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Dialog-backdrop Lapo Elkann: "Style bleibt, Mode geht"Italien steht für Farbe und für Stil - und so muss sich auch die Mode des Landes verkaufen, sagt Lapo Elkann. Der Agnelli-Enkel will es mit seiner Kollektion vorführen. Links zum ThemavergrößernGrafik
ZitiertLapo ElkannIn zehn Jahren will ich für Italien das sein, was LMVH für Frankreich ist. vergrößernGrafik
ZitiertLapo ElkannWir sind keine Modemarke, wir sind eine Style-Marke. vergrößernGrafik
ZitiertLapo ElkannIch verkaufe nicht nur Produkte, sondern eine Vision, einen Traum. vergrößernGrafik
ZitiertLapo ElkannWir Italiener müssen verstehen, dass unsere Stärke Geschmack und Stil ist. vergrößernGrafik
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Die große Hoffnung der italienischen Mode erscheint in Blau: Lapo Elkanns Hose hat die Farbe des Ligurischen Meeres, wenn sich die Sonne darin spiegelt. Dazu ein weißes, offenes Hemd, einen graublauen Strohhut und zweifarbige Schuhe. Was Lapo Elkann trägt, wird in Italien registriert, kopiert, idealisiert. Seine Garderobe hat Stil und ist schräg zugleich, er kombiniert schamlos Farben, streift die Grenzen des guten Geschmacks, riskiert den schlechten und signalisiert mit diesem eigenwilligen Auftreten vor allem eines: sich nicht darum zu scheren, was andere über ihn denken. Nördlich der Alpen würden manche sein Erscheinungsbild als zu laut empfinden, südlich der Alpen ist der Enkel des legendären Fiat-Chefs Gianni Agnelli eine Stil-Ikone. Doch es ist eine Rolle, die ihm eher lästig ist. Er findet sie sogar uninteressant. Das Ziel, das Lapo Elkann verfolgt, ist ein anderes, ein größeres, er will mehr. Er will Italien retten. Es ist ein heißer Sommertag in Florenz. Die Hitze hat sich wie ein Staubtuch über die Stadt gelegt und lähmt so manchen Besucher der Männermodemesse. Für Lapo Elkann gilt das nicht. Er präsentiert bei der "Pitti Uomo" seine Marke "Italia Independent", und wenn er zwischen Regalen und Kleiderständern hin und her wirbelt, wirkt er wie die einzige lebende Figur in einem Standbild. Sein Messeauftritt findet unter freiem Himmel statt und soll das entspannte Leben auf dem Land stilisieren. Überall stehen Pflanzen auf dem Rollrasen, dazwischen hängen Kleider - "alles nicht zu perfekt", erläutert Elkann, während er im Schneidersitz auf einem der Heuballen Platz nimmt. Zwischendurch begrüßt er die Granden der italienischen Mode, verteilt Küsschen und redet im Stakkato. Manche sagen, er sei ein Getriebener wie sein Großvater Agnelli. Tatsächlich weiß man nicht so genau, ob er einfach bloß ein Zappelphilipp ist oder einer jener Managertypen, die im Eiltempo durchs Dasein brettern und keine Sekunde ungenutzt lassen. "Niemals aufgeben", hat er auf seinen Unterarm tätowieren lassen. Lapo Elkann fährt mit Turbo durchs Leben - und manchmal auch gegen die Wand. Aber es ist genau diese Geschwindigkeit, die er Italien verordnen will, damit das Land wieder zu altem Glanz zurückfinden möge. Wenn er über seine neue Kollektion spricht, hält sich Lapo Elkann nicht mit Details auf, er sieht immer einen übergeordneten Zusammenhang, die ganz große Sache. Seine Hosen, Jacketts und Anzüge für den nächsten Sommer sind in kräftigen Farben gehalten und mit natürlichen Enzymen aus Tomaten, Milch und Kräutern gefärbt. Was man auf den ersten Blick als Öko-Kollektion definieren könnte, ist aber mehr. "Es ist Natur, und es ist eine Rückkehr zu unseren Ursprüngen, denn die Energie Italiens, das sind vor allem Farben", sagt er enthusiastisch. "Das ist es,was ihr Österreicher mit Italien verbindet. Die Sonne, das Meer, diese Farben." Es scheint so einfach. Als müsse Italien nur wieder an sich selbst glauben, so wie Elkann an seine Marke glaubt: "Ich verkaufe eine Welt. Im Unterschied zu 99,9 Prozent der Menschen, die Kleider in Geschäfte hängen, verkaufe ich nicht nur Produkte, sondern eine Vision, einen Traum", behauptet er schwärmerisch, weil die Wirklichkeit wohl eher trist ist. Italien ist berühmt für Geschmack und Stil Seit viele italienische Modeunternehmen in China produzieren lassen und die klassischen kleinen Textilmanufakturen vor allem in Norditalien schließen mussten oder um ihre Existenz fürchten, hat das Image gelitten. Zwar gibt es immer noch erfolgreiche Marken wie Armani und Dolce & Gabbana, die in der Welt des globalisierten Stils mithalten können. Aber der ewige Konkurrent Frankreich hat bei der Vermarktung des Luxus die Nase vorn, spätestens seit - für Italien besonders schmerzlich - einst uritalienische Labels wie Gucci und Pucci zu den französischen Luxuskonzernen PPR und "Louis Vuitton Moët Hennessy" (LVMH) gehören. Lapo Elkann will das ändern, er will alles dafür tun, seinem Land die "Energie zurückzugeben", die es einst besaß. "Italien muss bei der Globalisierung wieder mitreden. Wir müssen verstehen, dass unsere Stärke der Stil ist. Wir sind nicht so organisiert wie die Deutschen, nicht so rational, nicht so diszipliniert. Aber wir sind berühmt für Geschmack und Stil. Für unsere Leichtigkeit. Wir sind nicht arrogant und pompös, so wie es manchmal die Franzosen sind." "Wir treten gegen Tod´s an" Der rothaarige Norditaliener aus der berühmten Turiner Familie scheint das Zeug zum Hoffnungsträger zu haben. Das war schon einmal so, als der Lieblingsenkel von Gianni Agnelli vor fünf Jahren, nach dem Tod des "Avvocato", dem strauchelnden Unternehmen seines Großvaters zu mehr Frische verhalf. Als Marketingmanager verordnete er dem Autokonzern "mehr Emotionen". Er entwarf Trainingsjacken mit dem Fiat- Schriftzug auf der Brust ebenso wie Fiat-Turnschuhe und eröffnete ein Fiat-Café in Mailand. Plötzlich war Fiat wieder angesagt, die Aktienkurse stiegen und Elkann wurde ein Star auf dem italienischen Boulevard. Doch der Hyperaktivist brach sich beinahe das Genick: Am 11. Oktober 2005 fand man ihn bewusstlos in der Wohnung eines Turiner Transsexuellen, mit einer Überdosis Heroin, Kokain und Alkohol im Körper. Er lag tagelang im Koma. Als er aufwachte, hatte sein Image an Strahlkraft verloren. Damals beendete er zunächst seine Tätigkeit bei Fiat und gründete seine eigene Marke "Italia Independent", - Synonym für ein neues Italien. Er fing mit Sonnenbrillen an, seit letztem Jahr gehören auch Schuhe und Jacken dazu, im Sommer wurde seine Kollektion durch Anzüge ergänzt. Elkann verzichtete auf ein markantes Logo, mit dem andere Luxuswaren unverwechselbar sein wollen. Seine driving shoes mit Gummisohle zierten eine kleine italienische Flagge - daswar's. "Wir sind keine Modemarke, wir sind eine Style-Marke", sagt er: "Style bleibt, Fashion kommt und geht." Deshalb ist Mode nur ein Teil seiner Marke, Elkann entwirft auch Vasen, beschäftigt sich mit einer Neuinterpretation der Vespa und präsentierte bei der Pitti Uomo die besten Autodesigner der Welt. Seine driving shoes, die er mit der Marke Arfango entwickelte, haben eine Sohle aus demselben Material wie ein Formel-1-Reifen. Sie sind handgemacht und aus Wildleder, Nappaleder oder Samt gearbeitet. Und sie sind die Stars seiner insgesamtwagemutigenKollektion. "Wir treten gegen Tod's an", sagt Elkann selbstbewusst - und imBewusstsein,wie erfolgreich die Konkurrenz ist. Kissinger, Champagner und Autorennen Elkann stammt nicht gerade aus einem Umfeld, wo kleine Brötchen gebacken werden, trotzdem wirkt er dank seiner guten Erziehung nicht großspurig, sondern ausgesprochen höflich, fast herzlich. Er will niemanden seine großbürgerliche Herkunft spüren lassen. Geboren in New York, aufgewachsen in Paris. Seine Mutter Margherita ist die Tochter von Gianni Agnelli, sein Vater der französische Publizist Alain Elkann. Die Eltern trennten sich früh, die Mutter heiratete wieder und bekam mit ihrem neuen Mann fünf weitere Kinder. Es heißt, Lapo und sein älterer Bruder John, der heute Präsident von Fiat ist, hätten getrennt vom Rest der Familie in einem anderen Flügel des Hauses gewohnt. Sein Vater war acht Jahre lang mit der Modedesignerin Diane von Fürstenberg liiert. Dass er sie heute als seine Stiefmutter bezeichnet und als "eine Freundin, die immer da ist, wenn die Dinge richtig schlecht laufen, die man immer anrufen kann", deutet sein eher unterkühltes Verhältnis zur Mutter an, das außerdem durch Erbstreitigkeiten belastet ist. Der quirlige Lapo war dennoch einer von Agnellis Lieblingsenkeln. Er studierte internationale Beziehungen in London und arbeitete eine Zeitlang auf Vermittlung seines Großvaters als Assistent vonHenry Kissinger. Im Gegensatz zu seinem zurückhaltenden Bruder zeigte Lapo sich regelmäßig auf Partys an der Seite schöner Frauen und machte das, was reiche Erben eben so tun: Ski fahren, Champagner trinken, Autorennen besuchen. "Ich bin kein Fashionista" Dennoch wäre es falsch, "Italia Independent" als Hobby eines reichen Erben abzutun. Der instinktsichere Elkann, gerade mal 32 Jahre alt, verfolgt seine Ziele hartnäckig und verkauft seine Produkte mittlerweile auf der ganzen Welt, unter anderem in den deutschen Trendläden "The Corner" in Berlin und "Jades" in Düsseldorf. Das Gros des Geschäftes aber läuft über das Internet ( www.italiaindependent.com). Zum hysterischen Modezirkus versucht er Distanz zu halten. "Ich mag die Leute in der Mode nicht, die sich selbst zu ernst nehmen. Ich nehme mich nicht sehr ernst. Ich bin nicht prätentiös. Ich bin kein Rockstar, wie viele Designer von sich selbst denken. Mein Traum ist es nicht, ein Giorgio Armani zu sein. Mein Vorbild ist jemand wie Ralph Lauren, der nicht nur Kleider entwirft, sondern eine ganze Welt kreiert hat." Lapo Elkann ist in erster Linie Geschäftsmann. Die Bezeichnung "Stil-Ikone" empfindet er als ein lästiges Image. Fragen zu seiner Art, sich anzuziehen, oder überhaupt zu Dresscode-Regeln wehrt er ab und wird, sonst überaus höflich, sogar leicht unwirsch. "Ich bin kein Fashionista. Ich rede nicht gern darüber, was ich trage. Ich trage das, wonach mir gerade ist und halte mich an die Worte von Yves Saint Laurent, der mal gesagt hat, nur wer innerlich stark ist, kann auch äußerlich stark sein." Am Abend zuvor trug Elkann bei einer Modenschau einen schwarzen Smoking, rote Schuhe, eine Blume im Knopfloch und einen weißen Hut. Der innere Motor des Fiat-Erben läuft auf Hochtouren. Für Elkanns Vision, die er am Ende des Gesprächs skizziert, ist das auch nötig: "In zehn Jahren will ich für Italien das sein, was LVMH für Frankreich ist." mehr deluxe… |
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