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Es ist soweit: EU präsentiert Plan für Transaktionssteuer

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von Sabine Berger aus Straßburg | 28.09.2011 | 09:45

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Es ist soweit: EU präsentiert Plan für Transaktionssteuer

57 Milliarden € soll die Besteuerung von Finanztransaktionen bringen - nach Vorstellung von EU-Kommissionschef Barroso.

Bloomberg

Straßburg. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den EU-Abgeordneten, vor denen er am Mittwoch seine Rede zur "Lage der Union" gehalten hat, ein Freundschaftsgeschenk mitgebracht: den Vorschlag für die Finanztransaktionssteuer, den viele Parlamentarier seit langem fordern. Die Abgabe soll 55 Milliarden € im Jahr einspielen, rechnet Barroso vor. In den Dokumenten der Kommission sind sogar 57 Milliarden € als Zielgröße vermerkt.

"Es ist eine Frage der Fairness." Wenn alle einen Beitrag zahlen, vom Landwirt bis zum Arbeiter, dann sollten Finanzinstitute auch ihr Scherflein leisten, betont der Kommissionschef.

„Viele warten seit langem auf diese Steuer“, ergänzt der zuständige EU-Kommissar Algirdas Semeta. Die Existenz eines offiziellen EU-Vorschlages bedeutet aber noch lange nicht, dass das Warten 2014 – so wie von Brüssel gewünscht – ein Ende hat: Denn die Einführung der Abgabe auf EU-Ebene bedarf der Zustimmung aller 27 Mitglieder. Und diese zeichnet sich derzeit nicht ab – mehr dazu in London. Theoretisch wäre es möglich, die Abgabe nur in der Eurozone einzuführen. Allerdings sinkt die Sinnhaftigkeit der Abgabe (die zahlreiche Experten ohnehin bezweifeln) parallel zur Einschränkung des Wirkungsgebiets.

Zu den Details: Die Steuer zielt auf Transaktionen zwischen Finanzinstituten ab, sofern mindestens eine Partei ihren Sitz in der EU hat. Der Handel mit Anleihen und Aktien soll mit 0,1 Prozent besteuert werden, Geschäfte mit Derivaten mit 0,01 Prozent. Die Einnahmen von geschätzten 57 Milliarden € sollen sowohl in das EU-Budget als auch in die nationalen Haushalte fließen. Der Verteilungsschlüssel steht noch nicht fest.

"Fair und machbar"

Die Abgabe sei „fair und machbar“, betont der Kommissar mit Verweis darauf, dass der Finanzsektor im Zuge der Krise öffentliche Unterstützung im Wert von 4,6 Billionen € erhalten habe und dann beachtlich schnell zu „exzessiven Entlohnungsmodellen“ zurückgekehrt sei. Zudem hofft Semeta, dass sich eingefleischte Gegner des Projekts wie Großbritannien der Vorteile der Steuer besinnen, die allerorts dringend benötigte Einnahmen brächte.

Transaktionen von Bürgern und Nicht-Finanz-Unternehmen sollen laut Brüsseler Plan nicht von der Steuer erfasst werden. Was aber, wenn eine Privatperson via eine Bank Aktien kauft? Dann muss das Institut zahlen, erklärt Semeta. Bleibt die Frage, wie die Kommission verhindern will, dass Institute die Abgabe an ihre Kunden weiterverrechnen. Hier hofft Semeta auf die Wettbewerbssituation. „Es gibt immerhin mehr als 8800 Banken in der EU.“

Attac erfreut

Die NGO Attac zeigte sich in einer Aussendung erfreut über den Vorschlag. Besonders positiv bewertet Attac, dass die Steuer nach dem Sitzlandprinzip erhoben wird. Das reduziere die Fluchtmöglichkeiten. "Zu begrüßen" ist laut Attac auch, dass nicht nur Börsengeschäfte, sondern auch außerbörsliche Transaktionen erfasst werden sollen. Insbesondere die Besteuerung von Derivaten sei wichtig, konstatiert die NGO, die seit langem die Steuer fordert.

Kritik übt die NGO an der völligen Ausnahme von Devisengeschäften. Die Gefahr sei groß, dass sich die Spekulation nun auf die Währungsspekulation am Spotmarkt verschiebt.

Pro und Contra

Die Sinnhaftigkeit der Finanztransaktionssteuer ist generell umstritten. Ihre Proponenten argumentieren - ähnlich wie die Kommission -, dass der Finanzsektor einen Beitrag zur Konsolidierung der Staatsfinanzen leisten müsse und die Steuer für eine gewisse Entschleunigung an den nervösen Finanzmärkten sorgen könnte. Weiters wird stets betont, dass die Abgabe nicht die "kleinen Sparer" trifft, sondern die "Spekulanten".

Opponenten der Maßnahme führen indes ins Treffen, dass es illusorisch ist, zwischen "guten" und "schlechten" Finanztransaktionen unterscheiden zu wollen und ja auch die Trennlinie zwischen Sparer und Spekulant nicht eindeutig zu ziehen ist. Ihrer Ansicht nach, ist die Transaktionssteuer nicht ökonomisch, sondern politisch bis populistisch motiviert.

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3 Kommentare

so ein unsinn....

der zweck der finanztransaktionssteuer ist ausschliesslich, die fürchterlich aufgeblasenen handelsvolumina einzubremsen, wo, ich weiß nicht, wie oft pro tag, vollautomatisiert promillevorteile ausgenutzt werden. ohne jeglichen wirtschaftlichen sinn im übrigen.
kleinanleger sind dazu gar nicht in der lage.
aktien sind keine ware wie andere, sondern handelbare anteilscheine an unternehmen, die jemanden berechtigen, anteile am gewinn dieser unternehmen zu lukrieren, aber nicht, um ständig irgendwelche nano- bis mikrovorteile durch minutentradings abzuschöpfen. zu dem zweck gibt es geld in verschiedenen währungen.

Von Gast: Gast: gast am 28.09.2011 um 19:41

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Die nervösen Finanzmärkte werden dadurch nicht entschleunigt,

sondern sogar noch volatiler. Das ist leicht zu erkennen wenn man die Volatilität von Wertpapieren mit hohem & geringem Handelsvolumen vergleicht, bzw. wenn man die Volatilität an der Wiener Börse zu Zeiten der ehemaligen Börsenumsatzsteuer betrachtet.

Ausserdem wird die Transaktionssteuer hauptsächlich Kleinanleger treffen, insbesondere die die mit Aktien handeln. Die Banken hingegen lagern ihre Investmentabteilungen als eigenständige Firmen ins Ausland aus & sparen sich dadurch die Transaktionssteuer.

Wenn Barroso/Schäuble & Co. die Banken als Ausgleich für Unterstützungen zur Kasse bitten wollen, so sollten sie etwas vorschlagen was gezielt die Banken trifft, aber nicht alle anderen Anleger, die im Gegensatz zu den Banken keine Unterstützungen für ihre Verluste erhalten haben. Der derzeitige Vorschlag ist nichts anderes als hirnloser Populismus. Die negativen Auswirkungen nach ihrer Legislaturperiode interessieren die amtierenden Politiker nicht.

Von Gast: Gast: Wirt am 28.09.2011 um 12:49

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Neue Steuern werden keine Lösung bringen können!

Die Ursache für die gewaltigen Budgetdefizite liegen alleine in den Staatsausgaben. Genau da liegt auch die Ursache für die irren Staatsschulden. Neue Steuern werden das Problem niemals lösen können, die können die bestehenden Probleme nur weiter finanzieren und damit sind diese sehr schädlich für die Gesellschaft. Die gewaltigen geschützten Bereiche in der EU, der Förderungs- und Umverteilungswahnsinn sind endlich unter Kontrolle zu bekommen. Das werden die Entscheidungsträger aber niemals erkennen können, weil diese schon viel zu lange und viel zu gut von den Leistungen der anderen Menschen gelebt haben. Europa hat fast nur noch Menschen aus den geschützten Bereichen in den Entscheidungsträgerfunktionen und diese Menschen können mit den Begriffen Leistung und Wirtschaften eher gar nichts mehr anfangen.

So wird der Euro sicher sterben und die EU gleich mit dazu. Wahrscheinlich wird es Frankreich sein, welches der Auslöser für den Zusammenbruch sein wird.

Von Gast: Gast: ET am 28.09.2011 um 10:16

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