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Gastkommentar: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist sozial gerecht

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von Norbert Griesmayr | 28.12.2009 | 16:05

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Gastkommentar: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist sozial gerecht

Wer es sich leisten kann – und daher mehr einkauft –, zahlt damit auch mehr Steuern.

WB/Tanzer

Norbert Griesmayr, GD VAV

Es ist eine Binsenweisheit. Schon im 18. Jahrhundert meinte der britische Ökonom David Ricardo: „Die öffentliche Verschuld­ung ist die schrecklichste Geißel, die je zur ­Plage einer Nation erfunden wurde.“ Der Hut brennt. Österreichs Staatsschulden steigen in immense Höhen. Laut Statistik Austria liegt die Staatsverschuldung um 15,5 Milliar­den € über dem Vorjahreswert von 189,3 Milliarden € und erreicht also 68,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Szenarien für die Zukunft sind düster. Experten rechnen mit einer Verschuldung bis 2035 von bis zu 128 Prozent des BIP, wenn nicht rasch gehandelt wird.

Konsequenzen sind dringend nötig, um das Feuer zu lösch­en. Andernfalls hinterlassen wir den nachkommenden Generationen eine ungeheure Hypothek. Das wäre verantwortungslos.

Vorhandenes Potenzial.

Der Staatsschuldenausschuss setzt auf Budgetkonsolidierung durch Einsparungen bei der Schulverwaltung, im Gesundheitssystem, beim Förderwesen und bei den verschiedenen Dienst- und Pensionsrechtssystemen für Beamte in den Bundesländern. Ausgabenseitig zu sparen ist dringend notwendig, das Poten­zial dafür ist vorhanden. Es wird aber nicht reichen, weil – wie die Vergangenheit deutlich gezeigt hat – eine Reihe von sinnvollen Maßnahmen realpolitisch nicht oder nur sehr schaumgebremst durchsetzbar sind. Und weil gerade in Krisenzeiten die Steuereinnahmen sinken, was oftmals in den Berechnungen noch gar nicht berücksichtigt worden ist. Bis zum September sind im Vergleich zum Vorjahr die Steuerzahlungen um 7,2 Prozent zurückgegangen.

Derzeit werden verschiedene Modelle diskutiert, wie Einkommen, Vermögen oder Stiftungen stärker besteuert werden könnten. Die undifferenzierten und wenig durchdachten Forderungen gipfeln in dem Appell: Die Reichen sollen zahlen. Theoretisch oder ideologisch klingt manches plausibel. Die Frage lautet aber: Ist es effizient, ­Steuern zu erhöhen?

Allgemeine Gültigkeit.

Vom Ergebnis her kann nur eine einzige Steuer sinnvoll erhöht werden: die Mehrwertsteuer. Sie ist eine Konsumsteuer, sie fällt bei jedem getätigten Kauf an. Alle Güter und Dienstleistungen, die täglich genutzt oder verbraucht werden, unterliegen dieser Abgabe. Im Unterschied zu den vorher genannten Steuern, die auf Vermögen oder Einkommen abzielen, kann sich der Mehrwertsteuer niemand entziehen. Eine Erhöhung der Vermögensteuer regt zur legalen und illegalen Kapitalflucht aus dem Land an. Eine Erhöhung der Leistungssteuern, zu denen die Belastung von Gehältern, Einkommen und Unternehmensgewinnen gehören, wirkt sich nachteilig auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und den Leistungswillen von Individuen aus. Die hohe Besteuerung der „Reichen“ ist sowieso eine Schimäre: Selbst eine 100-prozentige Besteuerung hoher Einkommen (etwa alle Gehälter und Einkommen, die über dem Jahresgehalt des Bundeskanzlers liegen) wäre nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist überdies gerecht, weil jeder Einzelne durch mehr oder weniger starken Konsum steuern kann, wie viel er zahlt. Wer es sich leisten kann, besonders viel zu konsumieren – also die „Reichen“ –, zahlt damit auch hohe Steuern.

Für eine maßvolle Erhöhung besteht sogar in juristischer Hinsicht Spielraum. ­Innerhalb der EU wurde der maximale Umsatzsteuersatz bei 22 Prozent gedeckelt. Die Erhöhung der Mehrwert­steuer um zwei Prozentpunkte würde in Milliardenhöhe zusätzliche Steuereinnahmen in die Kassen des Fiskus spülen. Damit keine Kaufkraft ins Ausland abfließt, sollte kein österreichischer Alleingang, sondern eine Abstimmung mit anderen EU-Ländern erfolgen. Alle EU-Staaten sitzen im gleichen Boot, weil ihre Budgets unter der auseinanderklaffenden Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben leiden.

Hier soll nicht exzessiven Steuererhöhungen das Wort erteilt werden. Im Gegenteil: Jede Erhöhung von Lohn-, Einkommen- oder Körperschaftsteuern wäre Gift. Selbstverständlich muss ausgabenseitig gespart werden. Einnahmenseitige Maßnahmen werden aber nicht ausbleiben können, um den Staatshaushalt wieder ins Lot zu bringen. Und hier bietet sich nur die Mehrwertsteuer als effizientes, gerechtes und europaweit einsetzbares Instrument an.

* Norbert Griesmayr ist Generaldirektor der VAV Versicherung

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6 Kommentare

Statt dem Volk die Kaufkraft...

...zu entziehen, um die Folgen der Finanzkrise zu beheben, wäre es wohl besser, die zur Kasse zu bitten, die daran Schuld sind.
Das sind in erster Linie die Bankster. Die, die jetzt schon wieder fette Gewinne schreiben (kein Wunder, nehmen sie doch das Zentralbankgeld für 1% und verleihen es für 7% weiter) und für deren Eskapaden der Steuerzahler aufkommen muss, sollen durch kräftige Besteuerung ihren Beitrag leisten. Gewinne aus nicht produktiver Tätigkeit (in dem Fall durch "Handel" mit Geld) müssen in diesen Fällen mit mindestens 80% besteuert werden. Dazu kommt noch die dringend nötige Spekulationssteuer. Solange diejenigen, die am Desaster schuld sind, nicht dafür haften (auch persönlich mit dem gesamten Vermögen) und sich trotz de facto-Bankrott ihrer Institute noch Traumgagen genehmigen, solange wird es weitergehen wie bisher: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

Von Gast: Gast: Pest am 01.01.2010 um 12:25

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ein wenig wahrheit

der denkansatz ist vollkommen richtig und ehrlich. sicher tut es unserem privaten börserl. andererseits ist das immer noch zu wenig. meinermeinung nach wäre es gleich wichtig, auf die spekulativen geschäfte bzw. wetten ein steuer einzuheben, die im gleichklang mit dem risiko geht. diese im promilleberecih anzusetzen, wie manche politiker es vage und ängstlich vorschlagen, halte ich für nicht bedeutsam und für nicht erfolgreich. natürlich müssen (fast) alle regierungen mitspielen. dann können die spieler mit sich selber wetten... auch der vorschlag, der im raum steht, reale banken und investment(casino)banken getrennte spielräume zu schaffen, ist für mich ein möglicher weg.

Von Gast: Gast: sirnicha am 29.12.2009 um 16:28

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.

erstens ist jedem der Economy I besucht hat klar, dass diese steuer in wahrheit regressiv ist.
könnten wir zweitens bitte endlich einen experten bekommen, der den richtigen terminus technicus umsatzsteuer verwendet?

Von Gast: Gast: mah bitte am 29.12.2009 um 08:30

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Superblödsinn!

Die Abgabenquote ist schon viel zu hoch und wir schon heute in keinem Fall sozial gerecht, oder auch nur nach einem sinnvollen Bedarf, verwendet. Tatsächlich greift der Staat auch schon massiv auf die Sozialversicherungbeirtäge zu, um seine unerträglichen Organisationen am Leben zu erhalten.

Jede Zusatzsteuer, oder Steuererhöhung, wird in Österreich zu einer weiteren Schrumpfung der Nachfrage führen und ist Gift für die schon geschwächte echte Privatwirtschaft, im Besondern der Realwirtschaft.

Tatsächlich ist es höchste Zeit, dass die Regierung in die Gänge kommt und endlich eine Kontrolle über die Verwaltung erkämpft, bzw. die Sanierung der geschützten Bereich endlich schafft. Es kann doch nicht sein, dass ein so kleiner Staat mit Zwangsabgaben von 120 -130 Mrd. Euro pro Jahr nicht zurecht kommt. Unsere grosse Masse an Parteibonzen und Pragmatisierten in Entscheidungspositionen haben eigentlich schon abgewirtschaftet, können das aber nicht erkennen.
Totalversager!

Von Gast: Gast: ET am 28.12.2009 um 18:55

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sozial gerecht?

der Ansatz in diesem Kommentar erscheint logisch. Die Frage wird nur sein ob die Mehreinnahmen dann wieder sinnlos verpulvert werden oder wirklich zur Verminderung der Verschuldung herangezogen werden. Für Menschen mit geringem Einkommen, wird die Belastung einer höheren Mwst. stärker spürbar sein als für Menschen mit höheren Einkommen. Aber es war schon immer so, dass die große Menge der Klein- und Mittelverdiener einen überproportionalen Beitrag zum Staatseinkommen beizutragen haben. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Geschehen muss auf jeden Fall etwas!!!

Von Gast: Gast: saubriegl hubert am 28.12.2009 um 16:57

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depad???

mal ehrlich.
redet davon dass sich KESt, KÖSt etc. sich negativ auf investitionen auswirken.
Wenn jetzt allerdings die USt um zB 2 % gesteigert wird, vermindert sich die Kaufkraft pro Familie um 2 % was nachhaltig wieder schwere folgen für die österr. Wirtschaft hat.
Wer viel geld hat soll viel einkaufen? Da spricht natürlich ein GD mit Einkommen im fünfstelligen (vermutung) bereich leicht.

Von Gast: Gast: wok am 28.12.2009 um 16:23

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