von Reuters/past | 21.02.2012 | 15:49
"Griechenland braucht einen Wachstumsplan"
Für viele Anleger ist kein Ende der "griechischen Tragödie" in Sicht. Das Rettungspaket zögere die Pleite nur weiter hinaus.
Die neue Griechenland-Hilfe ist durch - die Investoren läßt das kalt.
Das nun beschlossene Rettungspaket ist für viele Anleger nicht der Schluss der "griechischen Tragödie", sondern nur der Beginn des nächsten Aktes. "Das hochverschuldete Land braucht einen Wachstumsplan, und genau das scheint im Moment die größte Herausforderung zu sein", sagte Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. "Denn ohne einen solchen Plan könnte die Unsicherheit wieder Oberhand gewinnen."
Dax und EuroStoxx50 gaben am Dienstag jeweils 0,7 Prozent auf 6902 beziehungsweise 2532 Punkte nach. Damit lagen sie aber immer noch 17 und 9,5 Prozent über dem Niveau vom Jahreswechsel. Ein größerer Rückschlag sei nicht zu befürchten, betonte Aktienhändler Manoj Ladwa von ETX Capital, da auch die jüngsten US-Konjunkturdaten ermutigend und die Firmenbilanzen recht gut ausgefallen seien.
Investoren greifen zu Bundesanleihen
Der Euro, der als Reaktion auf die Einigung in Brüssel zunächst auf knapp 1,33 Dollar gestiegen war, fiel bis zum Dienstagnachmittag auf 1,3223 Dollar zurück. Auf der Suche nach Sicherheit griffen Investoren zu den bewährten Bundesanleihen. Der Bund-Future notierte zehn Ticks fester bei 138,07 Punkten.
"Ja" zu weiteren Hilfen
Nach einer schier endlosen Zitterpartie hatten sich die Euro-Länder in der Nacht zum Dienstag auf ein zweites, 130 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Griechenland geeinigt. Gleichzeitig sollen Privatinvestoren auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, um dem Mittelmeer-Anrainer finanziell wieder auf die Beine zu helfen.
Da dies mehr ist als ursprünglich gedacht, gaben Finanzwerte nach. So verloren der europäische Branchenindex 0,9 und der griechische sogar 7,5 Prozent. Die einheimischen Banken gehören zu den größten Gläubigern Griechenlands. Im EuroStoxx50 belegten Deutsche Bank, Unicredit, ING und Intesa Sanpaolo mit Kursverlusten zwischen 1,7 und 2,7 Prozent die vier ersten Plätze der Verliererliste.
Griechenland vor langem, steinigem Weg
"Unsere Berechnungen zeigen, dass Griechenland selbst die deutlich gesenkten Schulden ohne die Umsetzung tiefgreifender Reformen langfristig kaum tragen kann", warnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "In der zweiten Jahreshälfte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine frustrierte Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn zudreht."
Das Misstrauen der Investoren in die Nachhaltigkeit der Vereinbarungen ließ sich auch am Markt für Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps, CDS) ablesen. Zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Anleihen mussten Anleger 7,1 Millionen Euro als Anzahlung leisten, nach 6,9 Millionen Euro am Vortag. Derartige Auftakt-Zahlungen werden bei CDS üblicherweise nur für Verbindlichkeiten von Staaten verlangt, die als am Rande der Zahlungsunfähigkeit stehend betrachtet werden.
Fortsetzung folgt?
Die Gefahr, dass anderen, ebenfalls hoch verschuldeten Euro-Staaten ein ähnliches Schicksal wie Griechenland blüht, ist Börsianern zufolge ebenfalls alles andere als gebannt. "Wir haben die Sorge, dass der Griechenland-Deal kein Einzelfall bleiben, sondern als Blaupause dienen wird", sagte Rabobank-Anleihestratege Richard McGuire. "Der Markt wird darauf spekulieren, dass Portugal den gleichen Weg einschlägt."
Kursbewegungen
In den Kursen spiegelten sich diese Befürchtungen vorerst nicht. Die Renditen portugiesischer Anleihen notierten am Nachmittag kaum verändert und der Leitindex der Lissaboner Aktienbörse gab mit 1,1 Prozent nur geringfügig stärker nach als der EuroStoxx50.
Ein ähnliches Bild boten die Aktien- und Bond-Märkte der Schulden-Staaten Spanien und Italien. Spanien hätte bei der 2,5 Milliarden Euro Emission mehrerer kurzlaufender Bonds teilweise das Zehnfache der angebotenen Menge an den Investor oder die Investorin bringen können.
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