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Dialog-backdrop Wir müssen nicht up to date seinSeit 1839 produziert die Manufaktur Patek Philippe die prestigeträchtigsten Uhren der Welt. Und doch sind diese kein Rolls-Royce und gehören auch nicht in den Safe, sondern aufs Handgelenk.
Philippe Stern, Inhaber und Präsident der Genfer Nobelmarke Patek Philippe, im deluxe-Exklusiv-Gespräch ZitiertPhilippe SternWir wollen keine Uhr mit dem Argument verkaufen, dass sie einfach nur ein gutes Investment ist. vergrößernGrafik
ZitiertPhilippe SternUnsere Käufer sind nicht von der Sorte: Schau meine Patek! Dafür gibt es andere Marken … vergrößernGrafik
ZitiertPhilippe SternWir denken jeden Tag über mögliche Verbesserungen nach. Wir sind nie 100-prozentig zufrieden. vergrößernGrafik
ZitiertPhilippe SternDer Tag der Übergabe an meinen Sohn Thierry wird kommen.Wann? – Vielleicht heuer noch. vergrößernGrafik
deluxe: Patek Philipe stellt die teuersten Uhren derWelt her. Wie geht es Ihrem Unternehmen in Zeiten wie diesen? Philippe Stern: Uns allen ist klar, dass 2009 kein einfaches Jahr wird. Aber wie Sie sich vorstellen können, ist es nicht die erste Krise, die ich erlebe. Die Verkäufe werden sich reduzieren, aber es wird keine Tragödie für uns. Wir werden Patek Philippe optimieren, die Qualität weiter steigern, neue Produkte auf den Markt bringen und uns stabilisieren. Wie begegnen Sie der Krise konkret? Zu allererst beobachtend. Keiner weiß derzeit, wie lange diese Krise noch anhalten wird. In den Medien ist die Rede von bis zu einem Jahr. Ich selbst denke, das wird noch ein Weilchen länger dauern, bis wir aus dieser Talsohle herauskommen. Vielleicht sogar zwei Jahre. Wir haben aber ein gutes Produkt, eine solide Marke. Natürlich werden wir auch verlieren, aber als Traditionsunternehmen sind wir in einer viel angenehmeren Position als jene, die erst seit Kurzem am Markt sind - vielleicht mit einem völlig neuen Produkt durchstarten wollen. Die werden leiden. Wir sind aus jeder Krise stärker hervorgegangen. Stichwort: Produktion. Sie stellen 40.000 Uhren im Jahr her. Wird sich daran was ändern? Sie wissen doch, wir nennen keine Zahlen. Aber, wo auch immer diese Zahl her ist, ich denke, dass Sie mit ihr auch in Zukunft richtig liegen. Was ist für Patek Philippe der wichtigste Markt? Für uns sind alle Märkte wichtig. Unser größter Markt liegt mit 45 Prozent in Europa, mit Hauptaugenmerk auf die Schweiz, Italien, Deutschland und England. In Asien liegen wir mit Japan, Hongkong, Singapur und Thailand bei 30 Prozent und den amerikanischen Markt halten wir mit 25 Prozent. Bei Patek Philippe wird Tradition groß geschrieben. Gibt es in Ihrem Wortschatz überhaupt das Wort Trend? Nein. Aber wir beobachten den Markt, verfolgen Tendenzen und entwickeln unsere Produkte den Anforderungen entsprechend weiter. Vergangenes Jahr sind unsere Uhren beispielsweise ein Stück größer geworden. Wir sind damit nie über das Ziel hinausgeschossen. Heute ist unsere größte Uhr 40mm. Aber zum Glück müssen wir nicht immer up to date sein. Wir sind schließlich nicht im Mode-Business. Trotz Tradition wirkt die Marke Patek Philippe nicht verstaubt. Wie gelingt das? Das ist das Schwierigste überhaupt. Vor allem, wenn wir neue Stücke auf den Markt bringen. Auf der einen Seite müssen sie konservativ sein, auf der anderen Seite zeitgemäß. Es geht immer um die richtige Balance. Nehmen Sie die Calatrava zum Beispiel. Sie wurde 1932 entwickelt und von da an jedes Jahr verändert. Aber sie ist sich treu geblieben. Heute wie damals ist sie eine konservative Uhr. Was macht den Mythos der Marke Patek Philippe aus? Nun, ich würde mal sagen, unser guter Ruf. Patek Philippe steht für bleibenden Wert. Alles, was wir heute herstellen, wird von Generation zu Generation weitergegeben und wird auch in Jahrzehnten tadellos funktionieren. Deshalb planen wir trotz der gegenwärtigen Krise sehr langfristig. Ich muss mich wiederholen: Eine Patek Philippe hat einen echten, bleibenden Wert - das ist es wahrscheinlich, das unsere Kunden an uns fasziniert. Und wir halten die Stückzahlen so gering wie möglich. Hat Patek Philippe auch Schwächen? Wo liegt noch Potenzial für Verbesserungen? Ja, ja. Wir denken jeden Tag über mögliche Verbesserungen nach. Wir sind nie 100-prozentig zufrieden. 30 Leute arbeiten bei uns an den bestehenden Produkten, zehn weitere forschen an neuen Entwicklungen und Innovationen. Wir sind stolz darauf, dass eine Uhr, die wir heute produzieren, immer besser ist als die vor zehn Jahren. Wir sind also ständig in Bewegung, in Entwicklung begriffen. Aber mechanische Uhren werden immer ungenau gehen… Ja, aber wir arbeiten daran. Prinzipiell ist es so, dass jede Uhr von Patek Philippe, die Genf verlässt, minus drei oder plus zwei Sekunden ungenau gehen kann. Patek Philippe erzielt auf Auktionen die höchsten Preise. Sollen wir uns eine als Wertanlage kaufen? Wir wollen keine Uhr mit dem Argument verkaufen, dass sie einfach nur ein gutes Investment ist; etwas, das man nur zu dem Zweck erwirbt, es später mit Gewinn weiterzuverscherbeln. Klar freue ich mich, wenn auf Auktionen unsere Uhren Höchstpreise erzielen. Was ich aber Menschen, allen voran Männern, sagen will, ist: Du hast vielleicht als Mann nicht zahllose Schmuckstücke. Du hast eine Uhr. Wenn du eine willst, die dich wirklich zufrieden stellt, dann mach dir selbst einen Gefallen und kaufe eine Patek Philippe. An ihr hast du jeden Tag Freude - sie gehört an dein Handgelenk und nicht in deinen Safe. Wie schützen sie sich vor Spekulationskäufen? Also zunächst einmal kann jeder eine Patek Philippe erwerben, wenn er das will. Wir sind sicher nicht so arrogant, uns auf einen speziellen Kundentyp zu beschränken. Bei Uhren mit großen Komplikationen, Repetition oder Tourbillons fragen wir jedoch nach dem Namen des Käufers und schreiben ihn auf das Zertifikat, um sicherzugehen, dass er die Uhr für sich erwirbt und nicht im nächsten Moment auf einem anderen Markt mit Gewinn weiterzuverkaufen versucht. Aber das sind sowieso eher die Ausnahmen. Wir haben zudem viele Kunden, die nicht unbedingt superreich sind.* Sie sparen lange und kaufen sich dann unser Produkt, weil es eben auf seinem Gebiet die beste Qualität hat. Mit dem Kaliber 89 haben Sie eine Uhr mit 33 Komplikationen geschaffen. Allein die Entwicklung belief sich auf neun Jahre. Für wen? Wie sinnvoll ist das und rechnet sich so etwas überhaupt? Ja, ich denke, das war für uns eine Art Exempel. Eines, das zeigen soll, was Patek Philippe kann, dass wir das Know-how und die Manpower haben, solch fantastische Stücke herzustellen. Wenn man nur über den kommerziellen Aspekt nachdenkt, ist das Investment in eine neunjährige Entwicklungsphase sicher keine Option. So ein kompliziertes, detailreiches Stück Technik und Handwerksqualität hat aber - PR-mäßig betrachtet - eine wesentliche Funktion. Wir sind sehr stolz auf unsere Fähigkeiten, und diese Fähigkeiten geben uns eben diese ganz gewisse Aura. So schauen also Ihre Marketing-Aktionen aus. Sponsoring oder Prominenten-Auftritte sind Ihnen ja kein Geld wert, oder? Richtig. Wir sind diskret. Unsere Käufer sind nicht von der Sorte: Schau meine Patek! Dafür gibt es andere Marken … Eine Patek Philippe wird gerne und oft mit einem Rolls- Royce verglichen. Was ist Ihre Meinung dazu? Rolls-Royce hat für mich ein altes Image. Ich würde eine Patek Philippe viel lieber mit einem Ferrari vom Design und mit einem Porsche von der Technik her vergleichen. Aber so genau weiß ich es nicht. Ich habe weder einen Porsche noch einen Ferrari (lacht). Wie definieren Sie Luxus? Ich will nicht zu viele Worte über den Begriff Luxus verlieren. Der wird eh schon so inflationär gebraucht. Jeder versucht irgendein Produkt mit dem Aufkleber "Luxus-Modell" zu versehen. Aber wenn wir bei Patek Philippe bleiben, reden wir von Prestige, von Handwerkskunst. Wir haben streng limitierte Auflagen, wir legen Wert auf gute Beratung, die ist sehr, sehr wichtig für uns. Für uns wird es immer einen Markt geben. Der wächst vielleicht nicht so schnell wie der Luxus-Markt, auf dem du über Nacht Millionen über Millionen machen kannst - aber Know-how, guter Geschmack und Prestige sind und bleiben unbezahlbar. Was war eigentlich Ihre erste Uhr? Eine Calatrava, die ich von meinem Vater zum 20. Geburtstag geschenkt bekommen habe. Das ist bei uns so Familien-Tradition. Meinem Sohn habe ich mit 20 eine Nautilus geschenkt. Er ist mehr der sportliche Typ. Wie viele Uhren besitzen Sie heute privat und gibt es so etwas wie ein Lieblingsstück? Ich trage eigentlich immer diese Automatik mit ewigem Kalender. Sie ist angenehm flach. Ein gutes Stück. Zu Hause habe ich noch drei oder vier andere. Grundsätzlich habe ich natürlich viele Uhren, aber die sind alle im Museum, das ich 2001 errichtet habe - und wenn sie einmal dort sind, kommen sie nie wieder zurück. Sie sind 70 Jahre alt. Wann wird Ihr Sohn Thierry die Nachfolge antreten? Nun, da gibt es noch keinen genauen Zeitpunkt. Thierry ist jetzt 38 und arbeitet schon seit 15 Jahren im Betrieb, er kennt die verschiedenen Abteilungen. Er ist heute bereits mein Stellvertreter. Schritt für Schritt findet der Wechsel statt. Der Tag wird kommen, langsam, aber sicher. Vielleicht sogar heuer noch… * Das Herren-Einsteiger-Modell kostet bei Patek Philippe 11.000 € mehr deluxe… |
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