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Letzter Rettungsanlauf für Athen auf tönernen Füßen

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von Wolfgang Tucek | 22.02.2012 | 10:06

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Letzter Rettungsanlauf für Athen auf tönernen Füßen

Abwärtsrisiken. Ein umfassendes Hilfspaket inklusive Schuldenschnitt soll die Griechen wieder auf die Beine bringen. Einige Prognosen scheinen aber optimistisch, es drohen Abwärtsrisiken.

EPA

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos, Premier Lucas Papademos und der deutsche Ressortchef Wolfgang Schäuble (v.li.) sind bester Laune: Das Rettungspaket steht - die unmittelbare Gefahr ist gebannt

Zitiert

Olli Rehn, Eurokommissar

In dieser Nacht habe ich gelernt, dass Marathon wirklich ein griechisches Wort ist

Zitiert

Evangelos Venizelos, Finanzminister Griechenland

Nun können wir die Wirtschaft des Landes wieder in die richtige Spur bringen

Zitiert

Mario Monti, Premierminister Italien

Es ist ein wichtiges Ergebnis, das die unmittelbaren Gefahren einer Ansteckung bannt

Zitiert

Wolfgang Schäuble, Deutscher Finanzminister

Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, wird kein Cent aus dem Programm ausbezahlt

Brüssel. Die Erleichterung war groß, als am frühen Dienstagmorgen endlich ein neues Rettungspaket für Griechenland inklusive eines Privatschuldenschnitts verkündet werden konnte. Um den griechischen Schuldenstand von heute 160 auf 120,5 Prozent des BIP im Jahr 2020 drücken zu können, schreiben die Banken noch mehr ab, und die Euroretter senken die Zinsen für die bereits laufenden Kredite. Die gelöste Stimmung in Brüssel, Berlin, Athen und anderswo könnte freilich rasch von drohenden Abwärtsrisiken getrübt werden.

Nicht nur Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer befürchtet, dass Griechenland seine Schulden dennoch nicht tragen wird können. Auch ein interner ­Bericht der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF zeichnet plausible Szenarien des möglichen Scheiterns.

Idealszenario


Nach Commerzbank-Berechnungen ist der angestrebte Schuldenstand von 120,5 Prozent des BIP, welchen der IWF als langfristig bewältigbar erachtet, ein absolutes Idealszenario: Ist der unterstellte Budgetüberschuss vor Zinszahlungen in Relation zum BIP im Schnitt der Jahre bis 2020 nur 0,5 Prozentpunkte niedriger, landen die Schulden bei 125 Prozent. Wächst die Wirtschaft pro Jahr um 0,5 Prozentpunkte weniger als unterstellt, blühen schon 127 Prozent, warnt Krämer.

Es drohten hauptsächlich Abwärtsrisiken, heißt es auch in dem durchgesickerten Troika-Bericht: Wäre das Jahreswachstum stets ein Prozent unter der Prognose, drohten 143 Prozent. Und scheitern die „unfallträchtigen" Reformen in Griechenland, wäre der Schuldenberg 2020 immer noch auf 160 Prozent des BIP.

Banken zahlen mehr

Als Arbeithypothese haben die Finanzminister die positivste Variante aus dem ­Bericht gewählt, welche einen Schuldenstand von 129 Prozent zum Ende der Dekade vorsieht. Um von dort auf 120,5 Prozent zu kommen, stimmte der Weltbankenverband IIF einem Schuldenschnitt von nominal 53,5 Prozent statt wie bisher 50 Prozent zu. Über die 30-jährige Laufzeit steigen die Zinsen der neuen Anleihen von anfangs zwei auf 4,3 Prozent am Ende.

Weil das niedriger und viel langfristiger ist als bei den aktuellen Papieren, beträgt der reale Verlust knapp 75 Prozent. Der Euroschirm EFSF versüßt den Banken den Schnitt mit ein - bis zweijährigen Anleihen über 30 Milliarden €, was einen raschen und sicheren Rückfluss von 15 Prozent der bisherigen Nominalwerte sicherstellen soll.

Für die Kredite aus dem ersten Rettungspaket über 110 Milliarden € sollen die Zinsen erneut gesenkt werden, Notenbanken helfen mit ihren Gewinnen aus günstig erworbenen Griechenanleihen mit. Weil vom ersten Paket noch 34,4 Milliarden € übrig sind, stehen die für das neue zusätzlich zur Verfügung.

Die EFSF übernimmt das zweite Hilfspaket. Das summiert sich daher auf 164,4 Milliarden €. Über das 30-Milliarden-Zuckerl hinaus sind davon 50 Milliarden € für die Rekapitalisierung griechischer Banken vorgesehen, welche den Schuldenschnitt ansonsten nicht überleben würden.

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