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Investoren denken zu wenig über Standorte nach

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von John Naisbitt & Doris Naisbitt | 09.02.2012 | 21:24

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Investoren denken zu wenig über Standorte nach

Doris & John Naisbitt: Mehr Bildung und Kommunikation zwingen Chinas Regierung zu politischen Reformen.

Kein Tag, an dem China nicht Schlagzeilen liefert. Und meist sind sie negativ. Ein Veto in der UN, Aufstand in Wukan, dazwischen ein ­Interview mit einer ausgebeuteten Arbeiterin eines Foxconn-Werkes, die das iPad, dessen Teile sie in Zwölf-Stunden-Schichten fertigt, noch nie gesehen hat. Warum schafft es China nicht, auch für positive Schlagzeilen zu sorgen?

Mit Sicherheit besteht ein Kommunikationsproblem. Es ist schlicht nicht Art der Chinesen, Probleme offen anzusprechen. Auch in unseren Recherchen ist es oft schwierig, ausweichende Floskeln zu überwinden. Dennoch: kein Rauch ohne Feuer. Wie sicher also ist der Standort China?

Chinas Regierung will an der Macht bleiben. Dass dies bei einer Bevölkerung, deren Bildung und Kommunikationsmöglichkeiten sich ständig verbessern, nicht ohne politische Reformen geht, ist klar. In Chinas Demokratisierungs­prozess ist die zunehmende Mitsprache des Volkes jedoch auf sozialökono­mische Fragen beschränkt.

Lassen wir westliches Denken, das auch das unsere ist, einmal beiseite, ist es durchaus vernünftig, wirtschaftliche Entscheidungen nicht mit parteipolitischen Überlegungen zu verbinden. Das Dilemma westlicher Demokratien ist ja gerade das parteipolitische Korsett, das Regierungen Vorschläge von Opposi­tionspartien, selbst wenn sie vernünftig sind, oft verwerfen lässt.

Chinas Rechtssystem hat laut Aussage internationaler Rechtsexperten durchaus europäisches Niveau. Das Problem liegt in der Umsetzung, und dabei spielt die Qualität der lokalen Regierung, vom Parteisekretär der Provinz bis zum Dorfbürgermeister, eine entscheidende Rolle. China ist kein Monolith.

Bleiben in einer Region die Bauern noch auf der Strecke, werden sie in einer anderen von der Stadtbevölkerung wegen ihres Grundbesitzes und ihrer neuen Rechte ­bereits beneidet. Geht man in einer Stadt mit Urheberrechten noch recht salopp um, will eine andere gerade deren strikte Beachtung als USP für direktes ausländisches Investment ins Rennen führen.

Welche Geschäfte man auch ­immer mit und in China machen möchte, die Auswahl des Standorts und der ­lokalen Partner ist von entscheidender Bedeutung. Dennoch wird gerade in diesem Punkt vonseiten vieler Investoren noch zu wenig spezifisch recherchiert.

In Chinas politischer Führung hat ein Umdenkprozess zu serviceorientiertem Handeln und wachsendem Respekt vor den Rechten des Individuums begonnen. Doch in einem Land, in dem ­Konfuzius' Denken jahrtausendelang die Gesellschaft prägte, ändern sich Dinge nicht von heute auf morgen. Und oft auch nicht ohne Androhung ernster Konsequenzen.

So änderte der laut eigenen Angaben einst „grobe und sture" Parteiführer Gao Lianlun von Ande Town in Chengdu ­seine Gangart erst, als der heutige Parteisekretär von Sichuan, Li Chuncheng, ihm 2005 seine Ablösung androhte, weil er den von der lokalen Regierung vorgegebenen Reformkurs ignorierte. Wirklich konvertiert haben ihn jedoch die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich für seinen Ort aufgrund der Reformen eröffneten. Gemeinsam mit den Bauern wurde der Fokus auf die Herstellung ­lokaler Produkte beschlossen. Einer ­ersten Fabrik für Sichuan-Bohnensauce folgten weitere Investoren. Heute zählt Andes Industriepark mehr als 100 Unternehmen.

Und mit serviceorientiertem ­Denken und wachsender sozialer ­Gerechtigkeit steigt auch die Sicherheit für direktes ausländisches Investment. Tatsächlich halten es immer mehr Städte in China wie der Bürgermeister von Chengdu, der sich vierteljährlich mit in seiner Stadt ansässigen ausländischen Unternehmern trifft, um die inzwischen gewohnt hohe Servicequalität aufrechtzuerhalten. Mit anwesend sind dabei stets die leitenden Beamten aller Abteilungen. Für jedes Problem, das nicht sofort gelöst werden kann, muss binnen drei Tagen ein schriftlicher Lösungsansatz vorgelegt werden.

Auf diese Weise versuchen sich speziell Chinas sogenannte „Second Tier Cities" wie zum Beispiel Xiamen, Tianjin, Dalian, Chengdu, Chongqing, Kunming oder Xi'an in dem heftigen Wettbewerb um ausländische Investitionen hervorzutun.
Denn europäische, also auch österreichische Produkte und Dienstleistungen ­genießen in China grundsätzlich hohes Ansehen. Doch erst die Wahl des passenden Standorts festigt die Chancen, diese auch zu etablieren und so für Gewinn und ­positive Schlagzeilen im eigenen Land zu sorgen.

 

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