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Gastkommentar: Anleitung zur Verwaltungsexplosion

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von Christian A. Pongratz | 12.01.2010 | 16:51

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Gastkommentar: Anleitung zur Verwaltungsexplosion

Die Bedürfnisse der Unternehmen sind für Behörden oft lediglich Wunschvorstellungen.

Beigestellt

Christian A. Pongratz, Consulter

Selten eignet sich ein Thema so sehr für nachhaltigen Misserfolg in der Volkswirtschaft wie die exzessive staatliche Verwaltung der Unternehmen selbst. Die „Anleitung zur Verwaltungsexplosion“ garantiert Ihnen bei konsequenter Befolgung herausragende Ergebnisse. Ein Überschäumen der ­Administration will nämlich durchdacht sein und bedarf intensiver Planung. Die folgenden fünf Gebote führen zuverlässig zur „Verwaltungs­explosion“: Ändern Sie einfach Ihre Sicht der Dinge.

Gebot eins: Sehen Sie Bedürfnisse des Unternehmers als das, was sie wirklich sind: Humorvolle Wunschvorstellungen einer abhängigen Gesellschaftsschicht. Amüsieren Sie sich über die Naivität der Wirtschaftstreibenden. Sollten diese annehmen, dass nach intensiver eigener Geschäftsvorbereitung und meist zähen Finanzierungsverhand­lungen nun der Weg frei ist, um durch unternehmerische Leistung notwendige Gewinne zu erzielen, aus denen via Steueraufkommen sämtliche Staatsdiener bezahlt werden, so haben sich alle Beteiligten getäuscht. Erst wenn jedes Rädchen im Verwaltungs­apparat sein Okay gibt, darf in Österreich gearbeitet werden.

Gebot zwei: Sehen Sie Arbeits­geschwindigkeit als das, was sie wirklich ist: Ab einem gewissen Tempo der Gesund­heit der Sachbearbeiter abträglich. Arbeiten Sie so, als ob Sie unkündbar wären. Arbeiten Sie so, als würde Ihnen die Tätigkeit keine Freude bereiten. Arbeiten Sie so, als hätten Sie keinen inneren Antrieb. Arbeiten Sie so, als hätten Sie ein Monopol auf Ihre Tätigkeit. Gehen Sie davon aus, dass niemand an Ihnen „vorbeikommt“ – wozu also freundlich sein? Arbeiten Sie mit monatelangen Fristen und schöpfen Sie diese aus, der Gesetzgeber wird sich dabei schon etwas gedacht haben. Stoppen Sie engagierte Kollegen oder machen Sie diesen pflichtbewusst das Leben schwer. Es könnten unangenehme Fragen auf Sie zukommen, wenn strebsame ­Beamte Ihre harte Arbeit in der ­Hälfte der von Ihnen benötigten Zeit erledigen.

Gebot drei: Sehen Sie Ihren Arbeitsbereich als das, was er wirklich ist: Entscheidend für das Wohl der Republik. Wenn die Volkswirtschaft ohne Ihren hoheitlichen Beitrag auskommen müsste, wäre der Untergang Österreichs programmiert. Ohne die Bescheide Ihres Bereiches und die vorausgegangene intensive Prüfung der Sachverhalte entstünde sofortiges Chaos. Es gilt, Beiräte zu hören, Gutachten einzufordern und Sachverständige zu konsultieren, die ihrerseits Selbstverständlichkeiten zu untersuchen haben. Arbeitskreise sind zu bilden, Besprechungen abzuhalten und Lokalaugenscheine vorzunehmen. Nehmen Sie hierbei jede Möglichkeit wahr, um Ihre Wichtigkeit zu unterstreichen und stellen Sie Fragen in den Raum, die nur Sie selber beantworten können. Halten Sie Monologe bei Besprechungen. Verlieren Sie sich in Einzelheiten. Erklären Sie die genauen Hintergründe und entscheidenden Fragen Ihrer Tätigkeit. Berichten Sie allen über die Wirrungen von Amtstiteln, Gehaltsstufen und Sonderzulagen, Ihre Zuhörerschaft wird es Ihnen danken.
 
Gebot vier: Sehen Sie Ihre Arbeitsaufgaben als das, was sie wirklich sind: Kostenpflichtig. Wo kämen wir hin, wenn Ihre Leistungen bereits durch das Steueraufkommen gedeckt wären. Verwaltungsgebühren sind das Salz in der Suppe und geben den Antragstellern eine Idee davon, wer hier wen ­abkassiert. Auch Bußgelder eignen sich bestens, um gute Stimmung zu verbreiten. Strafen Sie nach Herzenslaune. Arbeiten Sie nicht, strafen Sie! Verbessern Sie nicht, strafen Sie! Vermitteln Sie nicht, sondern strafen Sie!

Gebot fünf: Sehen Sie sich selbst als das, was Sie wirklich sind: Als Verantwortlicher der öffentlichen Verwaltung einfach genial. Niemals ­dürfen Sie vergessen, dass der sicherste Weg zur Verwaltungsexplosion über Ihr Selbstverständnis führt. ­Seien Sie restlos von sich selbst überzeugt und verlieren Sie den Kontakt zur Wirklichkeit. So bleiben Sie nachhaltig in Erinnerung.

* Christian A. Pongratz ist Gründer von durchdacht.cc Consulting und betriebs­desaster.cc-Training

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2 Kommentare

trifft den nagel auf den kopf....

... sollte man am black board sämtlicher amtsstuben sämtlicher verwaltungsebenen aushängen... ein spiegel der behördenstruktur hierzulande. leider gibts von staats/landes/gemeinde/diversen behörden-dienern im verhältnis zur bevölkerung zu viele, die dahinterstehende lobby weiß sich gegen jegliche veränderung erfolgreich zu wehren.
der freistaat bayern hat mehr einwohner sowie bei weitem weniger beamte als wir. selbst dort wird über die trägheit des systems diskutiert.
vorschlag: abschaffung der verwaltungsebene land, zusammenlegung diverser behörden (zb der DREI öffentlichen wetterdienste), nutzung von synergieeffekten durch benützung von krankenhäusern bundesländerübergreifend usw usw...

... jetzt bin ich wieder aufgewacht, es geht ja um behörden, wirtschaftsregeln werden dort ja nicht angewandt :-)

Von Gast: Gast: rw am 14.01.2010 um 10:17

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Exzellent!

Hatte grossen Spass diesen Text zu Lesen, auch wenn es eigentlich zum Weinen ist. Man entwickelt doch einen Galgenhumor.

Es gibt aber Hoffnung.
Immerhin ist das etablierte System am besten Weg suizid zu begehen. In dem Moment wo kein Depp mehr gefunden wird, welcher die Staatsanleihen zeichnet, ist es aus. Dann bekommt die Gesellschaft eine neue Chance es besser zu machen.

Von Gast: Gast: ET am 13.01.2010 um 10:02

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