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Gastkommentar: Exzellenz anstelle von Mittelmaß

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von Herwig Hösele | 31.01.2010 | 16:00

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Gastkommentar: Exzellenz anstelle von Mittelmaß

Im musisch-kreativen und naturwissenschaftlich-technischen Bereich wird schon seit Langem die Vernachlässigung junger Talente beklagt.

APA

Herwig Hösele, Bundesratspräsident a. D. (ÖVP)

Wie können wir die Leistungswilligen fördern?“, fragt WirtschaftsBlatt-Chefredakteur Wolfgang Unterhuber im Leitartikel mit dem provokativen Titel: „Bildung: Die Wurzel allen Übels.“ Tatsächlich ist Bildung der Schlüssel für die Zukunft – sowohl für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft im internationalen Standortwettbewerb als auch für jeden Einzelnen, sein Fortkommen und seine Persönlichkeitsentfaltung.

Und da ist es – trotz heraus­ragender individueller Leistungen – in Österreich „ideologiebedingt“ leider schlecht bestellt, wenn die „solidarische Hochleistungsgesellschaft“ (Copyright beim von seinen Genossen abgesägten Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer) ein Ziel sein sollte, ja, eigentlich sein muss. Denn die beiden Koalitionsparteien verharren in ihren ideologischen Schützengräben statt gemeinsam den Aufbruch zu wagen. Nicht die Bildung, sondern die aktuelle österreichi­sche Bildungspolitik ist also die Wurzel allen Übels.

Umverteilungsdebatte.

Obwohl die OECD bereits im Bildungsbericht 2007 den Merksatz formulierte, „ Länder, die Gebühren für die frühkindliche Erziehung und Betreuung einheben, aber nicht für den Hochschulbereich, müssen ihre Politik überdenken“, hält die SPÖ am unhaltbaren und unverantwortlichen Dogma der Studiengebührenfreiheit fest. Ein Standpunkt, der von renommierten Fachleuten, auch linker Provenienz, übereinstimmend als „Umverteilung nach oben“ bezeichnet wird.

Die bestmögliche Förderung frühkindlicher Entwicklung und eine möglichst späte Selektion – also nicht schon mit zehn Jahren – nach dem Motto „Fordern und fördern“ wird von ebendiesen Experten im Gleichklang als wichtigste Maßnahme zur Herstellung von Chancengerechtigkeit und Ausschöpfung aller Begabungsreserven angesehen. Hier muss wiederum die ÖVP noch manche Scheuklappe ablegen.

Manch Entscheidendes wird viel zu wenig gefördert. Musikgenie Nikolaus Harnoncourt beklagt die Vernach­lässigung des Musisch-Kreativen bitter, der Österreichische Rat für Forschung und Technologieentwicklung konstatiert große Defizite bei den naturwissenschaftlich-technisch­en Kompetenzen. Hier wird es zu einem gravierenden Mangel qualifizierter Arbeitskräfte kommen, was negative Folgen für die volkswirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit haben kann. Dafür werden in überfüllten Hörsälen tausende arbeitslose Psychologen und Publizisten produziert und durch oftmals miserable Studienbedingungen überlange Studienzeiten provoziert – beides arge Mittelvergeudung und Ursache viel persönlicher Verzweiflung.

Natürlich ist ein möglichst breiter Hochschulzugang pro Jahrgang höchst wünschenswert – nur müssen die Studien­bedingungen stimmen und Leistungswillige gefördert, nicht behindert werden. Leistung und Elite – bei Sport und Kunst gefordert – gilt bei Wissen­schaft und Wirtschaft noch immer als „pfui“. Dabei besteht ein unleugbarer Zusammenhang zwischen Breite und Spitze – sowohl von der Vorbildwirkung als auch vom Talentreservoir her.

Hoffnungsschimmer.

Wir brauchen eine starke leistungswillige Mitte, die das Fundament für exzellente Spitzenleistungen bildet, nicht ein Mittelmaß, das bremst und blockiert.

Darum – und nicht um die Frage, ob die hemmende und großteils überflüssige Bürokratie von „Landesschulrat“ auf „Bildungsdirektion“ umgetauft wird – sollte sich die Bildungsdiskussion drehen.
Vielleicht setzt die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl Signale der Hoffnung?

* Herwig Hösele ist Geschäftsführer von Dreischritt und Präsident des Bundesrates a. D. (ÖVP)

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