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Gastkommentar: Mit dem Islam durch die Krise

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von Mouddar Khouja | 22.10.2008 | 16:04

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Gastkommentar: Mit dem Islam durch die Krise

Scharia-konforme ­Vorschläge könnten zur Beruhigung der Märkte beitragen.

Beigestellt

Mouddar Khouja/ GF Baraka

Muslime werden häufig mit Terror, Frauenunterdrückung und Rückständigkeit in Verbindung gebracht. „Bereicherung" durch Multikulturalität wird belächelt oder als Gutmenschentum abgetan. Dabei hätten Muslime zur derzeitigen Wirtschafts­krise einige sehr konstruktive Vorschläge. Es stehen die sechs Prinzipien der islamischen Wirtschaftsethik im Vordergrund:

● Wirtschaftliche Freiheit nur im Rahmen von ethischen Grundsätzen: Keine Intransparenz in den Eigentümerstrukturen, keine Monopole, keine Spekulation. Dies soll auch für Banken und Großunternehmer gelten.

● Verkaufe nie das, was du nicht besitzt, denn Optionsgeschäfte (Put- und Call Options) werden fast immer zum Zwecke der Spekulation angewandt.
● Zinsverbot: Geld soll kein Geld produzieren. Nur mit Gütern und Dienstleitungen soll Geld gemacht werden.

● Fairness bei Partnerschaften: Partnerschaft zwischen Geld und Inhabern von Know-how bzw. materiellen Sachgütern ist auf dem Prinzip der fairen Risikoteilung zu gestalten.

● Selbstverantwortung: Kein Verkauf von Schulden an Dritte oder Umschuldung.

● Nachhaltigkeitsprinzip: Auch wenn der Mensch rechtlicher Besitzer sein kann, ist er angehalten, keine Ressourcen zu verschwenden sondern maßvoll zu nutzen.

Weiters soll der Staat keine Privatisierungen in den Bereichen des Daseins vornehmen, etwa bei natürlichen Ressour­cen wie Wasser. Eine Regierung darf nicht wie ein Unter­nehmen mit der Maxime „Maximierung des Shareholder value" agieren.

Wolf und Mensch.

Homo homini lupus (dt.: Der Mensch ist des Menschen Wolf): Diese Aussage von Titus Maccius Plautus bzw. Thomas Hobbes gibt die Verhaltens­muster der heutigen Finanzwirtschaft in einem Ausmaß wieder, wie man das bisher nicht geglaubt hatte oder nicht wahrhaben wollte.
Viele haben in der Vergangenheit von der Überlegenheit der freien Marktwirtschaft gesprochen. Und noch mehr Wirtschaftsexperten haben die Selbstregulierungskraft des freien Marktes gepredigt.

Wir erleben jedoch, dass dieselben Experten heute auf Instrumente der Planwirtschaft zurückgreifen und Geldspritzen der Regierungen fordern. Diese können zwar zur temporären Beruhigung der Aktienkurse beitragen, aber das Vertrauen in dieses Wirtschafs- und Finanzsystem schwindet massiv.

Sinnvoll für alle.

In letzter Zeit setzen einige Banken auf Scharia-konforme Anlagen und Banken. Solche Anlagen sind durchaus auch für Menschen nichtmuslimischen Glaubens sinnvoll, denn neben dem Verbot von Glücksspiel, Alkohol, Tabak, Waffen, Pornografie und Werten von Biotechnologieunternehmen, die mit menschlicher und tierischer Gentechnik arbeiten, werden auch Bankaktien und Unternehmen mit mehr als 33 Prozent Verschuldung nicht gehandelt.

Menschen aller Religionen sollten gemeinsam für mehr Gerechtigkeit eintreten. Genau dazu bietet die islamische Wirtschaftsethik einen sehr interessanten Denkansatz zum friedlichen und sozial wärmeren Miteinander und handelt so verantwortungsvoll für heutige und künftige Generationen.

* Mouddar Khouja ist Geschäftsführer von Baraka und  Mitbegründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

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1 Kommentar

Das spekulative Element und das wärmere Miteinander

Vielen Dank Herrn Khouja für seinen Beitrag. In der Tat ist es wichtig, heute grundsätzliche Überlegungen über unser Wirtschaftssystem anzustellen. Und in diesem Zusammenhang, dass dabei überhaupt die wirtschaftsethische Frage gestellt wird, die angesichts der scheinbaren 'Herrschaft des Sachzwanges' oft ausgeblendet wird.

Wirklichkeitsfremd erscheint mir allerdings die Vorstellung, man könne in einer sich dynamisch entwickelnden Welt beim Wirtschaften auf Spekulation bzw. Zins verzichten. Auch wenn das Finanzsystem sich als zu riskant gezeigt hat, soll man nicht jedes unternehmerische Verhalten, das Risiken auf sich nimmt, unterbinden.

Übrigens sollte man über alle problematischen Entwicklungen bei uns hinweg auch nicht vergessen, dass die islamische Welt keine sehr glorreiche Wirtschaftsgeschichte hinter sich hat und dass sich das angeblich "wärmere Miteinander" für viele verdammt kalt anfühlt.

Von Gast: Gast: Dr. Gereon Vogel-Sedlmayr am 24.10.2008 um 12:14

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