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Deutsche Konjunktur vor der Vollbremsung

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26.12.2011 | 17:36

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Deutsche Konjunktur vor der Vollbremsung

Die meisten Forschungsinstitute sind sich darüber einig, dass die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr kaum noch zulegen wird - und auch die Bundesregierung wird einem Magazinbericht zufolge im Januar einen skeptischeren Ausblick als bislang präsentieren. Die Unternehmen bleiben allerdings weiter zuversichtlich.

dpa

Über der deutschen Wirtschaftsentwicklung ziehen dunkle Wolken auf

Die deutsche Wirtschaft muss sich nach dem kräftigen Wachstum in diesem Jahr 2012 auf deutlich magerere Zeiten einstellen. Die meisten Forschungsinstitute sind sich darüber einig, dass die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr kaum noch zulegen wird - und auch die Bundesregierung wird einem Magazinbericht zufolge im Januar einen skeptischeren Ausblick als bislang präsentieren. IWF-Chefin Lagarde sieht wegen der Schuldenkrise gar bereits die gesamte Weltwirtschaft in Gefahr. Nichtsdestotrotz verbreiten deutsche Wirtschaftsverbände Zuversicht und widersprachen Skeptikern, die hierzulande bereits eine Rezession fürchten.

Neue Prognose in drei Wochen

Derzeit überarbeite die Regierung ihre Prognose und werde Mitte Januar einen niedrigeren Wert präsentieren, berichtete der "Focus" vorab ohne Angaben von Quellen. Die Bundesregierung geht gegenwärtig offiziell noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent im kommenden Jahr aus. Das Bundeswirtschaftsministeriums widersprach zwar am Montag dieser Darstellung. Die meisten Experten halten jedoch diese Prognose mittlerweile für zu optimistisch und erwarten eine Senkung.

Zahlreiche Wirtschaftsforscher hatten in den vergangenen Wochen vor allem wegen der Folgen der Schuldenkrise bereits ihre Prognosen gesenkt. Das Münchener Ifo-Institut rechnet 2012 nun etwa mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent, nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr noch um drei Prozent zugelegt hatte. Die Experten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erwarten gar ein Schrumpfen um 0,1 Prozent.

Die Rezession wird abgeblasen

Die Präsidenten der führenden Wirtschaftsverbände sind sich jedoch einig, dass Deutschland entgegen mancher Unkenrufe 2012 nicht in eine Rezession abgleiten wird. Die andauernde Schuldenkrise im Euro-Raum werde den Wachstumszug zwar fühlbar verlangsamen, nicht aber entgleisen lassen, erklärten die Präsidenten des Industrieverbandes BDI, des Handwerksverbandes ZDH, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK sowie des Handelsverbandes BGA in einer Reuters-Umfrage.

Damit wird Deutschland auch nach Ansicht des Chefökonomen der Deutschen Bank, Thomas Mayer, im europäischen Vergleich relativ glimpflich davonkommen. Zwar stehe der deutschen Wirtschaft zunächst ein halbes Jahr mit schrumpfender Wirtschaftsleistung und damit eine milde Rezession bevor. "Im zweiten Halbjahr wird die starke Entwicklung in China und den anderen Schwellenländern sowie die erstaunlich solide Entwicklung in den Vereinigten Staaten die deutsche Wirtschaft wieder rausreißen", sagte Mayer in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung."

Auch der Chef des deutschen Sachverständigenrates, Wolfgang Franz, blickt trotz der Euro-Schuldenkrise und des weltweiten Konjunkturabschwungs zuversichtlich in das neue Jahr. Die deutsche Wirtschaft werde 2012 zwar wohl nur um 0,5 Prozent wachsen, sagte Franz dem "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe) laut Vorabbericht. In dem im November vorgelegten Jahresgutachten gingen die Wirtschaftsweisen noch von einer fast doppelt so hohen Zuwachsrate aus. "Aber eine Rezession befürchte ich nicht - erst recht nicht eine so starke wie 2009, als das Bruttoinlandsprodukt um rund fünf Prozent absackte", sagte er. Die Zahl der Beschäftigten sei so hoch wie nie, die Kapazitäten der Industrie seien besser ausgelastet als im langjährigen Durchschnitt, die Unternehmen seien gesund und zuversichtlich. "Deutschland geht es gut, noch jedenfalls", sagte der Chef der fünf Wirtschaftsweisen.

Franz übte scharfe Kritik an der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die kürzlich vor einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren gewarnt hatte: Es sei zwar richtig, auf Risiken hinzuweisen, sagte Franz. "Aber Rezessionen lassen sich auch herbeireden. Frau Lagarde wäre wirklich gut beraten, bei ihrer Wortwahl zurückhaltender zu sein", warnte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Wenn die öffentliche Debatte anhalte, fürchteten viele Unternehmen, "dass irgendwann eine Kette von Bremsmanövern in Gang gesetzt wird". Investitionen würden zurückgestellt, die Personalpolitik würde vorsichtiger gestaltet - "und dann hätten wir möglicherweise eine Rezession", warnte Franz.

Nach Ansicht von IWF-Chefin Lagarde bringt die Schuldenkrise in Europa mittlerweile die gesamte Weltwirtschaft in Bedrängnis. "Die globale Wirtschaft ist in einer gefährlichen Lage", sagte Lagarde einer französischen Zeitung. Zuvor hatte sie bereits gewarnt, dass der IWF seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum von derzeit vier Prozent gesenkt werden könne.

(Reuters/ekh)

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