlich langwierig" und die langfristige Orientierung des Pakts werde auf kurze Sicht kein Mittel sein, um eine "etwaige neuerliche Zuspitzung" der Euro-Staatsschuldenkrise abzufedern. Für die Analysten ist die Ausgestaltung der EU-Schutzschirmmechanismen relevanter als der Fiskalpakt. Beim letzten EU-Gipfel am 30. Jänner wurde der frühzeitige Start des permanenten EU-Schutzschirms (ESM) ab 1. Juli 2012 beschlossen. Beim vergangenen Gipfel seien die noch bestehenden Hürden überwunden worden. Finnland hat dem Mehrheitsentscheidungsmechanismus für ESM-Mittel zugestimmt und Deutschland setzte sich mit seiner Forderung durch, dass es nur ESM-Kreditlinien für Fiskalpakt-Mitglieder gibt. "Für Anleihengläubiger ist positiv zu werten, dass die Passage über die Beteiligung des privaten Sektors bei möglichen ESM-Hilfspaketen im aktuellen Vertragsentwurf leicht entschärft wurde", betonten die Experten. (APA) mehr Wirtschaftspolitik…
|
Top-Artikel Wirtschaftspolitik Int.
EZB dreht griechischen Banken den Geldhahn zuSchuldenkrise. Einige griechische Banken sind vom Eurosystem abgeschnitten. Die EZB... KeywordsGefundene OrteGefundene Personen |
Kommentare… Kommentar hinzufügen…